{"id":7458369,"date":"2018-02-17T07:44:11","date_gmt":"2018-02-17T06:44:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=7458369"},"modified":"2026-03-13T11:52:42","modified_gmt":"2026-03-13T10:52:42","slug":"dani-rodrik-welche-auswirkungen-haben-handelsabkommen-wirklich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/dani-rodrik-welche-auswirkungen-haben-handelsabkommen-wirklich\/","title":{"rendered":"Dani Rodrik: Welche Auswirkungen haben Handels-abkommen wirklich?"},"content":{"rendered":"<p>Da sich die internationalen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Handelsabkommen\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Handelsabkommen<\/a> immer weiterentwickelt haben und \u00fcber die Einfuhrz\u00f6lle und -quoten hinaus in regulatorische Vorschriften und die weitere Harmonisierung hineinwirken, ist es erheblich schwieriger geworden, sie in die vor-herrschende Wirtschaftstheorie einzupassen und zu integrieren.<\/p>\n<p><Center><a title=\"Freihandelsabkommen der EU von Datastat (File:World blank map countries.PNG) [Public domain], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AEU_free_trade_agreements.PNG\"><img decoding=\"async\" width=\"512\" alt=\"EU free trade agreements\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/6\/66\/EU_free_trade_agreements.PNG\"\/><\/a><br \/>\n<em>Weltweite <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Freihandelsabkommen\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Freihandelsabkommen<\/a> der Europ\u00e4ischen Union<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Dennoch beurteilen viele \u00d6konomen Handelsabkommen wie die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transpazifische_Partnerschaft\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Transpazifische Partnerschaft (TPP)<\/a> weiterhin positiv. Die Standardansicht scheint zu sein, dass diese Vereinbarungen uns dem Freihandel n\u00e4her bringen, indem wir Transaktionskosten reduzieren, die allgemein mit regulatorischen Unterschieden oder explizitem Protektionismus verbunden werden. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Eine alternative Sichtweise ist die , dass Handelsabkommen das Ergebnis des gewinnsuchenden eigenn\u00fctzigen Verhaltens von politisch gut vernetzten Unternehmen sind &#8211; wie etwa internationalen Banken, Pharmaunternehmen oder multinationalen Konzernen. Sie k\u00f6nnen durch Ver\u00e4nderungen beim Marktzugang zu einem freieren, f\u00fcr beide Seiten vorteilhaften Handel f\u00fchren. Aber unter dem Deckmantel des &#8222;freieren Handels&#8220; werden sie wahrscheinlich auch rein umverteilende Ergebnisse erzielen.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Systematische Studien dar\u00fcber, wie Interessengruppen auf verschiedenen Seiten von Handelsabkommen die Verhandlungen gestalten, sind angesichts der mangelnden Transparenz des Prozesses selten. Eine Analyse schwedischer Lobbys macht sich jedoch die Tatsache zunutze, dass Schweden in seiner Verfassung eine weitreichende Informationsfreiheitsklausel hat, die es <a href=\"https:\/\/es.handels.gu.se\/english\/units\/unit-for-economic-history\/about-us\/staff?languageId=100001&#038;userId=xronkl\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Klas R\u00f6nnb\u00e4ck<\/a> <a href=\"http:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/09638199.2014.884154\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">(2015)<\/a> erm\u00f6glichte, w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uruguay-Runde\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Uruguay-Runde<\/a> Zugang zu allen Dokumenten zu erhalten, die der Gestaltung der Handelspolitik im Land zugrunde liegen. <\/p>\n<p>Wie R\u00f6nnb\u00e4ck hervorhebt, wird in der Literatur zur politischen \u00d6konomie des Handels h\u00e4ufig behauptet, der Prozess sei \u00fcberwiegend von importkonkurrierenden protektionistischen Interessen gepr\u00e4gt. Handelsabkommen werden trotz dieser Interessen unterzeichnet, nicht wegen ihnen. <\/p>\n<p>R\u00f6nnb\u00e4ck stellte jedoch fest, dass der von der schwedischen Regierung in den Handelsverhandlungen verfolgte Ansatz nicht nur mit Lobbying f\u00fcr Interessengruppen im Einklang stehe, sondern vor allem von diesem gepr\u00e4gt sei. Die Interessengruppen, die im Konsultationsprozess eine entscheidende Rolle spielten, sprachen sich f\u00fcr eine Ausweitung des Handels aus. <\/p>\n<p>Aber die Interessen dieser Gruppen galten nicht per se nur den Tarifen und Z\u00f6llen an sich, die bereits  sehr niedrig waren. Ihre Forderung lautete vielmehr, &#8222;den Geltungsbereich der Agenda des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Allgemeines_Zoll-_und_Handelsabkommen\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">GATT<\/a> zu erweitern, indem sie Themen wie den Handel mit Dienstleistungen, Investitionsma\u00dfnahmen und \u00f6ffentliche Ausschreibungen mit einbezogen&#8220; (S. 286). Mit anderen Worten, Industrie-Lobbyisten dr\u00e4ngten auf tiefgreifendere Integrationsma\u00dfnahmen, die \u00fcber die Standard-Freihandelspolitik hinausgingen.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich zeigt sich auch der Einfluss von Sonderinteressen auf den &#8222;Hund, der nicht bellt&#8220;: bei potentiellen Verhandlungsfeldern mit hohen sozialen R\u00fcckfl\u00fcssen, die schlicht aus der Handelsagenda herausfallen. Ein solcher Bereich, der direkt die Interessen gro\u00dfer Unternehmen ber\u00fchrt, ist der weltweite Wettbewerb im Bereich Steuern und Subventionen. <\/p>\n<p>In einer Welt mit mobilem Kapital sind Regierungen versucht, global agierenden Unternehmen bessere Bedingungen anzubieten, um sich um Investitionen zu bewerben. Dies f\u00fchrt zu einem suboptimalen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nash-Gleichgewicht\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Nash-Gleichgewicht<\/a> mit gr\u00f6\u00dferen Transfers an Unternehmen und deren Aktion\u00e4re, als dies global w\u00fcnschenswert w\u00e4re. <\/p>\n<p>In der Praxis zeigen sich die Auswirkungen in zwei Bereichen: Investitionszusch\u00fcsse (in Form von Steuerverg\u00fcnstigungen und anderen Bonbons) und Senkung der K\u00f6rperschaftssteuers\u00e4tze. Angesichts der offenkundigen grenz\u00fcberschreitenden Externalit\u00e4ten w\u00e4re die Einf\u00fchrung globaler Regeln im Bereich des Steuer- und Subventionswettbewerbs wirtschaftlich \u00e4u\u00dferst sinnvoll. <\/p>\n<p>Handelsabkommen haben dieses Thema jedoch nie ber\u00fchrt. Sie sind vollgestopft mit Beschr\u00e4nkungen, was die Regierungen der Heimatl\u00e4nder tun k\u00f6nnen, um ausl\u00e4ndischen Investoren Verpflichtungen aufzuerlegen. Aber sie hindern diese Regierungen nicht daran, Steuergelder zu verschwenden und Konzerne in einem sch\u00e4dlichen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Race_to_the_bottom\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">race to the bottom<\/a> zu bereichern.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung von Ausz\u00fcgen aus einem <a href=\"https:\/\/drodrik.scholar.harvard.edu\/publications\/what-do-trade-agreements-really-do\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Paper<\/a> des t\u00fcrkischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dani_Rodrik\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Dani Rodrik<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da sich die internationalen Handelsabkommen immer weiterentwickelt haben und \u00fcber die Einfuhrz\u00f6lle und -quoten hinaus in regulatorische Vorschriften und die weitere Harmonisierung hineinwirken, ist es erheblich schwieriger geworden, sie in die vor-herrschende Wirtschaftstheorie einzupassen und zu integrieren. 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