Nach der Bayern-Pleite: der FC Schalke 04 mal wieder am Scheideweg?

Aua, das tat weh: nach der sehr ordentlichen Vorstellung gegen Gladbach setzte es in München eine unerwartet eindeutige 0:5-Schlappe.

Allianz Arena at night, lit in red
Wieder einmal gab es nichts zu holen für den S04 in der Allianz-Arena

Jedes einzelne Tor der in allen Belangen überlegenen Bayern wirkte wie ein Schlag in die Magengrube. Hätte der Kölner Keller nicht auch noch zweimal auf Abseits entschieden, wäre die Abfuhr noch weit höher ausgefallen. Und wäre dabei nicht einmal unverdient gewesen.

Was war passiert, nachdem man doch vorher davon gesprochen hatte mit breiter Brust nach München zu fahren und sich durchaus Chancen auf eine Überraschung ausgerechnet hatte? Ausgerechnet ein Patzer von Nübel-Ersatz Markus Schubert, der einen hohen Ball von Thomas Müller falsch einschätzte leitete die Niederlage nach nur sechs Minuten ein.

Als Rabbi Matondo kurz darauf lediglich die Querlatte traf war eigentlich klar, welchen Verlauf der Abend wieder einmal nehmen würde. Die von Neu-Trainer Hansi Flick optimal eingestellten Bayern wurden immer stärker und dominanter, offensichtlich zusätzlich angespornt von der 0:2-Niederlage des Tabellenführers RB Leipzig in Frankfurt.

Schalke aber verlor wider Erwarten jeden Mut, zog sich zurück und vermied es ent-schlossen in die Zweikämpfe zu gehen. Spätestens jetzt hatten die Münchener leichtes Spiel und Angriffswelle auf Angriffswelle brandete auf das Gehäuse des bemit-leidenswerten S04-Keepers zu.

Dank einiger Paraden von Schubert und der bereits oben erwähnten (regelgerechten) Mithilfe des Videoassistenten hielten die Blauen dennoch das 0:1 bis kurz vor der Pause, ehe Müllers Wirkungstreffer jegliche Hoffnung auf Besserung in der zweiten Halbzeit endgültig in Schutt und Asche legte.

In der Folge ergaben sich die Knappen in ihr Schicksal und bestaunten ohne viel Gegenwehr die Galashow ihres ehemaligen Mannschaftskollegen Leon Goretzka, der neben Thiago und Gnabry das Ergebnis weiter in die Höhe schraubte. Beim letzten Treffer der Bajuwaren war wieder Torwart Schubert mit in der Verlosung, der eine Hereingabe des Nationalspielers äußerst unglücklich durch die Beine passieren ließ.

Neben der satten Niederlage hatte der S04 also auch noch eine fette Torwart-Diskussion auf der Heimreise im Gepäck. Alexander Nübel, seit Bekanntwerden seines Wechsels im Sommer zum bayrischen Rekordmeister bei den Schalker Fans äußerst unbeliebt, ist nun morgen beim Gastspiel in Berlin wieder spielberechtigt, während sein Stellvertreter nach bisher guten Auftritten ausgerechnet in München entscheidend danebengriff.

Trainer David Wagner muss nun eine Entscheidung treffen, für die er absolut nicht zu beneiden ist. Rein sportlich müsste eigentlich Nübel wieder im Kasten stehen, da er leistungsmäßig meiner Ansicht nach vorn liegt, vor allem wegen Schuberts Schwäche in der Strafraumbeherrschung bei hohen Bällen. Spielen allerdings andere Themen eine Rolle, so wird das Bild schnell unklarer. Schubert stellt im Moment die Schalker Zukunft dar, Nübel ist eigentlich schon Vergangenheit.

Kann man es sich daher überhaupt leisten, die Zukunft auf die Bank zu setzen? Oder sollte man alles dem kurzfristigen sportlichen Erfolg unterordnen? Für viele Schalke-Fans ist diese Entscheidung bereits längst gefallen, aber verstellt da nicht die Emotionalität mächtig den Blick?

Man sollte stattdessen Wagners finale Auswahl akzeptieren, auch wenn sie vielleicht nicht der eigenen Meinung entsprechen wird. Denn letztlich will man doch mit diesem Trainer weitermachen und wäre da nicht jede Missfallensbekundung auch ein Affront gegen seine Arbeit?

Eine ruhige Vorbereitung auf das wegweisende Spiel bei der Hertha sieht also irgendwie anders aus. Als wenn die indiskutable Leistung in München nicht schon Bürde genug wäre, droht wegen der Torwartdiskussion weitere Unzufriedenheit im Verein. Um diese Situation zu entschärfen muss unbedingt der sportliche Erfolg wieder her. In Berlin muss demnach die Mannschaft wieder anders auftreten, das Pressing sollte funktionieren und vor allem das Zweikampfverhalten.

Denn der Kampf um die Europapokalplätze ist spätestens jetzt voll entbrannt. Der BVB profitiert zur Zeit mächtig von seinem neuen Torjäger Erling Haaland, Bayer Leverkusen holt auf und auch Hoffenheim und Freiburg sind noch in Schlagweite. Es wäre fatal wenn die Knappen ausgerechnet jetzt schwächeln würden. Obwohl man natürlich nie vergessen sollte wo man herkommt. Es geht aber auch darum, die bisher so erfolgreiche Arbeit dieser Saison zu bestätigen.

Auf geht’s Schalker, Mund abwischen und weitermachen…

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