Erster Dämpfer in Hannover: Rückkehr der alten Schludrigkeit?

Und weiter geht es mit den Premieren für den neuen Schalke-Trainer: nach dem ersten Bundesligaspiel und -sieg für Domenico Tedesco am letzten Wochenende gegen RB Leipzig setzte es nun etwas überraschend auch schon die erste Niederlage.

Flickr - tpower1978 - 1.Bundesliga (1)
Waren immer einen Tick schneller und entschlossener am Ball:
die Spieler von Hannover 96

Die aber war beim 0:1 in der niedersächsischen Landeshauptstadt vor allem eins: absolut unnötig und daher doppelt ärgerlich. Denn die Schalker ließen beim Aufsteiger lange Zeit so ziemlich alles vermissen, was sie zum Auftakt gegen die Mitteldeutschen richtig gemacht hatten.

Von Anfang an wirkten die Akteure von Hannover 96 williger, bissiger und laufstärker als ihre Gelsenkirchener Kontrahenten. Die hingegen ließen vor allem die richtige Einstellung vermissen, um dem Bundesliga-Rückkehrer das eigene Spiel aufzwingen zu können. Und trotz der Kenntnis, dass mit Manager Horst Heldt und Trainer Andre Breitenreiter jetzt zwei intime Kenner der Schalker Verhältnisse an den Schalthebeln in Hannover sitzen, die ihre Mannschaft optimal auf den S04 einstellen würden, schien bei vielen Blau-Weißen die nötige Ernsthaftigkeit einfach nicht vorhanden zu sein.

Anders war die Passivität der Schalker vor allem vor dem Pausentee nicht zu erklären, mit der man den 96ern jegliche Initiative überließ, selbst aber beim Konterspiel äußerst fahrig und ungenau agierte. Die langen Bälle, gegen Leipzig noch das Erfolgsrezept, kamen nicht an und so stand vor allem der bemühte Yevhen Konoplyanka weitestgehend allein auf weiter Flur. Und da auch Hannover nur ganze zwei Mal den Schalker Kapitän Ralf Fährmann prüfen konnte, fiel diese erste Halbzeit dann unter die Kategorie „Am besten schnell vergessen“.

Wie so oft in solchen Begegnungen, denen es an echten Höhepunkten mangelt, entschied ein einzelner Blackout die Partie. Als Thilo Kehrer mit einem Pass ins Zentrum vor den eigenen Strafraum eine riskante Variante der Spieleröffnung wählte, ermöglichte Nabil Bentaleb Hannover den Ballgewinn, da er diesem nicht entgegen ging. Marvin Bakalorz bedankte sich für die Einladung und legte das Leder quer auf den kurz zuvor eingewechselten brasilianischen Neuzugang Jonathas, der aus kurzer Distanz Fährmann keine Abwehrchance ließ.

Besonders ärgerlich war dann die Schlussphase aus Schalker Sicht, als die Knappen nach der Hereinnahme von Max Meyer endlich die lange vermisste Überlegenheit herstellen konnten, ihnen aber schlicht die Zeit davon lief, ohne noch einmal zwingend vor den Kasten von 96-Keeper Philipp Tschauner zum Abschluss zu kommen. Am Ende blieb dann vor allem Enttäuschung und Ernüchterung über eine erneute unnötige Niederlage und die Einsicht, dass auch Domenico Tedesco kein Hexenmeister ist, der innerhalb kürzester Zeit aus einer mittelmäßigen Mannschaft ein Erfolgsteam macht.

Und erst die nächsten Wochen werden zeigen, ob nun der Erfolg über die Roten Bullen aus Leipzig oder aber die vermeidbare Schlappe bei den „Rothemden“ aus Hannover das wahre Gesicht der S04er gezeigt hat. Für den Übungsleiter und seine Assistenten verbleibt daher noch jede Menge Arbeit, denn so einfach lässt sich der Schlendrian vergangener Jahre dann offensichtlich doch nicht abstreifen.

Noch ein paar Worte zur Schalker Personalpolitik: auch wenn man bei einzelnen Entscheidungen anderer Meinung sein kann, bewundere ich den Mut von Domenico Tedesco. Kapitän Benedikt Höwedes nicht nur auf die Bank zu setzen, sondern ihm auch noch die Binde zu nehmen, Respekt, das hätte wohl nicht jeder so konsequent gemacht. Und trotzdem finde ich das durchaus richtig. Denn der Nationalspieler war meiner Ansicht nach schon länger nicht mehr der unumstrittene Fixpunkt im blau-weißen Universum. Schwankende Leistungen, die Verletzungsanfälligkeit und das offenbar nachlassende Standing innerhalb der Mannschaft erleichterten wohl die Entscheidungs-findung.

Nach Angaben der WAZ ist der Wechsel zu Juventus Turin jetzt perfekt und Bene ab sofort kein Schalker mehr…

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