Strahlenbelastung: (40) Jahre Leben mit Tschernobyl

Vor 10 Jahren erschien Folgendes im Deutschen Ärzteblatt:
Noch drei Jahrzehnte nach der Explosion des Atomkraftwerks in der Ukraine sind die Krankheitsfolgen unübersehbar.

Chernobyl Hotel with reactor in background„>
Verlassenes Hotel in Prybjat (Ukraine) 2018 mit dem Sarkophag des Reaktors im Hintergrund

Vor 30 Jahren wurden der Menschheit auf schmerzliche Weise die Gefahren der Atomenergie bewusst, als in den frühen Morgenstunden des 26. April 1986 der Reaktor 4 des sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl explodierte.

Das radioaktive Inventar im Reaktorkern konnte nicht mehr gekühlt werden, eine unkontrollierte nukle-are Kettenreaktion und die Freisetzung enormer Mengen strahlender Partikel waren die Folge.

Radioaktive Wolken verteilten die gefährlichen Strahlen in den folgenden Wochen über fast ganz Euro-pa. Auch in Deutschland kam es zu relevantem radioaktivem Niederschlag, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg.

Radioaktiver Niederschlag
In der unmittelbaren Umgebung des havarierten Kraftwerks arbeiteten in den Wochen und Monaten nach dem Super-GAU mehr als 800 000 Aufräum- und Katastrophenarbeiter, die sogenannten Liqui-datoren. Sie erhielten die größte Strahlendosis und erlitten die schwerwiegendsten gesundheitlichen Schäden.

Mehr als 350 000 Menschen mussten zudem aus der 30-km-Zone und aus weiteren stark kontami-nierten Regionen evakuiert werden. Ungefähr 8,3 Millionen Bürger und Bürgerinnen der Ukraine, Weißrusslands und Russlands wurden großen Mengen radioaktiven Niederschlags ausgesetzt, während schätzungsweise 500 Millionen Menschen in ganz Europa mit geringeren Strahlendosen belastet wurden (1).

Rund 36 Prozent des radioaktiven Cäsiums gingen damals über Weißrussland, Russland und der Ukraine nieder, etwa 53 Prozent über dem Rest Europas. Elf Prozent verteilten sich über den restlichen Globus (2).

Auch in Deutschland kamen so Millionen von Menschen in Kontakt mit radioaktiven Isotopen wie Jod-131 oder Cäsium-137 und nahmen sie mit der Atemluft, kontaminierter Nahrung, Milch und Trink-wasser in den Körper auf. Bis heute werden gesundheitsschädigende Mengen radioaktiven Cäsiums in bayerischem Wild und Waldfrüchten gefunden.

aus Deutsches Ärzteblatt Ausgabe 18/2016

Ich konnte keine Hinweise finden, dass sich die Lage in den letzten 10 Jahren signifikant verändert hätte. Bei der im Moment wieder aufkommenden Debatte über die zivile Nutzung der Atomkraft halte ich diesen Artikel daher immer noch für eine brauchbare Diskussionsgrundlage…