L. A. Dodgers: Großes vorweihnachtliches Stühlerücken

Nichts war es mit adventlicher Ruhe in Südkalifornien. Als sich die alljährlichen Winter Meetings der professionellen Baseball-Manager in der letzten Woche ihrem Ende näherten und erste Nachrichten über die Transfertätigkeiten durch die sozialen Netzwerke schwappten, ging die Anzahl der Kommentare auf der Dodgers-Homepage bald in die Tausende.

Catcher Yasmani Grandal noch im Trikot der San Diego Padres

Die Los Angeles Dodgers, mit wiederholten Divisions-Titeln in der National League West allein nicht mehr zufrieden, machten eine Flut von Transaktionen, um ihren Kader zukünftig zu verjüngen und eine bessere Ausgangsposition für einen erneuten Anlauf auf den Gewinn der World Series zu erreichen.

Die ersten bekannt gewordenen Wechsel betrafen Howie Kendrick von den Lokalrivalen L. A. Angels für die Second Base, Shortstop Jimmy Rollins von den Philadelphia Phillies, Catcher Yasmani Grandal aus San Diego, Reliever Chris Hatcher von den Miami Marlins sowie Free-Agent-Pitcher Brandon McCarthy, zuletzt bei den New York Yankees unter Vertrag.

Gleichzeitig hielten sich hartnäckige Gerüchte, dass die Südkalifornier zu den aussichtsreichsten Interessenten im Bieterwettbewerb um Phillies-Linkshänder Cole Hamels gehören würden.

Verlassen werden Los Angeles Second Baseman Dee Gordon, Pitcher Dan Haren, Infielder Miguel Rojas, Catcher Tim Federowicz und Outfielder Matt Kemp, dessen Wechsel zu den San Diego Padres noch nicht offiziell von der MLB anerkannt wurde, da LA rund 30 Mill. $ aus Kemps noch laufendem Vertrag mit den Dodgers übernehmen müsste.

Ein paar Tage später verkündete Club-Präsident Stan Kasten zudem noch die Kontrakt-Unterzeichnung von Linkshänder Brett Anderson von den Colorado Rockies, der als fünfter Starter die Pitching-Rotation mit Clayton Kershaw, Zack Greinke, Hyun-Jin Ryu und McCarthy komplettieren soll.

Zu dem Deal, mit dem Kemp und Federowicz zu den Padres nach San Diego wechselten, gehörten im Gegenzug neben Catcher Grandal auch noch die beiden Pitcher Joe Wieland und Zach Eflin, die beide als große Talente angesehen werden.

Die Miami Marlins erhielten Gordon und Haren, der dafür erworbene junge Linkshänder Andrew Heaney wurde gleich von den Dodgers an die Angels für Howie Kendrick weitergegeben.

Der 36-jährige Rollins soll Hanley Ramirez ersetzen, der als Free Agent einen Vertrag bei den Boston Red Sox unterzeichnete. Langfristig ist aber der junge Corey Seager, der neben Outfielder Joc Pederson zu den hoffnungsvollsten Nachwuchsleuten der Dodgers gehört, für diese Position vorgesehen.

Neben dem immer wieder kolportiertem Interesse an einer möglichen Verpflichtung von Cole Hamels scheint auch noch ein Wechsel von Outfielder Andre Ethier geplant zu sein, mit Neuzugang Chris Heisey von den Cincinnati Reds stehen mit Yasiel Puig fürs Right Field, Carl Crawford und Scott Van Slyke im Left Field und Joc Pederson im Center noch fünf weitere Outfielder unter Vertrag.

Bereits im November verstärkten die Dodgers ihren Bullpen mit Joel Peralta von den Tampa Bay Rays, Juan Nicasio (Colorado Rockies), Mike Bolsinger (Arizona Diamondbacks) und Adam Liberatore (ebenfalls Tampa). Dafür wurde überraschend Brian Wilson aus dem 40-Spieler-Kader gestrichen. Sollte der 32-jährige nicht innerhalb von zehn Tagen zu einem anderen Club wechseln, würde er ein Free Agent und bis zur Verpflichtung durch eine andere Mannschaft weiterhin sein Gehalt (10 Mill. $) von den Dodgers beziehen.

„Wir fühlen uns innerhalb der Gesamtheit unserer Trades als ein besseres Team, jünger und konkurrenzfähiger im Kampf um mögliche Titel in den nächsten Jahren.“ So Andrew Friedman, Präsident der Baseball-Operationen, zu Reportern am Rande des Wintertreffens in San Diego nach Bekanntgabe der Deals mit den Marlins und Angels.

Mancher Fan möchte das allerdings noch längst nicht so sehen. Vor allem die Abgänge der beiden All-Stars Matt Kemp (25 Homeruns, 89 RBIs) und Dee Gordon (92 Runs, 64 Stolen Bases) lösten auch Kritik aus. Zusammen mit Hanley Ramirez (13 HRs, 71 RBIs) verloren die Dodgers damit einen Großteil ihrer offensiven Power der vergangenen Saison.

Grandal (15 HRs, 49 RBIs), Kendrick (7 HRs, 75 RBIs, 14 SBs) und Rollins (17 HRs, 55 RBIs, 28 SBs) können dies nach Meinung einiger Anhänger nur teilweise ausgleichen. Zudem hätte der Club mit dem 31-jährigen Kendrick, Rollins (36) und Juan Uribe (35) ein eher „betagtes“ Infield, alle drei genannten Spieler würden zudem nach der Saison Free Agents.

Brandon McCarthy (10-15 Siege, 4.05 ERA) dürfte dagegen den Abgang von Dan Haren (13-11, 4.02 ERA) weitestgehend kompensieren können, ist allerdings zudem noch drei Jahre jünger.

Mehr Zweifel weckt da allerdings die Verpflichtung von Brett Anderson (1-3, 2.91 ERA). Der Linkshänder, vor seinem Wechsel zu Colorado fünf Spielzeiten für die Oakland A’s in der American League aktiv, konnte aufgrund diverser Verletzungen seit 2011 nie mehr als 44 Innings pro Saison absolvieren. Mike Bolsinger (1-6, 5.50 ERA) wäre eine denkbare Alternative als fünfter Starting Pitcher, doch so richtig überzeugen konnte der 26-jährige bisher auch noch nicht.

Im Bullpen dürften Hatcher (0-3, 3.38 ERA), Peralta (3-4, 4.41 ERA), Nicasio (6-6, 5.38 ERA) und Liberatore (beeindruckende 6-1, 1.66 ERA über 65 Innings in den Minors) Brian Wilson wohl ersetzen und mit den verbleibenden Relievern für mehr Flexibilität von der Bank sorgen können.

Da noch immer die Namen Cole Hamels und Andre Ethier als mögliche Trades in der Luft liegen, bin ich davon überzeugt, dass das noch nicht alles in Sachen Spielerwechsel bei den Los Angeles Dodgers war.

Man darf also gespannt sein, was sich bis Anfang März da noch so ereignen mag.

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