Einige Probleme mit dem Leistungsbilanzsaldo der Eurozone

Sollten wir einen Handelskrieg beginnen? Lassen Sie uns, bevor wir das tun, einen genaueren Blick auf die Leistungsbilanzen werfen: höhere Leistungsbilanzüberschüsse oder geringere Defizite sind nicht unbedingt mit höherer Beschäftigung verbunden. Im Gegenteil.


Leistungsbilanzsaldo der Eurozone (monatliche Daten in Mill. €)

Zwei Beispiele: Zwischen 2009 und 2016 veränderte sich das monatliche Leistungs-bilanzdefizit der Eurozone von minus 10 Mrd. auf +30 Mrd. € oder, ausgedrückt in % des BIP, von minus 1 auf +3% des BIP (genau auf 3,1%).

Im selben Zeitraum stieg das Handelsbilanzdefizit des Vereinigten Königreichs gegenüber den anderen Ländern der Europäischen Union auf etwa 8 Mrd. € im Monat an. Nicht, weil diese anderen Länder mehr exportierten, sondern eher weil sie weniger importierten.

Dieser Rückgang der EU-Einfuhren ist nicht auf die Verbesserung der Wettbewerbs-fähigkeit sondern auf die Sparpolitik zurückzuführen. Ein Rückgang der inländischen Ausgaben führt, da die gekauften Waren und Dienstleistungen immer und überall einige importierte Komponenten besitzen, ganz mechanisch zu einem Rückgang der Importe. Und er wurde zusätzlich auch durch niedrigere Ölpreise verursacht.

In beiden Fällen war die Zunahme des Überschusses nicht mit einem Anstieg der Beschäftigung verbunden. Zumindest bis etwa 2014 wurde er aber tatsächlich durch eine Abnahme von Arbeitsplätzen und dem Rückgang der dazu gehörenden Ausgaben verursacht (im Vergleich zum Vereinigten Königreich). Dies bedeutet vor allem, dass das Verhältnis zwischen Leistungsbilanzdefiziten und Beschäftigung etwas komplizierter ausfällt als es manchmal angenommen wird.

Ein weiteres Beispiel: Das Handelsdefizit der USA halbierte sich in nur vier Monaten (in Worten: in nur vier Monaten!!) zwischen Oktober 2008 und Februar 2009 von 60 Mrd. (oder etwa 6% des BIP) auf weniger als 30 Mrd. Dollar (oder etwa 3% des BIP) pro Monat, was vor allem auf den Rückgang der Ölpreise zurückzuführen ist, aber auch auf ein geringeres Einfuhrvolumen, welches nicht mit einer vergleichbaren Verringerung der Exporte korrelierte.

Könnten sich die Ökonomen darauf einigen, dass dieser Rückgang des Defizits in den Vereinigten Staaten nicht mit einer höheren Beschäftigung in den USA einherging? Lasst uns die Ausgaben steigern (wir könnten beispielsweise mehrere hundert Millionen zusätzlicher Solarzellen in der EU nutzen) – das würde sowohl das britische als auch das Problem der Eurozone lösen.

(Übersetzung eines Blogbeitrages des niederländischen Ökonomen Merijn Knibbe)

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