Max Muncy – von der Erwerbslosigkeit zur Stütze der Dodgers-Offensive

„Wenn man zu Hause sitzt, merkt man, dass man etwas ändern muss“, erinnerte sich Max Muncy daran, im letzten Frühjahr ohne Job zu sein, „weil das, was du vorher machst, nicht wirklich funktionierte.“

Max Muncy
Max Muncy 2015 noch im Trikot der Oakland A’s

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte Muncy keinen Platz mehr in der Baseballwelt. Nach einem Zeitraum von fünf Jahren im System der Oakland Athletics entließen ihn die A’s, die ihn bereits im Januar aus ihrem 40-Mann-Kader gestrichen hatten, kurz vor der Saisoneröffnung endgültig.

Muncy blieb fast einen Monat lang arbeitslos und ergatterte Ende April schließlich einen Triple-A-Kurzauftritt bei den L. A. Dodgers. Er schlug recht gut für Oklahoma City (.309), doch für einen September-Callup in die Major League reichte es nicht.

Heute kann man sicher sagen, dass sich die Dinge für ihn geändert haben. Muncy (.263) wird regelmäßig als Zweiter in einer aufstrebenden Dodgers-Lineup, die seit dem 15. Mai die beste der National League war, aufgestellt. Er führt die Mannschaft mit 13 Homerruns an. Muncy ist sogar zu einem Liebling der Fans geworden und hat sein eigenes T-Shirt sowie einen eigenen Song, basierend auf einer Zusammenarbeit zwischen Broadcaster Joe Davis und dem Organisten Dieter Rühle.

Dieser Fall passt in ein aktuelles Handlungsmuster der Dodgers, die dabei im Wesent-lichen vertragsfreie Talente aufspüren und in ihnen Stars finden oder erschaffen, wie etwa vor allem mit Justin Turner oder Chris Taylor. Es ist daher einfach anzunehmen, dass Muncy schlicht der nächste in der Reihe wäre, bei dem ein Hitting-Guru mit einem veränderten Schwung dazu beigetragen hat, den Ball wieder vom Boden zu bekommen und das Talent in ihm freizusetzen.

Es gibt tatsächlich auch einige Anzeichen für einen veränderten Schlagablauf, bei dem Muncy vielleicht anders steht und das rechte Bein auffälliger anhebt. Er bestätigte dies und sagte: „Als ich im letzten Frühjahr entlassen wurde, hatte ich in den Wochen danach keinen Job, da habe ich eine Menge mechanischer Anpassungen vorgenommen.“

So könnte diese Geschichte enden, doch ihr Anfang war ein anderer. Muncy ging nicht zu einem schicken Batting-Trainer. Er ging zu seinem Vater – einem Geologen. „Er kennt meinen Schwung besser als jeder andere“, so Muncy, als er nach seinem Vater gefragt wurde. „Also [war es] irgendwie ein Zusammenspiel von mir und ihm, gemeinsam daran zu arbeiten.“

Als Muncy letztes Jahr zwischen zwei Teams stand, warf sein Vater „fast jeden Tag“ für ihn. Doch bei all dem Gerede über mechanische Veränderungen ist das Wort, auf das Muncy immer wieder zurückkommt, „Vertrauen“.

„Als ich noch bei Oakland war“, so Muncy weiter, „habe ich die schlechten Würfe gesucht, doch … weil ich mein Selbstvertrauen verloren hatte, konnte ich meinen Schläger nicht wie ich wollte zum Ball bringen, heute geht das viel besser.“

Was aber hat sich geändert? „Als ich von den Dodgers geholt wurde und in der Triple-A spielte, konnte ich meine mentale Einstellung an der Platte verbessern, meine Aggressivität, ein paar kleine Verbesserungen in diesem Bereich halt“, beantwortete Muncy diese Frage.

„In gewissem Sinne war mein Schwung immer noch derselbe, aber ich war nun in einer besseren Position um ihn zu starten. Der Schwung selbst, daran hatte sich nichts wirklich geändert, nur dass ich jetzt in der Lage war, mich in eine bessere Position zu bringen. Ich fand schnell heraus, dass ich mental aggressiver sein könnte, jedoch immer noch Würfen folgte, auf die ich nicht wirklich schwingen wollte. Erst als es da letztes Jahr für mich Klick gemacht hatte, ging es endlich richtig aufwärts.“

Niemand erwartet, dass Muncy das ganze Jahr über ein echter Top-Ten-Hitter sein wird, aber es ist diese Kombination aus Kraft und Geduld, die den Dodgers das Vertrauen gibt, dass dies nicht nur ein vorübergehendes Strohfeuer ist. Das garantiert allerdings nicht, dass Muncy so weiterspielen wird. Es zeigt nur, dass er seinen Weg bis zu diesem Punkt nicht vorgetäuscht hat. Er war zu Recht so gut.

Selbst die mechanischen Veränderungen, die Muncy vornahm, waren nicht gerade neu, zumindest nicht auf die Art und Weise, wie sie es für Turner oder Taylor waren. Muncys beste Saison im System Oaklands datiert zurück ins Jahr 2013, als er .273 mit 25 Homeruns zwischen Class A Stockton und Double-A Midland schlug. Er wurde ein All-Star in den beiden Saisons 2013 und 2014.

Das bringt uns zurück zum Vertrauen.

„Von Tag 1 [in der Triple-A 2017] hieß es: Okay, fangen wir an, die Änderungen, die ich vorgenommen habe, umzusetzen“, sagte Muncy. „Zuerst fing es nur als Aufregung drüber an, regelmäßig gespielt zu haben, und nachdem mir ein paar Hits hier und dort gelungen waren, kam ich wieder auf die Beine. Ich merkte, dass es immer ein bisschen besser wurde als das, was ich vorher gemacht hatte. Von da an fing ich an wieder Selbstvertrauen aufzubauen, fast wie ein Schneeballeffekt.

Je mehr Hits ich erzielte, desto selbstbewusster fühlte ich mich mit den Veränderungen, die ich vorgenommen hatte, und dann, bevor ich es selbst wusste, fühlte es sich völlig normal an, und von diesem Punkt an hatte ich wieder all meine mentale Zuversicht zurückgewonnen, die ich vorher hatte.“

Muncy ist nun ein verlässlicher Run-Producer für einen Titelkandidaten, der nach seinem sechsten Divisons-Sieg in Folge strebt. Man kann sich gut vorstellen, dass Vertrauen nun kein Thema mehr ist.

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