Die Kontroverse um den fiskalischen Ausgaben-Multiplikator
Die Rüstungsausgaben in Deutschland werden weiter in den kommenden Jahren massiv steigen. Nach der durch das Bundeskabinett im April vorgelegten Finanzplanung ist ab dem kommenden Jahr bis 2030 ein Zuwachs der Verteidigungsausgaben (Einzelplan 14) um über 610 Mrd. € geplant.
Soldaten der Bundeswehr auf einem Schützenpanzer Puma
während des Tages der Bundeswehr 2026 am Standort Munster
Über die Mittel im Normalhaushalt erfolgt maßgeblich die Finanzierung durch die neuerdings in der Verfassung festgeschriebene Ausnahmeregel für Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse.
Was an Ausgaben für die Verteidigung plus einiger zusätzlichen Zahlungen etwa für den Zivilschutz über ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts hinausgeht, darf über die im Volumen unbegrenzte Auf-nahme von Krediten finanziert werden. Die vorgesehene Kreditaufnahme für diese „Bereichsausnah-me“ zur Schuldenregel summiert sich nach der vorliegenden Planung von 2027 auf mehr als 470 Mrd. € bis 2030.
Fiskalmultiplikator: Was ist das?
Mit diesem per unbegrenzter Kreditaufnahme finanzierten Rüstungsschub stellt sich die Frage nach dessen Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Wachstumsdynamik. Im Mittelpunkt steht der aus der makroökonomischen Analyse im Umfeld von J. M. Keynes vor allem durch Richard F. Kahn 1931 entwickelte Fiskalmultiplikator für kreditfinanzierte Staatsausgaben.
Der hier herangezogene Multiplikator erfasst über die direkte Ausgabenwirkung der öffentlichen Investitionen auch den sich über das Wirtschaftssystem verbreitenden indirekten Produktions- und damit Einkommenseffekt. Dabei steht der reale, also preisbereinigte Inlandsproduktanstieg im Mittelpunkt.
Das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)“ hat in einer empirisch abgesicherten Studie von 2025 den Multiplikator für öffentliche Investitionen auf etwa 2 geschätzt. Demnach wird bei einem Impuls durch öffentliche Infrastrukturinvestitionen von 1 Mrd. € gesamtwirtschaftlich ein Zuwachs von 2 Mrd. € des Bruttoinlandsprodukts erzeugt (Fußnote 1).
Da die generierte Wertschöpfung über den fiskalischen Ausgabenimpuls hinausgeht, entsteht auch Spielraum für die Finanzierung des Schuldendienstes dieses Fiskalimpulses.
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