{"id":4735399,"date":"2017-01-12T07:20:56","date_gmt":"2017-01-12T06:20:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=4735399"},"modified":"2017-09-25T07:23:13","modified_gmt":"2017-09-25T05:23:13","slug":"die-zunahme-der-europaeischen-inflation-ist-nicht-zu-hoch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-zunahme-der-europaeischen-inflation-ist-nicht-zu-hoch\/","title":{"rendered":"Die Zunahme der europ\u00e4ischen Inflation ist NICHT zu hoch"},"content":{"rendered":"<p>Wie vorhergesagt (da die Energiepreise nicht ewig weiter fallen konnten) ist die <a href=\"http:\/\/de.tradingeconomics.com\/euro-area\/inflation-cpi\" target=\"_blank\">Verbraucherpreisinflation in der EU gestiegen<\/a>. Das gegenw\u00e4rtige Niveau betr\u00e4gt 1,1%, welches allerdings in historischer Perspektive geradezu niedrig ausf\u00e4llt. <\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/rwer.files.wordpress.com\/2017\/01\/inflation.png\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" src=\"https:\/\/rwer.files.wordpress.com\/2017\/01\/inflation.png\"  width=\"442\" \/><\/a><br \/>\n<em>Lohn- und Gehaltserh\u00f6hungen in den EU-L\u00e4ndern zwischen<br \/>\ndem 4. Quartal 2015 und dem 3. Quartal 2016 <\/em><\/Center><\/p>\n<p>Auch die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kerninflation\" target=\"_blank\">Kerninflation<\/a> (die im Gegensatz zur Verbraucherpreisinflation niemals negativ war) blieb verhalten und sogar weiterhin noch unter 1%. Alles vorhersehbar, doch die Menschen [besser gesagt <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/finanzen\/article160992511\/Die-Rueckkehr-der-Inflation-ueberfordert-Europa.html\" target=\"_blank\">die Medien<\/a>] beginnen bereits zu heulen und zu zetern, dass die Inflation steigt und wir Angst vor wertlosem Geld haben sollten.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Sie liegen falsch. Vier Gr\u00fcnde:<\/p>\n<p>1. <strong>Inflation misst <em>nicht<\/em> die Kaufkraft des Geldes<\/strong>. Sie misst die Kaufkraft des Nominaleinkommens. <\/p>\n<p>Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr: die Einf\u00fchrung des Euro. Trotz der Vorstellung eines v\u00f6llig neuen Geldes und einer ganzen Reihe neuer Preise blieb die Kaufkraft des Einkommens der Haushalte mehr oder weniger gleich. <\/p>\n<p>So zeigt die Verbraucherpreisinflation, was ein Haushalt h\u00e4tte kaufen k\u00f6nnen, wenn das nominale Einkommen und die Einkaufsmuster gleich geblieben w\u00e4ren. Dies ist eine \u00e4u\u00dferst n\u00fctzliche Messlatte. <\/p>\n<p>Aber echte Haushalte sind nat\u00fcrlich clever. Es ist nicht nur das Preisniveau, welches sich \u00e4ndert, sondern auch die relativen Preise. Wenn das nominale Einkommen gleich bleibt und die Preise steigen (oder sogar, wenn das nominale Einkommen steigt), werden sie ihr Konsummuster \u00e4ndern. \u00d6konomen sollten diesen Verschiebungen viel mehr Aufmerksamkeit widmen, obwohl sie nat\u00fcrlich auch beachten m\u00fcssen, dass einige der wichtigsten Preise unserer Volkswirtschaft (wie z. B. der Hypothekarzinssatz!) nicht im Verbraucherpreisindex enthalten sind. <\/p>\n<p><em>Diese \u00c4nderungen der relativen Preise und der Ausgabenmuster zeigen, dass die Idee der &#8222;Kaufkraft des Geldes&#8220; verr\u00fcckt ist. Die Einf\u00fchrung neuer Produkte unterstreicht dies. Was Haushalte mit ihrem Geld tun, tun wollen und k\u00f6nnen ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig. Dies schlie\u00dft lediglich die &#8222;Verbraucherkredite&#8220; aus. Wenn es einfacher oder schwieriger wird, Konsumentenkredite zu erhalten, \u00e4ndert dies die Kaufkraft der Haushalte.<\/em><\/p>\n<p>2. <strong>Wir sollten keine Angst vor der Entwertung des Geldes haben, sondern uns Sorgen machen wegen der Minderung des nominalen Einkommens: der L\u00f6hne und Geh\u00e4lter. Und der &#8222;gemischten Einkommen&#8220; der Selbst\u00e4ndigen.<\/strong> <\/p>\n<p>Das nominale Einkommen sollte soviel &#8211; und vorzugsweise ein wenig mehr &#8211; steigen wie die Verbraucherpreisinflation. Dies geschah im Jahr 2016 (zumindest bei den L\u00f6hnen), was vor allem auf die niedrigeren Energiepreise zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. <\/p>\n<p>In diesem Augenblick sind die Lohnsteigerungen in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern allerdings eher gering, dies bedeutet, da die Energiepreise wieder steigen, dass wir das Risiko eines deflation\u00e4ren Abw\u00e4rtstrends haben k\u00f6nnten (interessanterweise sind die Lohnerh\u00f6hungen in vielen Transformationsl\u00e4ndern betr\u00e4chtlich, sie halten dabei Verm\u00f6genspreis-Blasen in Schach, eine an sich ganz gute Sache).<\/p>\n<p>3. <strong>Es geht nicht nur um die Verbraucherpreise<\/strong>. Ein Gro\u00dfteil des Haushaltsverbrauchs wird von der Regierung bereitgestellt: Bildung, Justiz, K\u00fcstenschutz und dergleichen. Dies wird nicht durch den Verbraucherpreisindex gemessen. <\/p>\n<p>Nach dem Jahr 2008 waren die Preiserh\u00f6hungen dieser Dienstleistungen (sofern sie nicht &#8222;privat privatisiert&#8220; waren) in hohem Ma\u00dfe gemindert, zumal die Steigerung (wenn \u00fcberhaupt) der staatlichen L\u00f6hne niedriger war als der Durchschnitt. Die Preiserh\u00f6hungen der staatlichen Produkte und Dienstleistungen, die von den Haushalten verwendet werden, waren oft sogar geringer als die Zunahmen der Verbraucherpreise.<\/p>\n<p>4. <strong>Geringe Lohnerh\u00f6hungen bedeuten nat\u00fcrlich auch, dass die sogenannte <a href=\"http:\/\/wirtschaftslexikon.gabler.de\/Definition\/cost-push-inflation.html\" target=\"_blank\">&#8222;Cost Push Inflation&#8220;<\/a> ged\u00e4mpft wird<\/strong>. Zur Zeit scheint es in manchen L\u00e4ndern eine Art Lohn-Preis-Spirale zu geben, die sich aber vor allem <em>nach unten<\/em> dreht.<\/p>\n<p><em>(\u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/rwer.wordpress.com\/2017\/01\/08\/european-inflation-is-not-soaring\/\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des niederl\u00e4ndischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Merijn_Knibbe\" target=\"_blank\">Merijn Knibbe<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie vorhergesagt (da die Energiepreise nicht ewig weiter fallen konnten) ist die Verbraucherpreisinflation in der EU gestiegen. Das gegenw\u00e4rtige Niveau betr\u00e4gt 1,1%, welches allerdings in historischer Perspektive geradezu niedrig ausf\u00e4llt. Lohn- und Gehaltserh\u00f6hungen in den EU-L\u00e4ndern zwischen dem 4. Quartal<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[33,34,14,18],"class_list":["post-4735399","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-deflation","tag-inflation","tag-lohn","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4735399","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4735399"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4735399\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6499348,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4735399\/revisions\/6499348"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4735399"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4735399"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4735399"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}