Ist Wachstum gut?

Wann immer das Thema des Wirtschaftswachstums angesprochen wird, gibt es eine weit verbreitete und verständliche Reaktion in dem Sinne, dass Wachstum ökologisch nicht nachhaltig oder sozial schädlich sei.

WeltBIPWorldgroupOECD
Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts der Welt und der OECD

Da eines der Hauptanliegen dieses Blogs das nachfragegesteuerte Wachstum ist, lohnt es sich vielleicht innezuhalten, um über die Angemessenheit des Themas nachzudenken. Die generelle Problematik kann dabei in zwei Abschnitte unterteilt werden. Warum sollte man überhaupt das Wachstum als solches betrachten? Und warum die Möglichkeit hervor-heben, dass Wachstum nachfragegeleitet sein kann?

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Wie Geld geschaffen wird…

Alles, was wir wissen, ist nicht nur falsch – es ist schlicht verkehrt herum. Wenn Banken Kredite vergeben, schaffen sie Geld.

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Nahaufnahme eines Dollar-Scheines

Denn Geld ist eigentlich nur ein IOU (Schuldschein). Die Rolle der Zentral-bank besteht letztlich darin eine Rechtsordnung zu garantieren, die den Banken das ausschließliche Recht einräumt, Schuldscheine bestimmter Art zu schaffen, welche von der Regierung durch ihre Bereitschaft, sie als Steuern anzunehmen als gesetzliches Zahlungsmittel anerkennt werden.

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Sollte eine Regierung versuchen das Glück zu maximieren?

„Money can’t buy me love (Geld kann mir keine Liebe kaufen)“, sangen die Beatles früher einmal, obwohl es zweifelhaft erscheint, dass dies wirklich ein strenger empirischer Anspruch war.

Paul, George & John
Paul McCartney, George Harrison und John Lennon performen
„Can’t buy me love“ (1964)

Dennoch bestreitet niemand, dass es mehr im Leben gibt als Geld und ein neues Buch, The Origins of Happiness argumentiert, dass Glück und Zufriedenheit ein Leitfaden für die Regierungspolitik sein sollten.

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Dani Rodrik: Welche Auswirkungen haben Handels-abkommen wirklich?

Da sich die internationalen Handelsabkommen immer weiterentwickelt haben und über die Einfuhrzölle und -quoten hinaus in regulatorische Vorschriften und die weitere Harmonisierung hineinwirken, ist es erheblich schwieriger geworden, sie in die vorherrschende Wirtschaftstheorie einzupassen und zu integrieren.

EU free trade agreements
Weltweite Freihandelsabkommen der Europäischen Union

Dennoch beurteilen viele Ökonomen Handelsabkommen wie die Transpazifische Partnerschaft (TPP) weiterhin positiv. Die Standardansicht scheint zu sein, dass diese Vereinbarungen uns dem Freihandel näher bringen, indem wir Transaktionskosten reduzieren, die allgemein mit regulatorischen Unter-schieden oder explizitem Protektionismus verbunden werden.

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Makroskop: Der kranke Mann Europas wird gesund, der Rest bekommt Fieber

Fieberthermometer

…Die Übertragung des merkantilistischen Modells auf die gesamte EU (insbesondere die Eurozone) wird auf Dauer nicht nachhaltig sein können. Zunächst macht sich Europa damit abhängig von der Nachfrage in der übrigen Welt.

Zweitens wird der Euro bei gravierenden Überschüssen und restriktiverer Geldpolitik so stark aufwerten, dass jeglicher Wettbewerbsvorteil, der durch Lohnzurückhaltung erreicht wurde, zunichte gemacht wird.

Drittens hat Europa einen Exportanteil von 15 % und es ist ebenso unwahrscheinlich wie irrational, diesen Anteil signifikant steigern zu wollen; die Welt ist kein großer und integrierter Markt, sondern besteht aus mehreren, recht geschlossenen Volkswirtschaften.

Viertens, und das ist mindestens ebenso wichtig, stellt sich beim Merkantilismus natürlich auch eine moralische Frage, weshalb die einen immer auf Kosten der anderen die Überschüsse fahren müssen, anstatt sich einem fairen und ausgeglichenen Handel zu widmen.

aus Der kranke Mann Europas wird gesund, der Rest bekommt Fieber

Elsner: Neoliberalismus vs. Demokratie – Eine globale Gläubiger-Schuldner-Ökonomie

Global Distribution of Wealth v3 (de)

…Seitdem es Statistiken über Einkommens- und Vermögens-verteilungen gibt (in einem der Weltsozialberichte der UNO konnten vor wenigen Jahren Verteilungsdaten seit etwa dem Jahre 1800 rekonstruiert werden) hat es eine Ungleichheit wie heute, sowohl in räumlicher als auch sozialer Hinsicht, noch nicht gegeben.

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Ist es Zeit für einen erneuten Crash?

Am Black Friday 1929 wurden die feuchten Träume der Marktfundamentalisten vom ewigen Wachstum schwer getroffen. Die Aktienmarktblase explodierte und die Kurse stürzten ab.

Heute haben wir eine Finanzmarktsituation, die sehr an die von 1929 erinnert. Das Shiller P/E-Ratio ist momentan noch höher als damals. Diejenigen von uns, die ihren KeynesFisherKindlebergerMinsky kennen und die Wirtschaftsgeschichte nicht völlig vergessen haben, fangen an sich Sorgen zu machen…

(eigene Übersetzung eines Blogbeitrages des schwedischen Ökonomen Lars Syll)

Keynes hatte recht, was das Quantitative Easing (QE) angeht

Hat das durch QE verursachte Geldmengenwachstum in der Eurozone (siehe Grafik) die Konjunktur angekurbelt? Nicht genug. Nach John Maynard Keynes in seiner „Allgemeinen Theorie“ (1936),

hängt die Beziehung der Veränderungen von M (Geldmenge) zu Y (Einkommen) und r (dem Zinssatz) in erster Linie davon ab, wie die Veränderungen in M zustande kommen.

Anders ausgedrückt: nur der (wirtschaftlich sinnvolle) Kredit und nicht das Geld allein lässt die Welt auf Touren kommen. Geld, welches als Kredit Haushalten den Kauf bereits bestehender Häuser ermöglicht, hat einen ganz anderen Effekt auf die Konjunktur als das Geld, das per Kredit neuen Firmen zur Verfügung gestellt wird, die damit viele Arbeits-kräfte für die Herstellung von z. B. medizinischen Geräten einstellen.

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Ein Blick in die Bücher: Die Bank von England als Kreditgeber der letzten Instanz

Stellen Sie sich vor, Sie könnten in die historischen Bücher der britischen Zentralbank schauen und dabei die Bandbreite der Zinssätze ersehen, die die Bank in der Vergangenheit für Notkredite in Rechnung gestellt hat.

Könnten Sie herausfinden, wie viele dieser Kredite nie zurückgezahlt wurden und wie sich das auf den Gewinn der Bank auswirkte? Jetzt können Sie es. Wir haben die täglichen Geschäftsbücher der Bank digital übertragen und in einer Excel-Arbeitsmappe abgelegt, die Sie nun erforschen können. Diese Bücher enthalten eine Fülle von Informationen über jeden, der die Bank während der Krisen von 1847, 1857 und 1866 um ein Darlehen gebeten haben.

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Elsner: Neoliberalismus vs. Demokratie – die Strategie der systematischen Staatszerstörung

Rheinbruecke Neuenkamp pano
Die Rheinbrücke Neuenkamp, deren Sperrung im August 2017 als Sinnbild des unten ausgeführten Sachverhalts gelten kann…

…Die Strategie der systematischen Staatszerstörung und des systematischen Ausblutens des Staates mit dem Ziel, den Staat (sozial, kollektiv) handlungsunfähig zu machen und seine Finanzierung abhängig zu machen vom Geld der privaten Spekulationsindustrie (vulgo: „Finanzmärkte“), also den wenigen hundert Top-Entscheidern im o.g. herrschenden Finanzoligopol sowie ihrer weltweit wenigen hundert super- und megareichen privaten Aktionäre und Gläubiger (die dafür in der Post-2008-Welt bisher von den Regierungen systematisch daran gehindert wurden, zu den negativen Folgen der von ihnen verursachten Krise beizutragen, so wie es unter „marktlichen“ Bedingungen vom „Markt“ erzwungen worden wäre).

Damit wird die staatliche soziale Handlungsfähigkeit und Kompetenz systematisch in Richtung null gedrückt. Der „neoliberale“ Staat wird sozial, kulturell, ökologisch und zukunftsbezogen komplett inkompetent gemacht, von der Spekulationsindustrie abhängig und finanziert – von ihr jederzeit beliebig zu Tode spekulierbar und (davor und danach) von ihr beliebig an die Kandare zu nehmen.

aus dem Vortrag „Neoliberaler“ Kapitalismus versus Demokratie von Wolfram Elsner, gehalten in Linz 2011