S04-LEV: Vom Bayer-Express in sechs Minuten überrollt

Normalerweise sind mir ja Lothar Matthäus und seine zumeist doch sehr simplen Fußballerweisheiten am „Experten“-Tisch beim samstäglichen Sky-18:30 Uhr-Spitzenspiel eher ein Dorn im Auge.

Shahter-Shalke (9)

Aber nach der Begegnung gegen Bayer Leverkusen war ich ihm förmlich dankbar für seine Aussage, sinngemäß „könne man die Niederlage nicht allein am Trainer festmachen, sondern Schalke würden vor allem Führungsspieler fehlen“! Auch Christoph Daum äußerte sich Sonntag Abend bei Sky90 ähnlich, er schloss sogar noch Vereinsführung und Manager in seine Kritik mit ein.

Das ist nun schon seit Wochen meine Rede, und das sechsminütige Debakel gegen die Bayer-Werksmannschaft bestärkte mich sogar noch in dieser Ansicht. Denn sicherlich kann man zwar Schalkes Trainer Andrè Breitenreiter nicht völlig aus der Verantwortung nehmen für das, was seine Truppe da Woche für Woche auf dem Platz so anstellt.

Doch allen Ernstes muss man dabei auch berücksichtigen, dass der S04-Coach (und mit ihm alle anderen Trainer dieser Welt) nicht allwissend sein und so voraussehen kann, wie seine eigenen Spieler, die des Gegners und auch noch der Übungsleiter des Konkurrenten in gewissen Situationen reagieren.

Man frage nach bei Thomas Tuchel, den selbst seine größten Kritiker für einen exzellenten Fachmann halten, und seinen Erlebnissen vor Wochenfrist in Liverpool. Oder auch beim Mainzer Trainer Martin Schmidt, dessen hochgelobte Mannschaft am letzten Spieltag nach einer 2:0-Führung erst in den Schlussminuten gegen die Kölner „Karnevalstruppe“ förmlich auseinanderbrach und ebenso wie die Schalker mit 2:3 verlor.

Gut, die Kölner benötigten für dieses kleine „Wunder“ immerhin noch 18 Minuten, also fast dreimal solange wie ihre rheinischen Rivalen aus Leverkusen. Doch weder bei Thomas Tuchel noch Martin Schmidt wurden danach ihre fachspezifischen Qualifikationen so angezweifelt wie jetzt bei ihrem Schalker Berufskollegen. Und bei keinem von beiden reichte das aus, um innerhalb weniger Tage den Daumen medial zu senken, wie es nun wieder einmal die WAZ demonstrierte.

Aber was soll’s, es gibt inzwischen offenbar genügend Interessierte, die diese einfache Lösung immer noch bevorzugen. Also entlassen wir wieder einmal den Übungsleiter, verschenken erneut ein ganzes Jahr mit diesmal sogar vorhandenen Fortschritten (ja, die gab es trotz vieler Enttäuschungen tatsächlich) und fangen wieder bei Null an.

Denn wenn es etwas gibt, in dem auf Schalke so ziemlich alle, angefangen vom Vorstand über die Medien und die Mannschaft bis zu den Fans wirklich Übung haben, dann ist das der Neuanfang! Und auch die Hoffnung, dass sich mit Christian Heidel tatsächlich mal etwas ändern könnte in Gelsenkirchen wird bei mir zusehends geringer.

Die Frage ist, ob es ihm dann im Verbund mit einem neuen Trainer (wie auch immer der dann heißen mag) gelingen kann, „lieb“ gewonnene Unarten in Gelsenkirchen zu überwinden. Denn an den Schalker Strukturen sind ja bekanntlich schon ganz andere gescheitert.

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