Elsner: Neoliberalismus vs. Demokratie – Eine globale Gläubiger-Schuldner-Ökonomie

Global Distribution of Wealth v3 (de)

…Seitdem es Statistiken über Einkommens- und Vermögens-verteilungen gibt (in einem der Weltsozialberichte der UNO konnten vor wenigen Jahren Verteilungsdaten seit etwa dem Jahre 1800 rekonstruiert werden) hat es eine Ungleichheit wie heute, sowohl in räumlicher als auch sozialer Hinsicht, noch nicht gegeben.


Einige wenige hundert Megareiche besitzen heute fast so viel wie die unteren 50% der Weltbevölkerung, also wie 3,5 Mrd. Menschen. Davon hungern heute so viele wie noch nie, über 1 Mrd. Menschen, ein weiterer der sich häufenden traurigen „neoliberalen“ Weltrekorde. Die Reichen wurden von den „neoliberalen“ Regierungen aller Couleur seit Jahrzehnten gezielt zu Superreichen gemacht, die Superreichen zu Megareichen, und die Megareichen zu Gigareichen. Das ungleichste System seit Menschengedenken!

Im Ergebnis haben wir heute private nominale Vermögenswerte, die selbstverständlich reale Einkommensversprechen sind, die reale Einkommensansprüche generieren, die mithin wie verrückt (in jedem Sinne des Wortes) renditeträchtige Anlagen (oder zumindest vorübergehende Parkmöglichkeiten) suchen müssen – und damit es ganz klar ist: die Rendite- und damit Zahlungsansprüche an uns und unsere Nachkommen haben –, im geschätzten Umfang von etwa dem 100-fachen des Weltsozialprodukts (letzteres sind heute etwa 35 Billionen $).

Wir reden hier also von vierstelligen Billionenbeträgen, darunter z.B. 700 Billionen $ Derivatpapieren plus 60 Billionen $ Wettpapieren (CDS), dreistelligen Billionenbeträgen von Aktien, plus zweistellige Billionenbeträge an sonstigem Geldvermögen, soweit es spekulativ verwendet werden muss, weil es als „Vermögensstock“ Einkommens-Ansprüche hat. Dabei wird im Grundsatz ein bestimmter Bestand an Realvermögen aller Art in Gestalt der „Blase“ durch z.T. mehrstufige „Derivat“-Bildungen zu einem multiplikativen nominalen Finanzvermögen aufgeblasen (sog. „fiktives Kapital“ – K. Marx).

Und diese leicht handelbaren Nominalwerte schlagen sich zudem an den Spekulationsplätzen im Durchschnitt mehrmals im Jahr um: Das Transaktionsvolumen und die damit verbundene Kaufmacht des globalen Casinos und Wettbüros bewegt sich geschätzt im zweistelligen Trillardenbereich.

Dass über diese fiktiven multiplikativen nominalen Vermögens- und Anspruchsvermehrungs-Mechanismen die Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen nur noch verstärkt wird, liegt auf der Hand, denn v.a. die großen Vermögen werden zur Blase aufgebaut – und über
den gigantischen Mechanismus der Blase zur weiteren Umverteilung genutzt.

aus dem Vortrag „Neoliberaler“ Kapitalismus versus Demokratie von Wolfram Elsner, gehalten in Linz 2011

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