Welche Rolle spielen die Staats- und Privatschulden in der nächsten großen Finanzkrise?

Grundsätzlich müssen wir klüger sein als die Banken, denn indem wir sie in den letzten 40 Jahren zu den „Meistern des Universums“ werden ließen, haben sie uns zum Narren gemacht.

Steve Keen

Money USA
US-Dollar-Banknoten

Ihre Rollen sind in jeder Krise genau entgegengesetzt, wie die zwei Seiten einer Wippe: Private Schulden verursachen Krisen und die Staatsverschuldung beendet sie bis zu einem gewissen Grad.

Doch die konventionelle Wirtschaftstheorie führt hier völlig in die Irre, indem sie die privaten Schulden ignoriert, während die Staatsverschuldung eher als Problem denn als Lösung gesehen wird.

Das herkömmliche wirtschaftliche Argument ist erstens, dass private Schulden einfach die Kaufkraft von einer Privatperson auf eine andere übertragen – der Schuldner hat mehr Geld auszugeben, wenn er Geld geliehen hat, der Gläubiger hat dann mehr auszugeben, wenn Schulden zurückgezahlt werden.

Insgesamt hebt sich dies gegenseitig auf: Die Kaufkraft des Kreditnehmers steigt, wenn die Schulden steigen und sinkt, wenn diese auch sinken, doch die Kaufkraft des Kreditgebers entwickelt sich in die entgegengesetzte Richtung.

Daher wird behauptet, dass Veränderungen in der Höhe der privaten Verschuldung nur sehr geringe Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben. Wie Ben Bernanke es in seinem Buch ‚Essays on the Great Depression‘ ausdrückte, „sollten reine Umverteilungen keine signifikanten makroökonomischen Auswirkungen haben“ (Bernanke 2000, S. 24).

‎Auf der anderen Seite sehen sie die Staatsverschuldung als „Verdrängung“ des privaten Sektors an, indem der Staatssektor mit privaten Kreditnehmern um den verfügbaren Bestand an „kreditfähigen Fonds“ konkurriert und so den Zinssatz in die Höhe treibt – den Preis für geliehenes Geld.

Übermäßige Staatsdefizite erhöhen die Nachfrage nach Geld, treiben die Zinssätze in die Höhe und verringern damit die privaten Investitionen und somit auch das Wirtschafts-wachstum.

Wie Gregory Mankiw es in seinem einflussreichen Lehrbuch ausdrückt, „verringert die staatliche Kreditaufnahme die nationale Ersparnis und verdrängt dabei die Kapital-akkumulation“ (Mankiw 2016, S. 556-57).‎

‎Wenn die konventionelle Ökonomie richtig gelegen hätte, dann hätte es 2007 überhaupt keine Krise geben dürfen – und genau das sagten Mainstream-Ökonomen damals. Im Juni 2007, zwei Monate vor Beginn der Krise, prognostizierte der Chefökonom der OECD, dass „ein nachhaltiges Wachstum in den OECD-Volkswirtschaften durch die starke Schaffung von Arbeitsplätzen und sinkende Arbeitslosigkeit gestützt würde“ (Cotis 2007 , S. 7).‎

ausführlich weiter hier Steve Keen – What is the role of public debt and private debt in the next great financial crisis?

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