Schalke 04: Endlich erfolgreich mit Pressing und Umschaltspiel

Wenn es denn wieder einmal des Beweises bedurfte, dass der Fußball unberechenbar ist, so lieferten die beiden West-Rivalen Schalke und Mönchengladbach am letzten Sonntag eine beredetes Beispiel.

Soccer formation 3-4-3
S04 gegen Gladbach: 3-4-3 oder 4-4-3?

Mir schwante nach dem doch eher mäßigen, aber immerhin mit einem ungefährdeten Sieg abgeschlossenen Euro-League-Spiel gegen RB Salzburg eigentlich noch Böses. Denn die Ösis erreichten vielleicht gerade einmal mittleres Bundesliga-Niveau und konnten daher nicht unbedingt als ein echter Prüfstein für die folgende Partie gegen Gladbach gelten.

Die Elf von Trainer Andre Schubert dagegen muss als ein Maßstab angesehen werden, wenn man sich auf Dauer im oberen Tabellendrittel der Bundesliga festsetzen will. Nach der Niederlagen-Serie der Schalker war ich mir daher keineswegs sicher, ob die Gelsenkirchener tatsächlich schon so weit sein könnten, um sich mit den Gladbachern auf Augenhöhe zu messen.

Ein Unentschieden oder gar einen knappen Erfolg hätte ich deshalb sofort unterschreiben und mit Kußhand genommen. Nie im Leben wäre mir in den Sinn gekommen, dass Schalke letztlich mit 4:0 einen solch deutlichen Sieg erreichen würde.

Bemerkenswert ist dabei aber vor allem auch die Art und Weise, wie dieses Resultat zustande gekommen ist. Nur 28 Prozent Ballbesitz für Schalke im eigenen Stadion, da kann man sich schon mal verwundert am Kopf kratzen.

Optisch allerdings sah das dann doch größtenteils anders aus. Da die Schalker von Anfang an hoch spielten und mit drei Stürmern bzw. offensiven Mittelfeldspielern (Choupo-Moting, Goretzka und dem sehr präsenten Breel Embolo) effektiv gegen die Gladbacher Dreierkette in der Abwehr pressten, beschränkte sich deren Überlegenheit beim Zugriff auf das Spielgerät überwiegend auf Querpässe und Rückgaben.

Da der nominell als Linksverteidiger aufgelaufene Sead Kolasinac seine Rolle oft sehr weit aufgerückt interpretierte, veränderte sich das Schalker Spielsystem immer wieder situationsbedingt von einem 4-4-3 zu einem 3-4-3, mit dem die Blauen die Räume im Mittelfeld erfolgreich zustellen konnten.

Dieses Pressing über den halben Platz verhinderte nahezu alle Gladbacher Offensivaktionen. Bezeichnend dafür war die erste Torchance der Schubert-Truppe, als Alessandro Schöpf den Kopfball von Vestergaard erst auf der Torlinie klären konnte. Bis dahin waren allerdings schon 40 Minuten vergangen.

Besser machten es da schon die Schalker in der Anfangsphase. Mangels Ballbesitz sollten schnelle Umschaltaktionen zum Erfolg führen, und hier konnte man bei genauem Hinsehen bereits gut erkennen, wie sich Trainer Markus Weinzierl offenbar zukünftig das Spiel seiner Mannschaft vorstellen will. Balleroberungen im Mittelfeld führten zu schnellen Gegenstößen und einigen ersten Torchancen, doch die genauen Steilpässe, die im zweiten Durchgang Gladbach den Todesstoß versetzen sollten, kamen jetzt noch nicht an.

Die Harmlosigkeit seiner Mannschaft machte Andre Schubert zur Halbzeit anscheinend einige Sorgen, denn er entschloss sich zu einem fast schon schicksalshaften Wechsel. Für den bis dahin besten Mann seiner Dreier-Abwehr, den Dänen Yannik Vestergaard, brachte er mit Lars Stindl einen zusätzlichen offensiven Mittelfeldspieler, sodass Andreas Christensen von der „6“ in den Defensivriegel zurück rücken musste.

Unbeabsichtigt hebelte der Gladbacher Übungsleiter damit allerdings die Stabilität seiner Mannschaft in der Rückwärtsbewegung auseinander. Hatte Vestergaard Breel Embolo bis dahin überwiegend gut im Griff, so galt dies für Christensen, Tony Jantschke und Nico Elvedi nun überhaupt nicht mehr.

Auch Christoph Kramer, nun alleingelassen im defensiven Mittelfeld, bekam immer häufiger Probleme und benötigte jetzt mehrfach Hilfe, um bei den schnellen Schalker Umschaltaktionen überhaupt noch Zugriff zu bekommen. Doch die Gladbacher Offensivleute waren nach dem Pausentee erst einmal damit beschäftigt, Schalke ihrerseits unter Druck zu setzen.

Und so fiel die Schalker Führung etwas überraschend, mitten hinein in eine Phase der optischen Gladbacher Überlegenheit, allerdings auch bedingt durch eben genau diese erhöhte Konzentration der Fohlenelf auf den Versuch, selbst in Führung gehen zu wollen.

Als nämlich Eric Maxim Choupo-Moting bei einem dieser schnellen Gegenstöße in den Mönchengladbacher Strafraum eindrang, war nur noch der eigentlich offensiv ausgerichtete Ibrahima Traorè da, um ihn stoppen zu können. Der allerdings machte das so ungeschickt, dass Schiedsrichter Sascha Stegemann kaum etwas anderes übrig blieb, als auf den Elfmeterpunkt zu zeigen.

Nun kippte das Spiel, weil die Blau-Weißen energisch nachsetzten. Innerhalb von nur sechs Minuten erhöhten Leon Goretzka und Breel Embolo mit seinem ersten Bundesliga-Treffer auf 3:0, und die Gladbacher standen ungläubig vor den Scherben ihrer Überlegenheit.

Bezeichnend für das völlige Auseinanderbrechen der Fohlenelf waren denn auch ihre vergeblichen Versuche, über ihren Stürmer Thorgan Hazard (der Brasilianer und Schalke-Schreck Raffael fehlte verletzt) wenigstens noch zum Anschlusstreffer zu kommen. Stattdessen spielte sich Breel Embolo mit seinem robusten Einsatz bei seinem zweiten Bundesligator zum 4:0-Endstand endgültig in die Herzen der Schalker Fans.

Aber bedeutet ein solch klarer Erfolg auch schon das Ende der blau-weißen „Minikrise“? Gemach, gemach, kann man da eigentlich nur sagen. Nach der Länderspielpause stehen mit der Auswärtspartie in Augsburg und der Begegnung gegen den FSV Mainz zwei interessante, aber auch nicht gerade leichte Gegner bevor.

Interessant deshalb, weil es gegen die Ex-Vereine von Trainer Weinzierl und Sportvorstand Christian Heidel geht. Aber auch schwer, weil sowohl Augsburg als auch Mainz nicht unbedingt zu den Clubs gehören, die man erfolgreich „pressen“ kann. Stattdessen muss man davon ausgehen, dass beide lieber den Ball abgeben und dann möglichst selbst vielversprechend dagegen arbeiten wollen.

Alles also noch keine Gründe, um unbedingt in Euphorie verfallen zu wollen. Weinzierls Mannschaft hat sich bisher gegen selbst aktive Gegner immer achtbar bis erfolgreich geschlagen, doch gegen gut organisierte, defensiv ausgerichtete und pressende Teams so ihre Probleme gehabt. Es wäre aber an der Zeit, dies gegen Augsburg und Mainz zu ändern, wenn man vollends in die Erfolgsspur zurück will.

Und dann naht ja Ende des Monats schon das Derby beim BVB…

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