{"id":791616,"date":"2015-05-24T00:38:07","date_gmt":"2015-05-23T22:38:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=791616"},"modified":"2024-05-08T13:36:28","modified_gmt":"2024-05-08T11:36:28","slug":"fatale-irrtuemer-des-finanziellen-fundamentalismus-ueber-die-belastung-zukuenftiger-generationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/fatale-irrtuemer-des-finanziellen-fundamentalismus-ueber-die-belastung-zukuenftiger-generationen\/","title":{"rendered":"Fatale Irrt\u00fcmer des finanziellen Fundamentalismus &#8211; \u00fcber die Belastung zuk\u00fcnftiger Generationen"},"content":{"rendered":"<p><Center><a title=\"Dollar-Symbol von Svilen.milev (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0) oder GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ADollar_symbol.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"312\" alt=\"Dollar symbol\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/b\/be\/Dollar_symbol.jpg\/512px-Dollar_symbol.jpg\"\/><\/a><\/Center><\/p>\n<p><Center><b>Eine Abhandlung \u00fcber die \u00d6konomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage<br \/>\nTeil 1<\/b><\/Center><\/p>\n<p><b>Einleitung:<\/b><br \/>\nEin Gro\u00dfteil der in Finanzkreisen vorherrschenden konventionellen \u00f6konomischen Weisheit, weitestgehend als Grundlage f\u00fcr die Regierungspolitik und von den Medien und der \u00d6ffentlichkeit akzeptiert, basiert auf unvollst\u00e4ndiger Analyse, kontrafaktischen Annahmen und falscher Analogie. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>So wird beispielsweise die Ermutigung zum Sparen weiterhin propagiert ohne R\u00fccksicht auf die Tatsache, dass f\u00fcr die meisten Menschen steigende Ersparnisse einhergehen mit einem geringeren Verbrauch und einer sinkenden Nachfrage am Markt, und ein Kauf durch einen Verbraucher oder eine Regierung gleichzeitig Einkommen f\u00fcr die Anbieter und Lieferanten bedeutet, und nat\u00fcrlich ist auch die Staatsverschuldung ebenso ein Verm\u00f6genswert. <\/p>\n<p>Genauso tr\u00fcgerisch ist die Annahme, das das, was f\u00fcr einzelne Personen w\u00fcnschenswert und m\u00f6glich ist, in gleicher Form auch f\u00fcr alle, die \u00e4hnliche W\u00fcnsche hegen, und f\u00fcr die Wirtschaft als Ganzes m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Und oft scheint die Analyse auf der Annahme zu basieren, dass die k\u00fcnftige Wirtschaftsleistung fast vollst\u00e4ndig von unerbittlichen \u00f6konomischen Kr\u00e4ften unabh\u00e4ngig von der Regierungspolitik bestimmt wird, so dass die eine Verwendung der Ressourcen unvermeidbar ihre Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr eine andere verringert. <\/p>\n<p>Dies k\u00f6nnte bei einer Wirtschaft mit Vollbesch\u00e4ftigung gerechtfertigt sein, oder es k\u00f6nnte in gewisser Weise durch die Annahme denkbar sein, dass die US-Notenbank erfolgreich eine Politik verfolgt, die Arbeitslosigkeit strikt an einer festen &#8222;nicht-inflationsbeschleunigenden&#8220; oder &#8222;nat\u00fcrlichen&#8220; Rate zu halten. Aber unter den gegenw\u00e4rtigen Bedingungen ist ein solches Resultat weder wahrscheinlich noch w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<p>Einige der Irrt\u00fcmer, die durch solche Denkweisen entstehen, sind hier im folgenden aufgef\u00fchrt. Zusammengenommen f\u00fchrt ihre Annahme zu politischen Strategien, die uns im besten Fall weiter in Wirtschaftsflauten mit Arbeitslosenquoten im Bereich von 5 bis 6 Prozent verharren lassen. <\/p>\n<p>Das ist nicht nur im Bezug auf den Verlust von 10 bis 15 Prozent unseres Produktionspotenziales schon schlimm genug, auch wenn dies gerecht verteilt werden sollte, aber wenn es zu Arbeitslosigkeit von 10, 20 oder 40 Prozent bei benachteiligten Gruppen f\u00fchrt, werden die weiteren Sch\u00e4den in Bezug auf die Armut, Familientrennungen, Schulschw\u00e4nzern und -abbrechern, Illegitimit\u00e4t, Drogenkonsum und Kriminalit\u00e4t in der Tat ernst sein. Und sollte diese stillschweigende Politik vollst\u00e4ndig im Sinne eines &#8222;ausgeglichenen Haushalt&#8220; durchgef\u00fchrt werden, k\u00f6nnten wir auch in einer schweren Depression landen.<\/p>\n<p><b>Irrtum Nr. 1: Staatliche Defizite belasten zuk\u00fcnftige Generationen<\/b><br \/>\nDefizite werden als s\u00fcndige verschwenderische Ausgaben zu Lasten k\u00fcnftiger Generationen angesehen, die dann zu einer geringeren Rendite des investierten Kapitals f\u00fchren w\u00fcrden. Dieser Trugschluss scheint aus einer falschen Analogie \u00fcber die Kreditaufnahme von Privatpersonen zu stammen.<\/p>\n<p>Die aktuelle Realit\u00e4t entspricht aber fast dem genauen Gegenteil.<br \/>\nDefizite erh\u00f6hen das verf\u00fcgbare Netto-Einkommen der einzelnen Personen im gleichen Ausma\u00df, in dem die Staatsausgaben private Einkommen darstellen, welche die Zahlungen in der Form von Steuern, Geb\u00fchren und sonstige Abgaben \u00fcbersteigen.<\/p>\n<p>Diese zus\u00e4tzliche Kaufkraft schafft, wenn sie wieder verkonsumiert wird, M\u00e4rkte f\u00fcr die private Produktion und verleitet Produzenten dazu, in zus\u00e4tzliche Produktionskapazit\u00e4ten zu investieren, die dann auch zuk\u00fcnftigen Generationen als reales Erbe und Sachkapital zu Verf\u00fcgung stehen werden. <\/p>\n<p>Dies erfolgt zus\u00e4tzlich zu den \u00f6ffentlichen Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Forschung und dergleichen. <\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfere Defizite, die ausreichen, um die Ersparnisse aus einem wachsenden Bruttoinlandsprodukt (BIP) \u00fcber das hinaus, was durch gewinnorientierte private Investitionen geleistet werden kann, einer Verwendung zuzuf\u00fchren, sind keine wirtschaftliche S\u00fcnde, sondern eine \u00f6konomische Notwendigkeit. <\/p>\n<p>Defizite, die die L\u00fccke zwischen dem maximal erreichbaren Wachstum und dem tats\u00e4chlichem Output \u00fcbersteigen, k\u00f6nnten in der Tat einmal Probleme verursachen, aber von diesem Niveau sind wir zur Zeit weit entfernt.<\/p>\n<p>Auch die Analogie selbst ist fehlerhaft. Wenn es f\u00fcr General Motors, AT &#038; T, und die Einzel-Haushalte erforderlich gewesen w\u00e4re, ihre Budgets in gleicher Weise auszugleichen, wie dies von der Bundesregierung verlangt wird, g\u00e4be es keine Aktien und Anleihen, keine Bankkredite, und viel weniger Autos, Telefone, und H\u00e4user.<\/p>\n<p><em>(Grundlage dieser Reihe ist der Artikel <a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/doi\/full\/10.1073\/pnas.95.3.1340\" title=\"Vickrey, William. 1996. 15 Fatal Fallacies of Financial Fundamentalism\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">15 Fatal Fallacies of Financial Fundamentalism<\/a> von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/William_Vickrey\" title=\"William Vickrey - Wikipedia, the free encyclopedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">William Vickrey<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Abhandlung \u00fcber die \u00d6konomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage Teil 1 Einleitung: Ein Gro\u00dfteil der in Finanzkreisen vorherrschenden konventionellen \u00f6konomischen Weisheit, weitestgehend als Grundlage f\u00fcr die Regierungspolitik und von den Medien und der \u00d6ffentlichkeit akzeptiert, basiert auf unvollst\u00e4ndiger Analyse, kontrafaktischen Annahmen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[34,27,32,29,18],"class_list":["post-791616","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-inflation","tag-investition","tag-schulden","tag-sparen","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/791616","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=791616"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/791616\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24297972,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/791616\/revisions\/24297972"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=791616"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=791616"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=791616"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}