Die globalen Kosten des fiskalischen Koordinierungs-versagens der Eurozone 2012

Die Länder der Eurozone haben in den Jahren 2011, 2012 und 2013 insgesamt zu viele fiskalische Anpassungen vorgenommen. Deutschland trat im Jahr 2012 in die Konsolidierung ein und fügte der Eurozone sowie der ganzen Welt weiteren Schaden zu.


Netto-Exportbeiträge der einzelnen Staaten zum Wachstum in der Eurozone

Die Banque de France veröffentlichte in ihrem Sommerbericht einen interessanten kleinen Artikel. Sie argumentierte darin, dass die Eurozone zusammen zu viele fiskalische Konsolidierungsmaßnahmen – wie z.B. Austerität; Budgetkürzungen und Steuer-erhöhungen – zwischen 2011 und 2013 erließ.

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Über die Folgen fehlender gesamtwirtschaftlicher Bildung…

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Man kann den Deutschen den ihnen zustehenden Lohn einbehalten, man kann ihnen die erwirtschaftete Rente kürzen, man kann ihnen die Sozialhilfe auf ein absolutes Minimum zurückfahren und ihnen auch noch erfolgreich einreden, das wäre alles nur zu ihrem Besten…

Aber wehe, es kommen ein paar Ausländer ohne ordentliche Papiere über ihre Grenzen…allerdings versteht das dann auch jeder sofort…

(eine kleine Polemik zur aktuellen politischen und <gesamt->wirtschaftlichen Situation in Deutschland)

Elsner: Neoliberalismus vs. Demokratie – Der „Mega-Club“

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Die sechs größten Unternehmen der Welt, nach Umsatz in Milliarden Dollar, 2012

…Im Ergebnis wird heute die Welt nach einer im Oktober 2011 erschienenen Schweizer Studie der ETH Zürich regiert von insgesamt etwa vierzig internationalen Kapitalgruppen, die sich wechselseitig besitzen und kontrollieren und so ein geschlos-senes Herrschaftssystem bilden, das keine Macht der Welt mehr kontrollieren kann.

Sie kommandieren fast alle der dort untersuchten 47.000 größten international tätigen Unternehmen, ein Mega-Club der mächtigsten Finanzeinheiten, Banken, Schattenbanken, Investmentfonds, Hedge Fonds und Versicherungen, unter ihnen nur noch einige wenige herkömmliche Industriekonzerne, und alle mit Bilanzsummen, die größer sind als die Sozialprodukte ihrer Herkunftsländer.
(siehe z.B. The network of global corporate control, arxiv.org › q-fin; siehe auch Frankfurter Rundschau v. 31.10.2011)…

aus dem Vortrag „Neoliberaler“ Kapitalismus versus Demokratie von Wolfram Elsner, gehalten in Linz 2011

Da schau her: BDI-Chef Dieter Kempf kritisiert Deutschlands Exportüberschuss

Unsere Waren sind besser: So verteidigten Wirtschaftsvertreter bislang den deutschen Handelsüberschuss. Nun fordert BDI-Präsident Kempf jedoch, die Deutschen sollten sich bei dem Thema „ehrlich machen“.

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BDI-Chef Prof. Dieter Kempf beim Tag der Deutschen Industrie 2017


„Wir Deutschen sollten uns hier ein bisschen ehrlich machen“, sagte Kempf der „Süddeutschen Zeitung“. „Handelsbilanzen müssen nicht immer ausgeglichen sein. Aber wenn ein Land dauerhaft extrem hohe Überschüsse ausweist, dann muss es sich auch einmal fragen, was es selbst dazu beitragen kann, dass die Sache nicht aus dem Ruder läuft.“

Kempfs Aussagen widersprechen den gängigen Äußerungen deutscher Wirtschaftsvertreter zum Thema. Demnach sind Deutschlands hohe Überschüsse allein Folge besonders wettbewerbsfähiger Produkte. Mit diesem Argument wurde auch Kritik von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen. Er kritisierte das Ungleichgewicht seit Beginn seiner Amtszeit als „unfair“ und hat mit Strafzöllen gedroht.

aus Spiegel-Online

Tja, wenn der größte Exportmarkt plötzlich unsicher wird, kommen auch der deutschen Industrie völlig neue Einsichten. Besonders interessant ist aber auch der letzte Absatz des Artikels:

Kempf schloss auch eine Angleichung der Importzölle auf Autos in den USA und der EU nicht aus. Bisher verlangen die Europäer eine Einfuhrabgabe von zehn Prozent auf amerikanische Wagen, während die USA umgekehrt nur 2,5 Prozent fordern.

Und Trump wagt es da doch tatsächlich mit Strafzöllen zu drohen, unglaublich so was!

Was bei den neuen Erkenntnissen des BDI-Chefs noch fehlt, ist die Lösungsmöglichkeit für den Abbau des Handelsüberschusses via Löhne und Lohnstückkosten, wie nicht nur hier im Blog schon oft gefordert wurde.

Na, was nicht ist, kann ja noch kommen…

Mehr Deutsche als jemals zuvor sind ernsthaft in Gefahr arm zu werden

Wie schlecht es der Eurozone geht, wird in der Regel zuerst mit Bezug auf Griechenland, dann Spanien, dann Italien und Portugal illustriert, den schwächsten Gliedern in der Kette der Mitgliedstaaten. Ganz zu schweigen von Zypern, Finnland und einigen mehr.

Diw logo 2010
Logo des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)

Doch es gibt noch eine andere Art, die gleiche Fragestellung zu betrachten, indem man sich auf das vermeintlich stärkste Land in der Währungsunion konzentriert – Deutschland. Ein neuer Bericht des DIW Berlin (freigegeben am 5. Juli 2017) – „Einkommensschichten und Erwerbsformen seit 1995“, der nur in deutscher Sprache verfügbar ist, erzählt eine düstere, wenn nicht gar trostlose Geschichte darüber, was in dem angeblichen Powerhouse der Eurozone in den letzten 18 Jahren geschehen ist.

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Der Globalisierungskonsens der Eliten

Der Freihandel geht davon aus, dass Arbeiter, die auf die eine Weise ihren Job verlieren auf einem anderen Gebiet wieder beschäftigt werden können. Sobald diese Verbindung aber unterbrochen ist, zerbricht auch das gesamte Freihandels-argument.
(J. M. Keynes, Aussage vor dem Macmillan-Ausschuss für Finanzen und Industrie, 1930)

Stop TTIP-CETA Protest in Brussels 20-09-2016 (10)
Protest in Brüssel gegen die TTIP– und CETA-Freihandelsabkommen

…In diesem Kontext bezieht sich Globalisierung auf die Öffnung der heimischen Märkte und die Integration der globalen Produktion über multinationale Konzerne (MNCs).

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John Maynard Keynes und die wirtschaftlichen Möglichkeiten für unsere Enkelkinder – Teil 2

Weiter von Teil I:

John Maynard Keynes
John Maynard Keynes 1946

II.

Wir wollen einmal unterstellen, dass es uns allen von heute an in hundert Jahren in wirtschaftlicher Hinsicht im Durchschnitt achtmal besser geht als heute. Dies bräuchte uns ganz gewiss nicht zu überraschen.

Nun ist es wahr, dass die Bedürfnisse der Menschen unersättlich zu sein scheinen. Aber sie zerfallen in zwei Klassen − solche Bedürfnisse, die absolut in dem Sinne sind, dass wir sie fühlen, wie auch immer die Situation unserer Mitmenschen sein mag, und solche, die relativ in dem Sinne sind, dass wir sie nur fühlen, wenn ihre Befriedigung uns über unsere Mitmenschen erhebt, uns ein Gefühl der Überlegenheit gibt.

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Blick in die USA: die Stagnation der Einkommen hat die Jungen härter getroffen als die Alten

Der amerikanische Journalist Max Ehrenfreund wies unlängst auf ein neues Paper eines Forscherquartetts hin, welches die lebenslangen Einkommen verschiedener Altersgruppen in den USA analysiert hat.

Die Ökonomen fanden dabei heraus, dass die Einkommen der Mittelschicht seit längerem stagnierten und die Einkommensungleichheit in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist. Nichts davon sollte uns wirklich noch überraschen. Doch es gibt trotzdem auch eine interessante Entwicklung. Obige Grafik stellt dabei ihre Schlüsseltabelle für die Männer dar. Sie sieht etwas kompliziert und ein wenig einschüchternd aus, aber keine Bange. Es macht alles einen Sinn.

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John Maynard Keynes und die wirtschaftlichen Möglichkeiten für unsere Enkelkinder – Teil 1

Dieser Essay wurde erstmalig 1928 von J.M. Keynes als Rede vor einigen kleineren Gesellschaften, darunter die „Essay Society“ des Winchester College und der „Political Economy Club“ in Cambridge, gehalten. Im Juni 1930 erweiterte Keynes seine Notizen zu einer Vorlesung über „Ökonomische Möglichkeiten für unsere Enkelkinder“, die er in Madrid hielt. Sie erschien in gedruckter Form in zwei Folgen der Zeitschrift „The Nation & The Athenaeum“ am 11. und 18. Oktober 1930, also inmitten der Wirtschaftskrise.

Keynes 1933
John Maynard Keynes 1933

I.

Wir leiden gerade unter einem schweren Anfall von wirtschaftlichem Pessimismus. Sehr häufig hört man Leute sagen, dass die Epoche des enormen wirtschaftlichen Fortschritts, die das neunzehnte Jahrhundert kennzeichnete, vorüber sei; dass die schnelle Verbesserung des Lebensstandards sich nun verlangsamen würde − wenigstens in Großbritannien; dass ein Rückgang des Wohlstands in dem vor uns liegenden Jahrzehnt wahrscheinlicher sei als eine Steigerung.

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Die Vorteile des Freihandels – ein Irrtum auf der Grundlage einer reinen Fantasie

Viele Leute werden versuchen, Sie davon zu überzeugen, dass Freihandel und die Globalisierung allen zugute kommen könnten, wenn nur die Gewinne gerechter verteilt würden…

Container ships President Truman (IMO 8616283) and President Kennedy (IMO 8616295) at San Francisco
Sinnbild von Globalisierung und Freihandel:
Zwei Containerschiffe passieren die Bay Bridge in San Francisco (USA)

Diese Überzeugung wird von fast allen Politikern geteilt … und sie ist eine der festen Glaubensregeln der ökonomischen Profession.

Sie aber haben völlig recht damit, sie abzulehnen…

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