„Konsumrausch“ endet (mal wieder) als Neujahrs-Kater

Im Übrigen werde das deutsche Wirtschaftswachstum bereits maßgeblich von der Nachfrage im Inland getragen.

Zeit-Online: US-Finanzminister Lew kritisiert deutsche Handelsüberschüsse

Ganz lapidar und mit größter Selbstverständlichkeit bringt auch ZEIT-ONLINE im letzten Satz des obigen Artikels die steigende Inlandsnachfrage als Standardargument gegen die immer weiter zunehmende internationale Kritik an den deutschen Handelsüberschüssen.

Entwicklung des Einzelhandelumsatzes 2006-2013

Doch leider ist es ausgerechnet das Statistische Bundesamt, welches mit einer Pressemitteilung zum Einzelhandelsumsatz 2013 diese Behauptung größtenteils als „heiße Luft“ enthüllt.

Obiges Bild zeigt eindeutig, dass an den von vielen Medien gern verbreiteten „Jubelmeldungen“ über den angeblich so stark steigenden privaten Konsum als Teil des von der Binnendynamik getragenen Wirtschaftswachstums so gut wie gar nichts dran ist. Diese Grafik bildet den real gerechneten Einzelhandelsumsatz in Deutschland von 2006 bis 2013 ab, welcher als wichtigste Komponente der Binnennachfrage wie erstarrt in einer Seitwärtsbewegung verharrt. Sie erinnern sich noch? Es ist noch gar nicht so lange her, da übertrafen sich die Medien vor dem Weihnachtsfest mit optimistischen Einschätzungen:

FAZ: Ein Land im Kaufrausch
GfK-Konsumklima: Deutsche in Kauflaune
Deutsche Welle: Deutschland im Kaufrausch

Ein wahrer „Kaufrausch“ wurde da herbeigeschrieben, die Verbraucher seien „in Kauflaune“, es wurden völlig unkritisch Umfragen und Prognosen zitiert, die sich im Nachhinein nun als gewaltig übertrieben entpuppten. Es waren nur einige Blogs wie z. B. Querschuesse.de oder der unermüdliche Heiner Flassbeck, die sich gegen diesen Trend stemmten und die eigentlich von der „Mainstream“-Presse zu erwartende kritische Begleitung dieser fragwürdigen Meldungen sicherstellten.

Nun ist es an der Agentur Reuters, den Offenbarungseid verkünden zu müssen:

Trotz eines Schlussspurts im Weihnachtsgeschäft haben die deutschen Einzelhändler 2013 das schwächste Umsatzplus seit vier Jahren erzielt.

Reuters: Deutsche Einzelhändler schaffen 2013 nur leichtes Umsatzplus

Ein DejaVu-Erlebnis, denn es ist beileibe nicht das erste Mal, dass die öffentliche Manipulation bezüglich der angeblichen Dynamik der Binnennachfrage so abgelaufen ist.
Wer sich die Mühe machen will, kann dies so oder in ähnlicher Form für jedes vergangene Jahr im Internet finden.

Entgegen aller Jubelmeldungen der Medien ist die ökonomische Wirklichkeit bezüglich des deutschen „Konsumklimas“ ernüchternd: Seit Jahren liegen die realen Einzelhandelsumsätze, die PKW-Neuzulassungen sowie der reale Umsatz im Gastgewerbe darnieder, während im Außenhandel immer neue Rekorde erzielt werden.

Wer es genauer wissen will, kann die maßgeblichen Daten und den Zusammenhang zwischen schwacher Binnennachfrage und starker Auslandsnachfrage aufgrund stagnierender Masseneinkommen hier nachlesen.

Dieser Beitrag wurde unter Ökonomie abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.