Fatale Irrtümer des finanziellen Fundamentalismus – Von der notwendigen Erwerbslosigkeit zur Eindämmung der Inflation (NAIRU)

Eine Abhandlung über die Ökonomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
Teil 6

Irrtum Nr. 6: Es wird als notwendig erachtet, die Arbeitslosigkeit an einem „inflationsstabilen“ Pegel („NAIRU“) im Bereich von 4 bis 6 % zu halten, wenn dadurch ein inakzeptables Ansteigen der Inflation verhindert werden kann.
1996, als William Vickrey seine Abhandlung der fatalen Finanzirrtümer verfasste, war die amtlich ermittelte Arbeitslosenquote in den USA auf 5,1 % zurückgegangen, während das Congressional Budget Office (CBO) die NAIRU seit 1964 bei 6,0 Prozent festgelegt hatte, nachdem sie vorher seit 1958 zwischen 5,5 und 6,3 Prozent betrug. Seit der Finanzkrise ist die NAIRU ab 2010 wieder gestiegen, bis 5,5 Prozent in 2013, in den nächsten Jahren bis 2020 soll sie dann wieder bis auf 5,1 Prozent sinken.

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Die Belohnungen fürs harte Arbeiten sind zu groß für Keynes‘ Visionen

Der berühmte Ökonom lag richtig mit seiner Annahme, dass es uns heute besser geht als den Menschen in seiner Epoche, doch nur auf Kosten unserer Freizeit. Lange Arbeitszeiten zahlen sich in finanzieller Hinsicht aus, bedeuten aber auch, dass wir weniger Zeit für sonstige Beschäftigungen haben.

Keynes 1933
John Maynard Keynes im Jahre 1933

Sollte Keynes nun auf die heutige Situation herabschauen – er würde sicherlich auch einen guten Schutzengel für Wirtschaftswissenschaftler abgeben – dann würde er den Autor dieser Zeilen sicherlich fragen, warum er überhaupt diesen Artikel schreibt anstatt im Liegestuhl am Pool zu sitzen.

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Die gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen an die Gewerkschaften – Teil 3: „Haltepflöcke von Papier-Währungen bei freien Wechselkursen“

Nachdem wir in Teil 1 dieser Serie die Beschränkung der Individualkonkurrenz der Arbeitnehmer untereinander sowie in Teil 2 die Funktion des Schutzwalles gegen menschenunwürdige Unterbietungskonkurrenz als wichtige fundamentale Grundpfeiler der ordnungspolitischen Legitimation der Gewerkschaften identifiziert hatten, soll hier nun auf eine sehr bedeutende makroökonomische Aufgabe der Arbeitnehmervertreter eingegangen werden.

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Jeder Student der Volkswirtschaftslehre lernt schon immer, dass in Märkten mit einem freiem Spiel von Einzelpreisen durch die Veränderungen realwirtschaftlicher Knappheits-relationen lediglich die Beziehungen zwischen den Geldpreisen der einzelnen Waren und Leistungen festgelegt werden.

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Die gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen an die Gewerkschaften – Teil 2: Schutzwall gegen menschenunwürdige Unterbietungskonkurrenz

In Teil 1 dieser Serie über die volkswirtschaftlichen Aufgaben der Gewerkschaften identifizierten wir anhand des Buches „Marktpreis und Menschenwürde“ von Wolfgang Stützel die Beschränkung der Individualkonkurrenz der Arbeitnehmer untereinander als eine fundamentale Basis ihrer ordnungspolitischen Legitimation.

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Sicherlich waren es zunächst die Gesetzgeber, die mit entsprechenden Arbeitszeitregeln Schutzvorkehrungen gegen die Gnadenlosigkeit der unmenschlichen Unterbietungs- konkurrenz einrichteten. Doch nach der Ächtung der Möglichkeiten zum Mehrangebot an Arbeitszeit blieb es den konkurrierenden Arbeitnehmern jedoch selbst überlassen, etwas gegen die nächste Eskalationsstufe bei der Vermeidung der Erwerbslosigkeit zu unternehmen.

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Die gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen an die Gewerkschaften – Teil 1: Festlegung der Lohnsätze und Arbeitszeiten

Eine vor kurzem vom IWF vorgestellte Studie thematisierte den sinkenden Einfluss der Gewerkschaften in den Industrieländern und analysierte ihre Schwächen bei den Versuchen, eine gerechtere Einkommensverteilung zu erreichen.

Hamburg 1. Mai 2014 01

Diese Beurteilung der gewerkschaftlichen Arbeit durch eine eher als neoliberal bekannte internationale Institution möchte ich nun zum Anlass nehmen, einmal ein wenig zurückzublättern und anhand des 1982 erschienen Buches „Marktpreis und Menschenwürde“ von Wolfgang Stützel einen anderen Blick auf die Aufgaben der Gewerkschaften zu werfen.

Denn so manche damals gewonnene Erkenntnis ist heute nahezu verschollen und sollte vielleicht wiederbelebt werden, um in der aktuellen Diskussion über den Sinn und Zweck von Gewerkschaften neue Gesichtspunkte einzubringen.

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Strukturreformen in Griechenland – ohne die nötige Vollbeschäftigung das falsche Mittel

Seit Wochen bestimmt nun schon der Disput um die Schulden Griechenlands und mögliche Lösungsformen für dieses Problem die öffentliche Diskussion in Europa und natürlich auch in Deutschland.

Panoramic skies over Oia Santorini island (Thira), Greece
Der blaue Himmel über Santorin, Griechenland

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Ist der Freihandel tatsächlich gut für alle?

Greg Mankiw deutet dies in einem Artikel[1] an, und behauptet, dass alle Ökonomen sich darin einig wären, dass es so ist. Aber eigentlich ist es das nicht. Wer sagt das? Ökonomen.

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Insbesondere das Arbeitspferd der Theorie des internationalen Handels, das Hecksher-Ohlin-Theorem führt direkt zum Stolper-Samuelson-Theorem, welches zeigt, dass, wenn Länder anfangen Handel miteinander zu treiben, sich relativ häufig genutzte Produktionsfaktoren in jedem Land besser entwickeln als die relativ selten genutzten Faktoren.

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Gesamtwirtschaftliche vs. industrielle Lohnstückkosten

In der deutschen Industrie stiegen die Lohnstückkosten im Jahr 2013 um mehr als 3 Prozent. Sie lagen damit um 12 Prozent höher als im Vorkrisenjahr 2007.

In langfristiger Betrachtung zeigt sich, dass sich die Lohnstückkosten hierzulande ungünstiger entwickelten als im Ausland: Im Zeitraum 1991 bis 2013 stiegen sie in Deutschland um insgesamt 12 Prozent, während sie im Ausland sowohl in nationaler Währung als auch auf Euro-Basis leicht nachgaben. Der Blick auf die Lohnstückkosten liefert somit keine Belege für ein Lohndumping in Deutschland.

Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW): Produktivität und Lohnstückkosten der Industrie im internationalen Vergleich

Labor productivity and unit labor costs 1998-2008, selected Eurozone countries

So oder ähnlich lauten die überwiegend aus dem Arbeitgeberlager vorgebrachten Argumente, wenn es mal wieder um die hohen Überschüsse des deutschen Außenhandels und den Vorwurf geht, diese wären vor allem durch Lohn- und Kostendumping der deutschen Wirtschaft erkauft.

Man verweist dann wie das Institut der deutschen Wirtschaft oben gern auf den Vergleich der Lohnstückkosten der Industrie, um damit zu belegen, dass es mit der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen (Gesamt-)Wirtschaft gar nicht so weit her sei.

Doch was ist eigentlich dran an dieser Argumentation?

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Mindestlöhne in den europäischen Krisenländern: Griechenland ist anders (aber nicht so wie erwartet)

Veränderung der nominalen Mindestlöhne (in Prozent) der Austeritäts-Staaten 2008 bis 2015

Veränderung der nominalen Mindestlöhne (in Prozent) der Austeritäts-Staaten 2008 bis 2015

Im Januar 2015 führte Deutschland endlich einen allgemein gültigen Mindestlohn von 1.473,- Euro ein, etwa auf dem Niveau des irischen Mindestlohns und etwas höher als das des französischen. Das Gehaltsminimum in Griechenland beträgt 684,- Euro, und ist damit erheblich höher als die 390,- Euro in Estland, aber deutlich unter der 757,- Euro-Grenze in Spanien (Eurostat-Daten hier).

Die Eurostat-Statistiker weisen darauf hin, dass Griechenland das einzige Land war, das seinen Mindestlohn zwischen 2008 und 2015 (-19%) verringert hat. Es ist interessant, Griechenland mit den anderen Ländern unter der Austeritätsfuchtel zu vergleichen, die ja angeblich ein so leuchtendes Beispiel für Griechenland sein sollen.

Eine Senkung der Mindestlöhne ist dabei eindeutig kein Patentrezept, wenn es um das Beschäftigungs- wachstum geht.

(eigene Übersetzung eines Beitrages des Real-World Economics Review Blog)