Die MMT ist im Grunde eine Reaktion auf die Art und Weise, wie Geld in der Mainstream-Wirtschafts-theorie beschrieben wird. In dieser wird Geld als etwas angesehen, was die Menschen sparen, indem sie es bei Banken deponieren, und das die Banken wiederum durch die Schaffung von Krediten ver-leihen können.
Das holografische Band auf einer 5-Euro-Banknote
Die Geldschöpfung durch Banken setzt also voraus, dass Privatpersonen sparen. Aber diese Idee ist völlig falsch, so funktioniert Geld nicht. Was die MMT hervorhebt, ist, dass Geld „ex nihilo“ (aus dem Nichts) geschaffen wird. Die Bank drückt einen Knopf und legt einen Kredit an und schafft damit auch neues Geld.
Kaum ein Thema in Politik und Wirtschaft wird heute mehr diskutiert – und weniger verstanden – als die Staatsverschuldung. Viele erheben ihre Stimme, um einen Schuldenabbau zu fordern, aber nur wenige erklären, warum oder auf welche Weise ein Schuldenabbau zu einer besseren Wirtschaft oder einer gerechteren Gesellschaft führen würde.
Und es scheint keine Grenzen für all die – vor allem makroökonomischen – Katastrophen und Proble-me zu geben, die eine hohe Staatsverschuldung angeblich verursacht: Arbeitslosigkeit, Inflation, höhere Zinssätze, geringeres Produktivitätswachstum, erhöhte Lasten für zukünftige Generationen und so weiter.
Aber die Wahrheit ist, dass die Staatsverschuldung in der Regel nicht zu befürchten ist, vor allem, wenn sie im Inland finanziert wird (obwohl auch ausländische Kredite der Wirtschaft zugute kommen können, wenn sie richtig investiert werden).
Einige Mitglieder der Gesellschaft halten Anleihen und verdienen Zinsen darauf, während andere die Steuern zahlen müssen, die letztendlich die Zinsen auf die Schulden zahlen. Die Schulden sind kein Nettoverlust für die Gesellschaft als Ganzes, weil sich die Schulden zwischen den beiden Gruppen ausgleichen. Wenn der Staat Anleihen zu niedrigen Zinsen emittiert, kann die Arbeitslosigkeit sinken, ohne dass es zwangsläufig zu einem starken Inflationsdruck kommt.
Und die generationenübergreifende Belastung ist auch keine wirkliche Belastung, weil die Schulden – wenn sie richtig eingesetzt werden – durch ihre Auswirkungen auf Investitionen und Beschäftigung zukünftige Generationen tatsächlich zu Nettogewinnern machen.
Natürlich kann es unerwünschte negative Verteilungseffekte für zukünftige Generationen geben, aber das ist oft ein kleines Problem, denn wenn unsere Kinder und Enkelkinder die Staatsschulden zurück-zahlen, werden diese Zahlungen auch an unsere Kinder und Enkelkinder geleistet.
Sowohl für John Maynard Keynes als auch für Abba Lerner war es offensichtlich, dass der Staat Vollbeschäftigung und ein stabiles Preisniveau fördern kann – und dass er seine Macht dafür nutzen sollte. Wenn das bedeutet, dass der Staat Schulden aufnehmen und (mehr oder weniger vorüber-gehend) einen unausgeglichenen Haushalt führen muss – dann soll es so sein!
Staatsverschuldung ist weder gut noch schlecht. Er ist ein Instrument zur Erreichung zweier über-geordneter makroökonomischer Ziele: Vollbeschäftigung und Preisstabilität. Das heilige Ziel ist nicht, einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen oder die Staatsverschuldung zu reduzieren, unabhängig von den Auswirkungen auf die makroökonomischen Ziele.
Wenn „solide Finanzen“, Sparmaßnahmen und ausgeglichene Haushalte zu einem Anstieg der Ar-beitslosigkeit und destabilisierenden Preisen führen müssen sie aufgegeben werden.
(Eigene Übersetzung eines Blogbeitrages des schwedischen Ökonomen Lars Syll)
