{"id":926085,"date":"2015-04-27T07:06:52","date_gmt":"2015-04-27T05:06:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=926085"},"modified":"2017-02-06T15:14:28","modified_gmt":"2017-02-06T14:14:28","slug":"nachtrag-zum-lautenbach-plan-das-versagen-von-spd-und-konservativen-ebnete-hitler-den-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/nachtrag-zum-lautenbach-plan-das-versagen-von-spd-und-konservativen-ebnete-hitler-den-weg\/","title":{"rendered":"Nachtrag zum Lautenbach-Plan: das Versagen von SPD und Konservativen ebnete Hitler den Weg"},"content":{"rendered":"<p>Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Machtergreifung\" title=\"Machtergreifung \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Macht im Deutschen Reich ergriffen<\/a>, befand sich die deutsche Wirtschaft als Folge der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weltwirtschaftskrise\" title=\"Weltwirtschaftskrise \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Weltwirtschaftskrise<\/a> noch in einem komat\u00f6sen &#8222;Tiefschlaf&#8220;.<\/p>\n<p><center><a title=\"Berlin, Fackelzug der SA zur Machtergreifung Hitlers, Bundesarchiv, Bild 102-02985A \/ CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/deed.en)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ABundesarchiv_Bild_102-02985A%2C_Berlin%2C_Fackelzug_zur_Machtergreifung_Hitlers.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"312\" alt=\"Bundesarchiv Bild 102-02985A, Berlin, Fackelzug zur Machtergreifung Hitlers\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/df\/Bundesarchiv_Bild_102-02985A%2C_Berlin%2C_Fackelzug_zur_Machtergreifung_Hitlers.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Berlin, Fackelzug der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sturmabteilung\" target=\"_blank\">SA<\/a> zur Machtergreifung Hitlers<br \/>\nam Abend des 30. Januar 1933<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Die Industrieproduktion betrug nur noch etwa die H\u00e4lfte des Vorkrisenstandes von 1928 und neue Investitionen konnten nur noch zu einem Drittel den Ersatzbedarf decken. Die Zahl der Erwerbslosen wuchs erneut, vergleichbar mit dem vorangegangenen Winter, auf \u00fcber sechs Millionen, jede dritte Arbeitskraft war ohne Besch\u00e4ftigung.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1932 hatte die Krise ihren &#8222;H\u00f6hepunkt&#8220; erreicht und stagnierte seitdem mit saisonalen Schwankungen auf diesem Niveau. Erste Konjunkturprogramme der Regierungen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kabinett_Papen\" title=\"Kabinett Papen \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">von Papen<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kurt_von_Schleicher\" title=\"Kurt von Schleicher \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">von Schleicher<\/a> konnten zwar einen weiteren Absturz verhindern, doch mangels wirklicher Stimulierung des Massenkonsums reichten sie f\u00fcr eine Trendwende nicht aus. Im Gegenteil sorgten Einschr\u00e4nkungen bei der Arbeitslosenversicherung, weitere Lohnsenkungen und K\u00fcrzungen der Sozialf\u00fcrsorge f\u00fcr weiter steigende Obdachlosigkeit im ganzen Reich.<\/p>\n<p>Daher gibt es auch bei der konjunkturellen Analyse der damaligen Zeit keinerlei Hinweise darauf, dass zum Zeitpunkt der &#8222;Machtergreifung&#8220; die Krise im Grunde schon \u00fcberwunden gewesen sei. Tats\u00e4chlich wird von vielen Historikern die Auffassung vertreten, dass die eigentliche Aufgabe der Krisen\u00fcberwindung damals noch ausstand. <\/p>\n<p>Unbestritten ist dagegen heute die Tatsache, dass dieses Ziel von den Nationalsozialisten sehr viel schneller und gr\u00fcndlicher erreicht wurde, als es sich damalige Zeitgenossen im In- und Ausland vorstellen konnten. Bis 1937 wurden sechs Millionen Arbeitslose wieder in die Produktion \u00fcbernommen, die industrielle Erzeugung \u00fcbertraf ihren H\u00f6chststand aus den 20er Jahren deutlich und auch das reale Sozialprodukt je Einwohner lag sogar \u00fcber ein Viertel h\u00f6her als vor der Krise. <\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung des Wachstumsstaus und die Nutzung der brachliegenden Ressourcen durch eine hoch motivierte Arbeiterschaft schafften in diesen Jahren mit zweistelligen Expansionsraten ein &#8222;deutsches Wirtschaftswunder&#8220;, hinter dem ausl\u00e4ndische Beobachter vor allem auch die konjunkturellen Aspekte der milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung vermuteten. Gleichzeitig betrug die Arbeitslosigkeit in den USA trotz <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/mythos-new-deal-teil-3-erfolg-durch-mehr-soziale-gerechtigkeit\/\" title=\"Mythos New Deal \u2013 Teil 3: Erfolg durch mehr soziale Gerechtigkeit \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\">Roosevelts New Deal<\/a> noch fast 20 Prozent, in England auch noch \u00fcber 10 Prozent. <\/p>\n<p>Heute wei\u00df man allerdings, dass die Reichswehr vor 1935 gar nicht in der Lage war, aufgrund langer Anlaufzeiten in ihrer R\u00fcstungsplanung  den L\u00f6wenanteil der f\u00fcr die Arbeitsbeschaffung notwendigen Auftr\u00e4ge zu stellen. Stattdessen bediente sich das Deutsche Reich besonders wirkungsvoll des neuen Instrumentariums der Konjunkturpolitik, das vor allem durch den Namen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Maynard_Keynes\" title=\"John Maynard Keynes \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">John Maynard Keynes<\/a> in den drei\u00dfiger Jahren weltweite Bekanntheit erlangte.  <\/p>\n<p>Nahezu vergessen ist dagegen heute die Tatsache, dass w\u00e4hrend der unseligen Krisenzeit der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weimarer_Republik\" title=\"Weimarer Republik \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Weimarer Republik<\/a> auch in Deutschland \u00e4hnliche Konzepte zur Nachfragesteigerung durch Arbeitsbeschaffung entworfen worden waren, allen voran der <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-lautenbach-plan-1931-teil-1-geld-und-kreditpolitik-der-weimarer-republik-in-der-weltwirtschaftskrise\/\" title=\"Der Lautenbach-Plan 1931 \u2013 Teil 1: Geld- und Kreditpolitik der Weimarer Republik in der Weltwirtschaftskrise \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\">Lautenbach-Plan<\/a> des \u00d6konomen im Reichswirtschaftsministeriums <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lautenbach\" title=\"Wilhelm Lautenbach \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Wilhelm Lautenbach<\/a>.<\/p>\n<p>Aus der Geschichte wissen wir aber, dass es vor 1933 keine wirtschaftspolitische Wende gab. Reichsbankpr\u00e4sident <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Luther\" title=\"Hans Luther \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Hans Luther<\/a> konnte sich nicht dazu durchringen, den Plan in seinen Einzelheiten anzunehmen und zur Ausf\u00fchrung zu bringen. Auch bei den gro\u00dfen Parteien und den wichtigen gesellschaftlichen Gruppen fand die von Lautenbach und anderen Wirtschaftswissenschaftlern vorgeschlagene Politik\u00e4nderung zu wenig Unterst\u00fctzung. Nicht einmal die SPD vermochte sich zu einer keynesianischen Wende in der Wirtschaftspolitik durchzuringen. Die Sozialdemokraten zogen es stattdessen vor, sich auf diesem Feld zur\u00fcckzuhalten und die angeschlagene Regierung <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_Br%C3%BCning\" title=\"Heinrich Br\u00fcning \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Br\u00fcning<\/a> weiter zu st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Nationalsozialisten erkannten dagegen die M\u00f6glichkeiten einer solchen Politik zur Krisen\u00fcberwindung und vermochten diese in eine wirksame Strategie umzusetzen. Sie mussten die bereits vorhandenen Instrumente kreditfinanzierter Arbeitsbeschaffung nur noch effektiv anwenden. Bereits 1932 nahm die NSDAP vor allen anderen Parteien diese Thesen in ihr &#8222;Wirtschaftliches Sofortprogramm&#8220; auf, w\u00e4hrend die Sozialdemokraten einen \u00e4hnlichen Plan der Gewerkschaften als &#8222;unmarxistisch&#8220; und &#8222;inflation\u00e4r&#8220; ablehnten. <\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den etablierten Parteien hatten die Nazis keinerlei Ber\u00fchrungs\u00e4ngste zu den Ideen der &#8222;deutschen Keynesianer&#8220; und Begriffe wie produktive Kreditsch\u00f6pfung und staatliche Arbeitsbeschaffung waren f\u00fcr sie keine Tabuthemen. So mussten sie nach der Machergreifung auch nicht auf Improvisation oder die sp\u00e4ter so ber\u00fcchtigten Zwangsma\u00dfnahmen zur\u00fcckgreifen, sondern konnten die Pl\u00e4ne ausf\u00fchren, die ihre Vorg\u00e4nger nicht oder nur unvollst\u00e4ndig umgesetzt hatten.<\/p>\n<p>Schon in seiner Regierungserkl\u00e4rung am 01. Februar 1933 hatte Hitler seinen W\u00e4hlern entschlossene Schritte zur Bek\u00e4mpfung der Erwerbslosigkeit versprochen. Tats\u00e4chlich verringerte sich die Arbeitslosigkeit danach deutlich, und bereits zwei Jahre sp\u00e4ter kam man nicht mehr umhin, von der Einl\u00f6sung dieser Zusage zu sprechen. 1936 wurde gar das erste Mal nach der Inflation Anfang der 1920er Jahre in Deutschland die Vollbesch\u00e4ftigung erreicht.<\/p>\n<p>Grundlage daf\u00fcr war ein ganzes B\u00fcndel von Gesetzen und Ma\u00dfnahmen zur Arbeitsplatzbeschaffung, das die Nazis schon in den ersten Monaten ihrer Regierungszeit verabschiedeten. Darin regelten sie so unterschiedliche Schritte wie die Erm\u00e4\u00dfigung der Kraftfahrzeugsteuer, Steuervorteile f\u00fcr Ersatzinvestitionen, ja sogar eine F\u00f6rderung von Eheschlie\u00dfungen, Absenkungen der Umsatzsteuern, steuerliche Besserstellung des Wohnungsbaus und Verbesserungen bei der Abschreibung von Wirtschaftsg\u00fctern.<\/p>\n<p>Entgegen der sp\u00e4teren allgemeinen \u00dcberzeugung trug dagegen der ebenso forcierte Bau neuer Autobahnen eher weniger zum raschen Abbau der Erwerbslosigkeit bei:  es dauerte schlichtweg viel zu lange, die umfangreichen Planungen in tats\u00e4chlich sofort sp\u00fcrbare konjunkturelle Ausgaben umzusetzen.  <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es aber auch einige \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde, die der Regierung Hitler die Verwirklichung ihres Programms erleichterten. So l\u00f6ste bereits im M\u00e4rz 1933 der den Nationalsozialisten eher zugeneigte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hjalmar_Schacht\" title=\"Hjalmar Schacht \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Hjalmar Schacht<\/a> den konservativen und abwartenden Hans Luther als Pr\u00e4sidenten der Reichsbank ab. Mit ihm, der sich durch die \u00dcberwindung der Inflation von 1923 den Nimbus eines finanzpolitischen Genies erworben hatte, lie\u00dfen sich Programme zur Arbeitsbeschaffung (und sp\u00e4ter zur Aufr\u00fcstung) viel leichter durchf\u00fchren. <\/p>\n<p>Auch war das Problem der durch den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedensvertrag_von_Versailles\" title=\"Friedensvertrag von Versailles \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Versailler Vertrag<\/a> dem Reich aufgezwungenen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Reparationen_nach_dem_Ersten_Weltkrieg\" title=\"Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Reparationszahlungen<\/a> bereits ohne Mitwirkung der Nationalsozialisten gel\u00f6st worden. Ebenso stand das Unternehmerlager nun haupts\u00e4chlich aufgrund der bevorstehenden <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tag_der_nationalen_Arbeit#Zerschlagung_der_Gewerkschaften\" title=\"Tag der nationalen Arbeit \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Zerschlagung der Gewerkschaften<\/a>, des Verbots von SPD und KPD sowie der Aussicht auf Gewinne durch die nahende Wiederaufr\u00fcstung den geplanten milliardenteuren Konjunkturprogrammen weit weniger skeptisch gegen\u00fcber.   <\/p>\n<p>Doch wie ich bereits in der Serie \u00fcber den Lautenbach-Plan <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-lautenbach-plan-1931-teil-1-geld-und-kreditpolitik-der-weimarer-republik-in-der-weltwirtschaftskrise\/\" title=\"Der Lautenbach-Plan 1931 \u2013 Teil 1: Geld- und Kreditpolitik der Weimarer Republik in der Weltwirtschaftskrise \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\">in Teil 1<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-lautenbach-plan-1931-teil-2-die-konferenz-der-friedrich-list-gesellschaft\/\" title=\"Der Lautenbach-Plan 1931 \u2013 Teil 2: Die Konferenz der Friedrich-List-Gesellschaft \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\">Teil 2<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-lautenbach-plan-1931-teil-6-die-borchardt-kontroverse-und-die-angeblich-zu-hohen-loehne-in-weimar\/\" title=\"Der Lautenbach-Plan 1931 \u2013 Teil 6: Die Borchardt-Kontroverse und die angeblich zu hohen L\u00f6hne in Weimar \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\">im letzten Teil<\/a> dargelegt hatte, w\u00e4re eine solche oder \u00e4hnliche Politik durchaus auch von den etablierten Parteien durchf\u00fchrbar gewesen, auch eine Zusammenarbeit von Br\u00fcnings Zentrumspartei mit der SPD (schlie\u00dflich wurde seine Austerit\u00e4tspolitik ebenso von den Sozialdemokraten toleriert) h\u00e4tte damals keinen un\u00fcberwindbaren Gegensatz dargestellt. Heute wie in jenen Tagen sind es daher vor allem die ideologischen Barrieren, die pragmatischen L\u00f6sungen entgegenstanden und entgegenstehen.<\/p>\n<p>So konnten sich anstelle ihrer politischen Gegner letztlich die Nazis nicht nur in den Augen der \u00d6ffentlichkeit -durchaus zu Recht- den Erfolg der Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahmen auf die Fahnen schreiben. Und das in einem Problemfeld, welches damals nach den desastr\u00f6sen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise als eines der zentralen Kriterien f\u00fcr eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik galt. Wie heute wurde auch in den 1930er Jahren der Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen eine sehr hohe Bedeutung einger\u00e4umt. Und so vermochte sich Adolf Hitler mit \u00f6konomischer Kompetenz erheblich positiv von seinen Vorg\u00e4ngern abzuheben. <\/p>\n<p>Gerade dieses &#8222;Wirtschaftswunder&#8220; aber schuf auch die Grundlage f\u00fcr das gewaltige Ma\u00df an Glaubw\u00fcrdigkeit und Vertrauen, das der Regierung Hitler eine ungeheure Popularit\u00e4t einbrachte und sogar bis zu ihrem Untergang bei einem Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung anhielt. Viele kritische Volksgenossen aus der Arbeiterschaft und dem B\u00fcrgertum, die den Nationalsozialisten bis dahin offenbar eher abwartend und auch misstrauisch gegen\u00fcberstanden, wechselten nun mit zunehmender Begeisterung die Seiten. <\/p>\n<p>Da der Wirtschaftsaufschwung den Arbeitnehmern fast nur &#8222;Wohltaten&#8220; bescherte (wie die Arbeitsbeschaffung nach den Vorschl\u00e4gen Lautenbachs funktionierte, habe ich <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-lautenbach-plan-1931-teil-5-beispiel-eines-bau-und-beschaffungsprogrammes-durch-die-reichsbahn\/\" title=\"Der Lautenbach-Plan 1931 \u2013 Teil 5: Beispiel eines Bau- und Beschaffungsprogrammes durch die Reichsbahn \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\">hier<\/a> beschrieben), festigte er in entscheidender Hinsicht das psychologische und \u00f6konomische Fundament der Nazi-Diktatur und machte die weitere Politik Hitlers auch in Sachen Kriegsvorbereitung und der Verfolgung der Juden und Andersdenkenden erst m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die erfolgreiche Konjunkturpolitik in der Fr\u00fchzeit ihrer Machtaus\u00fcbung brachte den Nationalsozialisten ein solch positives Renommee, dass au\u00dfer ihren &#8222;nat\u00fcrlichen&#8220; Feinden aus dem linken Spektrum der Parteienlandschaft trotz ersichtlicher Diskriminierungspolitik kaum jemand sich zu ernsthafter Opposition bereit fand.<\/p>\n<p>Das &#8222;deutsche Wirtschaftswunder&#8220;, die \u00dcberwindung der letzten Zw\u00e4nge des &#8222;Schandvertrages&#8220; von Versailles, Hitlers geschicktes und durchaus &#8222;erfolgreiches&#8220; Taktieren in der Vorkriegszeit sowie der f\u00fcr die damalige Zeit unerkl\u00e4rliche Siegeszug der Wehrmacht durch Europa: die erfolgreiche Politik bei der Beseitigung der Folgen der Weltwirtschaftskrise muss als erster Baustein einer Reihe von Ereignissen gesehen werden, die einen Gro\u00dfteil der deutschen Bev\u00f6lkerung in einen solchen Begeisterungstaumel versetzte, dass sie bereit war, ihrem &#8222;F\u00fchrer&#8220; nahezu \u00fcberall hin zu &#8222;folgen&#8220;.    <\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht sollte man daher bei der Betrachtung der besonderen Umst\u00e4nde und Voraussetzungen f\u00fcr die zumeist als unerkl\u00e4rlich angesehene Stabilit\u00e4t des Hitler-Regimes gerade das Versagen von Konservativen und Sozialdemokraten in der Frage der Krisen\u00fcberwindung durch staatliche Arbeitsbeschaffung besonders beleuchten.<\/p>\n<p>Um es nochmal mit meinen Worten aus <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-lautenbach-plan-1931-teil-6-die-borchardt-kontroverse-und-die-angeblich-zu-hohen-loehne-in-weimar\/\" title=\"Der Lautenbach-Plan 1931 \u2013 Teil 6: Die Borchardt-Kontroverse und die angeblich zu hohen L\u00f6hne in Weimar \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\">diesem Beitrag<\/a> zu unterstreichen <em>(und zu erg\u00e4nzen)<\/em>:<br \/>\nEs ist daher die historische Schuld Br\u00fcnings und seines Kabinetts <em>(und auch der Sozialdemokraten!)<\/em>, dass man nicht alles ausprobiert hat, um die Krise schneller und mit weniger Opfern zu \u00fcberwinden. Es ist ihre historische Schuld, nicht auf die Fachleute wie Wilhelm Lautenbach geh\u00f6rt zu haben, die ihnen M\u00f6glichkeiten zu einer anderen Politik an die Hand gegeben hatten. Und es ist nat\u00fcrlich auch ihre Schuld, den radikalen Kr\u00e4ften der Weimarer Republik in Sachen Konjunkturprogrammen nichts entgegengesetzt zu haben und so den Wahlerfolg der NSDAP und damit den Aufstieg Hitlers <del datetime=\"2015-04-22T10:25:06+00:00\">nicht verhindert zu haben.<\/del> <em>\u00fcberhaupt erst m\u00f6glich gemacht zu haben!<\/em> <\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich sind die Parallelen zur heutigen Situation der EU in der Eurokrise nahezu un\u00fcbersehbar. Das vom wirtschaftlichen Niedergang gebeutelte deutsche Volk der Weimarer Republik gleicht den von Austerit\u00e4tspolitik betroffenen Einwohnern der Krisenl\u00e4nder, die von neoklassischem &#8222;Spar&#8220;-Bestreben dominierten Vertreter der europ\u00e4ischen Institutionen erscheinen wie das damalige Kabinett Br\u00fcning, die aufstrebenden Faschisten unter Hitler haben ihr Gegenst\u00fcck in den in vielen Staaten wieder auflebenden nationalen Parteien.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler die Macht im Deutschen Reich ergriffen, befand sich die deutsche Wirtschaft als Folge der Weltwirtschaftskrise noch in einem komat\u00f6sen &#8222;Tiefschlaf&#8220;. 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