Steve Dooling – ein Hillsborough-Überlebender schreibt, warum der Kampf nicht enden wollte

Am 15. April 1989 entwickelte sich in Hillsborough (dem Stadion von Sheffield Wednesday) ein unglaublicher Alptraum vor über 80.000 Augen.

Hillsborough Justice Campaign office, Liverpool
Das Büro der Hillsborough Justice Campaign gegenüber der
Anfield Road in Liverpool

Eine Katastrophe ohnegleichen, eine Riesensauerei, die das Establishment immer noch zu vertuschen versucht. 96 Fans wurden getötet, die keine Schuld daran traf, Hunderte mehr wurden teils schwer verletzt, später auch mental, und niemand hatte sie davor gewarnt (was natürlich auch kein Wunder war).

Die South Yorkshire Polizei beschuldigte uns, die Revolverblätter beschuldigten uns, der Killer/Lügner Duckenfield beschuldigte uns, er war der Chef-Superintendent des S.Y.P. Mordkommandos, Lügen, Lügen und noch mehr Bastard-Lügen haben sie über uns verbreitet. Später hat dann ein Richter namens Taylor jedes Mitglied, jeden Sergeant dieser mörderischen Truppe als „Lügner“ gebrandmarkt.

Doch ich will mich eigentlich nicht weiter mit dem befassen, was damals nicht passiert ist, da jeder vernünftige Mensch ohnehin weiß, was in Hillsborough tatsächlich geschehen ist.

Posttraumatische Belastungsstörung (P.T.S.D.) nennt sich diese Erkrankung, sie erwischte mich genauso wie Hunderte andere auch. Ich wünschte, ich hätte noch nie davon gehört, du würdest es nicht einmal deinem schlimmsten Feind wünschen, ganz ehrlich bei Gott.

Stress, ständige Anspannung, Schuldgefühle, schlaflose Nächte, Hara Kiri, sie sind immer alle da. Ich habe versucht mich zu verstecken, zu vergessen, doch es kam immer wieder, als wenn dich Autos überfahren wollten, als ob man eine Machete in den Hinterkopf bekommt, wie damals in Frankreich auf der A77 auf unserem Weg zurück aus Rom mit der Polizei in Tournous.

Aber nichts ist so schlimm wie die P.T.S.D. Sie eröffneten das Hillsborough Center im Stanley Park, wo wir Trauernden uns trafen, den Kopf auf einem anderen Planeten, doch wir alle standen da und halfen uns gegenseitig, soweit wir es eben konnten. Aber mindestens ein Dutzend der Überlebenden war so traumatisiert, sie haben es nicht geschafft, sie haben sich vor allem verschlossen.

Das Leben aber ging weiter (doch nicht mehr so wie vorher).

Im März 1998 wurde die Hillsborough Justice Campaign gegründet, die sich aus den trauernden Überlebenden, ihren Familien und Unterstützern zusammensetzte, großartigen Menschen, die helfen wollten. Die Gruppe hatte ihre Höhen und Tiefen, der Boykott (von Hillsborough 1999) lief, manchmal auch eher nicht, am Ende aber boykottierten 95% der Reds trotz einiger Auseinandersetzungen tatsächlich das Spiel in Sheffield.

Die Überlebenden kämpfen immer noch weiter, das Geschäft ist nun das Hillsborough Center, wir stehen uns gegenseitig bei und kämpfen zusammen (oder argumentieren auch, wenn wir untereinander nicht einer Meinung sind). Aber egal was passiert, wir stehen und kämpfen zusammen, das ist die Hillsborough Justice Campaign.

Lassen Sie Sheff(ield) Wed(nesday), die South Yorkshire Polizei und alle anderen Zweifler und Skeptiker gewarnt sein – Wir gehen nirgendwo hin, bis wir gewinnen und Gerechtigkeit für diejenigen bekommen, die selbst nicht mehr dafür sorgen können. Wir haben im Laufe der Jahre noch ein paar Kämpfer verloren, aber die Kampagne für die Gerechtigkeit wird immer stärker.

Steve Dooling – die Worte eines Überlebenden von Hillsborough

Nach all dem Unfassbaren, was ich in den letzten Tagen über die Katastrophe auf den Stehplätzen des Hillsborough-Stadions an jenem 15. April 1989 gelesen habe, hoffe ich inständig, dass Steve Dooling und die anderen Überlebenden sowie die Angehörigen der Opfer nun endlich Ruhe finden können, wenn am 8. August nach langem Warten Anklage erhoben wird gegen diejenigen, die für das Desaster verantwortlich sein sollen.

Mögen sie damit ein Urteil erhalten, mit dem sie endlich loslassen können, damit der Kampf enden und nur das Gedenken an die verlorenen Lieben bleiben kann, nach über 28 Jahren…

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