Yevhen Konoplyanka über Trainer, Sportdirektor und vor allem die Schalker Mannschaft

Yevhen Konoplyanka
Yevhen Konoplyanka im Trikot der ukrainischen Nationalmannschaft

…Ich sage die sollen mir bitte erklären, warum? Was macht ihr mit mir? Was mache ich überhaupt hier? Wofür bin ich zu Schalke gekommen? Erklärt es mir bitte! Wie kann es denn sein, dass der Sportdirektor und derjenige, der mich nicht für den Kader nominiert, ich möchte nicht mal seinen Namen erwähnen, wie kann es sein, dass diese Leute nicht wissen, wo das Problem ist? Wie? Und, ich bin ja nicht der Einzige, der sowas sagt, es ist die halbe Mannschaft, er hat einfach die Mannschaft geteilt, wir haben keine ganze Mannschaft. Es spielen elf Leute und dazu vielleicht noch zwei…

aus: Interviewanalyse: Konoplyanka attackiert Trainer Weinzierl

Abseits der persönlichen Tragik und des enormen Frustes, die aus diesen Worten des ukrainischen Stürmerstars sprechen, werden die wirklich wichtigen Aussagen des Interviews von den Medien offenbar mehr oder weniger ignoriert oder aber gar nicht verstanden.

Wenn man der Übersetzung auf hassanscorner.tv glauben will, so sehe ich die von mir besonders kenntlich gemachten Aussagen als die eigentlich bedeutenden Passagen dieses Gesprächs an. Ob nun Konoplyanka in seiner Wut über seine häufige Nichtberück-sichtigung den Trainer Weinzierl als „Feigling“ beleidigt und andeutet, dass Schalke mit ihm in die 2. Liga absteigen werde, mag man noch als besonders medienwirksam und auch bestrafenswert deuten, doch es ist letztlich „nur“ die persönliche Ansicht eines bestimmt nicht besonders objektiven Spielers.

Da sie mit der Zuspitzung auf den „Feigheits“-Vorwurf aber natürlich sehr aufmerk-samkeitsheischend daherkommt, ist es kein Wunder, dass sich die einschlägigen Verdächtigen wie etwa Sport1, der Kicker oder die WAZ vor allem darauf konzentrieren und andere Aussagen nur nebenbei oder gar nicht abhandeln.

Wichtiger scheinen mir aber seine Bemerkungen über die Schalker Mannschaft an sich und die Art und Weise, wie Markus Weinzierl mit ihr umgegangen ist. Hier wird das deutlich, was auch vielen Fans aufgefallen sein dürfte, falls man eine Erklärung für die wechselhaften Auftritte der S04-Profis in dieser Spielzeit benötigt, liefert sie Konoplyanka mit diesen Ausführungen. Es stand eigentlich kein wirkliches Team auf dem Platz.

Die Worte „er hat einfach die Mannschaft geteilt, wir haben keine ganze Mannschaft…“ deuten meiner Ansicht nach daraufhin, wo es bei den Knappen abseits aller öffentlich-keitswirksamer Kritik wirklich haperte. Während Mannschaften wie der SC Freiburg, Hoffenheim, Köln, Frankfurt, ja selbst die Absteiger Ingolstadt und Darmstadt oft als homogene Einheiten auftraten, fehlte den Schalker Profis häufig genau diese Eigenschaft. Und der Übungsleiter war selbst offenbar nicht ganz unschuldig daran, wenn man Konoplyanka Glauben schenken will.

Stattdessen zeigte Schalke zwar manchmal gute Ansätze, doch zu oft brachen sie bei der geringsten Gegenwehr völlig auseinander. Da waren keine Versuche, sich gegenseitig zu helfen, da wurden Spieler allein gelassen, da suchte man keine gemeinsamen Lösungen. Nur so lässt es sich eigentlich erklären, warum auf verheißungsvolle Auftritte gegen starke Gegner völlig indiskutable Leistungen gegen wesentlich schwächere Mannschaften folgten. Denn immer dann, wenn das Team als Mannschaft gefragt war, wenn richtige gemeinschaftliche „Arbeit“ gefordert wurde, wenn es nicht ausreichte, individuelle Fähigkeiten auf dem Platz zur Geltung zu bringen, versagten die Gelsenkirchener Profis.

Man muss kein besonders guter Prophet sein, um vorhersagen zu können, dass Yevhen Konoplyanka nach diesen Äußerungen über den Trainer keine allzu große Zukunft mehr auf Schalke haben wird. Doch das stand nach seinen letzten Leistungen und dem Hickhack um seine häufigen Nichtberücksichtigungen eigentlich schon vorher fest.

Stattdessen hinterlässt der Ukrainer eine schwere Hypothek für die sportliche Führung des Gelsenkirchener Bundesligisten. Denn es wird nicht ausreichen, „nur“ neue Spieler zu scouten und zu verpflichten. Die allererste und wichtigste Aufgabe vor allem für Trainer Markus Weinzierl wird es sein, aus diesen und dem vorhandenen Stamm eine wirkliche Mannschaft zu formen. Eine Truppe, die nicht nur aus einzelnen Stars besteht, die sich aber vor der Verantwortung lieber drücken und andere vorschieben. Eine Mannschaft, in der stattdessen alle füreinander einstehen, „miteinander“ agieren und gemeinsam ein gemeinsames Ziel erreichen wollen.

Gelingt das nicht, so werden sich Konoplyankas Aussagen über die Verbleibdauer des Trainers im Nachhinein als zutreffend erweisen, denn noch eine solche Spielzeit wird Weinzierl auf Schalke sportlich nicht wirklich überleben…

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