Warum sollte die Inflation in der EURO-Zone in die Lohnerhöhungen mit einfließen?

Nun, um diese Frage wirklich richtig beantworten zu können, müsste man ganz weit zurück gehen und sich die entscheidenden Fragen stellen:

Preise und Lohnstückkosten
Grafik: Hans-Böckler-Stiftung

Warum treten Länder eigentlich einer Währungsunion bei?
Aufgrund politischer Entwicklungen, wie es so gern kolportiert wird? Oder weil man den Bürgern das Geldwechseln ersparen möchte? Oder weshalb sonst?

Warum aber gibt ein Staat dann seine eigene Währung auf? Warum schließt er sich mit anderen Ländern zusammen, die doch eigentlich ganz andere Wechselkurse zueinander haben?
Was aber stellt der Wechselkurs einer Währung dar? Doch nichts anderes als den Preis einer Währung, also genau genommen die preisliche Entwicklung einer Volkswirtschaft…

Wenn ich aber nun eine Währungsunion eingehen will, heißt das doch nichts anderes, als dass ich mich mit meiner gesamtwirtschaftlichen Preisentwicklung (=Inflation) den anderen Staaten anpassen will bzw. mit diesen eine gemeinsame Inflationsrate vereinbare…

Da nun aber die Preisentwicklung den nominalen Lohnstückkosten folgt (1), ist es zum Gelingen einer Währungsunion unbedingt erforderlich, dass sich diese Lohnstückkosten entsprechend dieser gemeinsamen Inflationsrate entwickeln. Passiert das nicht, so führt das unweigerlich zu großen Unterschieden in den Wettbewerbsfähigkeiten (Leistungsbilanzsalden) der einzelnen Länder.

Dies aber ist genau der Geburtsfehler des Euros, der alle anderen Fehlentwicklungen nach sich gezogen hat.

Wenn ich nicht bereit bin, eine gemeinsame Inflationsrate einzuhalten, brauche ich z. B. auch keine Regelungen über die Höhe von Staatsverschuldung zu vereinbaren, da die Verlierer dieser Entwicklung diese sowieso nicht einhalten können…auch eine NoBailOut-Klausel ist damit logischerweise von Anfang an unwirksam, da mir als Gewinner irgendwann nicht anderes als Transferzahlungen übrig bleibt, wenn ich die Währungsunion nicht in einem Deflationsstrudel versinken lassen will.

(1)
Zur Erläuterung des obigen Absatzes: Es besteht ein statistisch nachweisbarer und kausaler Zusammenhang zwischen Lohnstückkosten und Inflation. Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker haben dies in einer Forschungsarbeit und einem gemeinsamen Buch (Das Ende der Massenarbeitslosigkeit) überzeugend erklärt und bewiesen. Das bedeutet nichts anderes als: Lohnstückkosten bestimmen die Preise.

Ich werde in weiteren Beiträgen darauf noch erklärend zurückkommen…

Dieser Beitrag wurde unter Ökonomie abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.