Urlaub an Pfingsten, Heidel nimmt seine Arbeit auf, Naldo kommt, Breitenreiter und Matip gehen

Das letzte Saisonspiel bei der TSG Hoffenheim habe ich leider verpasst, da ich am Pfingstwochenende zu einem Kurzurlaub am schönen Hennesee nahe Meschede im Sauerland weilte.

Krasnodar-Wolfsburg (13)
Der Neu-Schalker Naldo, Christian Heidels erster Überraschungscoup

Leider war das Wetter eher durchwachsen, von der Hitzewelle eine Woche zuvor spürte man da nichts mehr. Abwechselnd Sonne und Wolken mit regelmäßigen Schauern: so richtig toll war’s leider nicht.

Dafür wohnten wir in einem sehr schönen Ferienhaus oberhalb des Stausees in bester Lage, eingebettet in diese nordrhein-westfälische Variante einer „deutschen Toskana“. Es hat uns toll gefallen, einschließlich eines Besuches des Dirt Masters im Bikepark Winterberg. Besonders meinem großen Sohn, der als begeisterter Mountainbiker dort trotz des ganzen Trubels einige Runden drehen konnte.

Das war allerdings genau am Samstag, als der S04 sein letztes Saisonspiel in Sinsheim bestritt. Daher bekam ich auch vieles nur über das Radio mit, einschließlich Breitenreiters Bekanntmachung seiner eigenen Entlassung bereits vor der Begegnung. Kurios, aber aufgrund der etwas ungewöhnlichen Situation um den Manager-Posten in Gelsenkirchen wohl in dieser Form unvermeidlich, Schalke eben.

Schon ein wenig peinlich, dass die Mannschaft daraufhin aufgrund des 4:1-Erfolges dann doch mit Tabellenrang Fünf die direkte Europa-League-Qualifikation noch erreicht. Es hätte der versöhnliche Abschluss dieser Saison sein können, wenn es zwischendurch nicht so viele Tiefpunkte gegeben hätte.

Daher stand auch die Demission des Cheftrainers eigentlich vorher schon so gut wie fest. Ob man diese nun als berechtigt oder nicht ansieht, tut deshalb eigentlich schon nichts mehr zur Sache. Ich hatte ja schon letztens ein paar Worte über die Arbeit von Andrè Breitenreiter verloren, man kann nun wirklich sagen, dass Schalke ihn „geschafft“ hat.

Nun denn, Schwamm drüber, das ist nun alles Schnee von gestern: denn jetzt beginnt mal wieder eine neue Zeitrechnung auf Schalke, am Mittwoch nahm Christian Heidel im Rahmen einer Pressefonferenz nun auch offiziell seine Tätigkeit für den Gelsenkirchener Verein auf. Dabei mauerte er noch, was den neuen Trainer angeht, und erläuterte ausführlich seine Beweggründe, warum es mit Andrè Breitenreiter nicht weitergehen konnte.

Zudem erklärte Aufsichtsrat-Chef Clemens Tönnies, dass er sich künftig bei der Alltagsarbeit zurücknehmen wolle: Christian Heidel sei nun der neue starke Mann beim S04. Man darf gespannt sein, wie lange ein solches Versprechen trägt. Die nächste „Schluckrunde“ beim Doppelpass mit Thomas Helmer auf Sport1 kommt bestimmt…

Auch zur Agenda von Neu-Sportvorstand Heidel konnte man die Skepsis der versammelten Journaille bei der Pressekonferenz deutlich spüren. Doch der Ex-Mainzer betonte ausdrücklich, dass es gerade die Schwierigkeit der Aufgabe gewesen sei, die seinen Wechsel nach Schalke erst interessant und möglich gemacht habe.

Einen ersten Hinweis auf seine Arbeitsweise gab Heidel dabei bereits vor seiner Vorstellung: mit der geräuschlosen und völlig überraschenden Verpflichtung des brasilianischen Abwehrreckens Naldo vom VfL Wolfsburg. Der 33-jährige war ablösefrei zu haben, weil die VW-Städter ja bekanntlich die Teilnahme am internationalen Geschäft verpasst hatten. Zweikampf- und kopfballstark sowie mit einem Mordsbumms als erfolgreicher Freistoßschütze in nunmehr fast 300 Bundesligaspielen ausgestattet: mehr Erfahrung kann man eigentlich gar nicht auf einmal bekommen.

Zusätzlich blockiert er weit weniger als ein jüngerer Spieler die Weiterentwicklung der Talente Marvin Friedrich und Thilo Kehrer. Ganz im Gegenteil könnte er sogar mehr als eine Art Mentor für die Jungen auftreten und ihnen den Weg in die Bundesliga-Karriere erleichtern. Insofern hat Christian Heidel mit diesem ersten Coup bereits Maßstäbe gesetzt, sich aber auch selbst die Latte für weitere Verpflichtungen sehr hoch gelegt.

Einen bitteren Beigeschmack dürfte dieser Transfer allerdings trotzdem haben, wofür aber weder Naldo noch Heidel etwas können. Denn der Südamerikaner soll einen der besten Feldspieler der letzten Jahre beim S04 ersetzen: Joel „Jimmy“ Matip, der nach dem Ablauf seines Vertrages zum Saisonende auf die Insel zum FC Liverpool wechselt.

Über Matip noch viele Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Der Deutsch-Kameruner, seit 16 Jahren Schalker, war in den letzten Jahren immer der beständigste Innenverteidiger des Clubs, trotz eines Benedikt Höwedes, Matija Nastasic, Kyriakos Papadopoulos, Felipe Santana, Christoph Metzelder und wie sie alle hießen.

Auch ihm ist es vor allem zu verdanken, dass Schalke nach den Abgängen von Marcelo Bordon und Mladen Krstajic nicht völlig von der Bildfläche verschwunden ist. Nach holprigem Beginn, bei dem er auch gerne wegen seiner riskanten Spielweise von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde, mauserte sich Joel Matip zu einem der meist unterschätzten Abwehrspieler der Bundesliga, kopfballstark und bemerkenswert fair und effektiv im Zweikampf.

Seine gelegentlichen Ausflüge mit dem Ball am Fuß in die gegnerische Hälfte sind inzwischen legendär, insbesondere seine Torvorbereitung zum dritten Treffer in Hannover am 32. Spieltag dieser Saison. Der FC Schalke verliert damit einen seiner wichtigsten Spieler und ich bin sehr gespannt darauf, ob und wie ihn Naldo ersetzen wird.

Mach’s gut, Joel, und danke für die vielen Jahre in Blau-Weiß. Und Kloppo bekommt da einen richtig Guten.

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