Tour: Sky mit Froome, Porte in den Himmel und wieder zurück

Am Wochenende hat die Sky-Mannschaft allen anderen erstmals so richtig gezeigt, wo bei der diesjährigen Tour de France der Hammer hängt.

Bei der ersten Bergankunft in den Pyrenäen fuhr Top-Favorit Chris Froome zusammen mit seinem australischen Team-Gefährten Richie Porte die gesamte Konkurrenz förmlich in Grund und Boden.

Chris Froome

Einmal Himmel…

Nur der Spanier Alejandro Valverde konnte noch einigermaßen mithalten, während nahezu alle anderen Mitfavoriten wie Alberto Contador, Cadel Evans und vor allem Tejay van Garderen eine Menge Zeit auf den Briten verloren.

Froome, sich seiner guten Form offenbar voll bewusst, hatte seine Mannschaft bereits am ersten Berg der Tour, dem berüchtigten „Monster“ Port de Palheres in die Offensive geschickt.

Am Schlussanstieg zur Skistation Ax-3-Domaines folgte dann der große Schlag gegen den Rest des Feldes, das von Sky mit Richie Porte und Chris Froome an der Spitze gnadenlos auseinandergefahren wurde.

Peloton der Tour

Natürlich gab es nach dem souveränen Solosieg des Briten umgehend die ersten Stimmen, die seine Mannschaft mit systematischem Doping in Verbindung bringen wollten.

Denn auch im Vorjahr mit Bradley Wiggins als Kapitän hatte Sky das Peloton ähnlich beherrscht wie Lance Armstrong und sein US-Postal-Team in ihren besten (und wie wir ja nun wissen und eigentlich auch schon immer geahnt hatten, dopingverseuchten) Zeiten.

…und wieder zurück

Doch direkt am folgenden Tag schlug das Peloton angeführt von Garmin-Sharp und der spanischen Movistar-Mannschaft zurück.

Bei einem mörderischen Ritt über fünf Pyrenäen-Pässe wurde die Sky-Mannschaft für ihre Dominanz tags zuvor gewaltig abgestraft.

Der Australier Richie Porte, zuvor noch die Lokomotive seines Teams und auf dem besten Weg, sich eine Chance auf das Podium zu erarbeiten, verlor schon sehr früh den Anschluss und musste am Ende Zwanzig Minuten Rückstand einstecken.
Noch härter traf es Vasily Kiryienka, eigentlich eine der tempofesten Zugmaschinen im Sky-Team. Er verfehlte sogar als Einziger an diesem Tage das Zeitlimit und musste seine Sachen packen und die Tour verlassen.

(weitere Berichte siehe Tour de France 2013 auf radsport-news.com)

Gedopt oder nicht gedopt?

Immerhin konnte Chris Froome auch ohne sein Team das Gelbe Trikot verteidigen.
Doch das Verhalten und die Form seiner Mannschaft an diesen beiden Tagen ließen eine Menge Fragen offen.

Und wie immer war die nach einem möglichen regelwidrigen Nachhelfen die am dringlichsten gestellte Frage.

Tour de France

Hieß es zuerst, dass ein solcher Einbruch nach der Dominanz 24 Stunden zuvor doch ein gutes Zeichen sei, da es sich bei den Rennfahrern von Sky „auch nur um Menschen mit Stärken und Schwächen“ handle, so meldeten sich umgehend die Kritiker dieser These zu Wort.

Diese verwiesen auf Berichte von ehemaligen US-Postal-Mitgliedern wie Tyler Hamilton, der von verseuchten EPO-Lieferungen für sein Team während der Frankreich-Rundfahrten geschrieben hatte.
Die Einnahme dieser „verpanschten“ Medikamente hatten dann für entsprechend schwache Tage der Armstrong-Truppe gesorgt.

Na ja, meiner Ansicht nach ist keine dieser Anschuldigungen letzlich wirklich stichhaltig, da sie im Moment schlicht nicht beweisbar sind.
Solange nicht ein Rennfahrer der Sky-Truppe positiv getestet wird oder die Einnahme leistungssteigernder Mittel zugibt, bleiben das alles nur Verdächtigungen.
Daher sehe ich alle Debatten in diese Richtung auch momentan als müßig an, nähere Rückschlüsse kann man wenn überhaupt erst nach Auswertung aller Dopingproben ziehen.

Obwohl es natürlich schon seltsam erscheinen mag, einerseits vom sauberen Radsport zu reden und dabei andererseits das Peloton im zweiten Jahre hintereinander so zu beherrschen wie Armstrong und Co. in ihren „besten“ Tagen.

Solange aber der Schatten des Dopings weiter auf dem Fahrerfeld lastet (und momentan gibt es leider nicht wirklich viele Hinweise darauf, dass es tatsächlich anders sein könnte) wird dieser Verdacht auch weiterhin die Tour begleiten.

Sportlich gesehen kann man dagegen wohl festhalten, dass sich die Tour de France offenbar nach wie vor nicht an einem Tag gewinnen lässt.

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