{"id":4586075,"date":"2017-02-02T07:44:24","date_gmt":"2017-02-02T06:44:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=4586075"},"modified":"2020-08-31T07:30:40","modified_gmt":"2020-08-31T05:30:40","slug":"wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-4\/","title":{"rendered":"Wilhelm Lautenbach: Kapitalbildung und Sparen \u2013 Teil 4"},"content":{"rendered":"<p><em>Fortsetzung von <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-3\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Teil 3<\/a>:<\/em><\/p>\n<p>Um die Wechselbeziehungen zwischen Investition, Produktionsvolumen, Einkommen und Verbrauchsquote klarzulegen, will ich zun\u00e4chst auf die Bestimmungsgr\u00fcnde der Verbrauchsquote noch etwas n\u00e4her eingehen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/bilder\/verbrauchsgueter.jpg\" width=\"350\" title=\"Verbrauchsg\u00fcter und Investitionen\" alt=\"Anteile von Faktorkosten, Abschreibungen und Unternehmergewinn an den abgesetzten Verbrauchsg\u00fctern\"\/><br \/>\n<em>Zusammenhang zwischen Investition und Produktionsvolumen<\/em><\/center><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist festzustellen, da\u00df die einzelnen Wirtschaftssubjekte, welche verbrauchen, ihren Aufwand nicht nur aus Einkommen bestreiten. Ersparnisse werden verzehrt, Konsum wird durch Kredit finanziert. Aber auch diese irregul\u00e4re Finanzierung des Verbrauchs h\u00e4ngt wieder vom allgemeinen Gesch\u00e4ftsgang und Einkommensstand ab. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Bei hoher Arbeitslosigkeit und stark eingeschr\u00e4nkter Produktion werden viele ihre eigenen fr\u00fcheren Ersparnisse angreifen m\u00fcssen, und der Staat wird Arbeitslose unterst\u00fctzen und dabei h\u00e4ufig statt ordentlicher Einnahmen den Kredit in Anspruch nehmen. <\/p>\n<p>\u00dcberhaupt stellt jedes Staatsdefizit einen Aufwand dar, der nicht aus Einkommen, sondern durch Konsumtion von Ersparnissen bestritten wird. Durch Vorg\u00e4nge dieser Art wird die Verbrauchsquote erh\u00f6ht. Wenn wir uns aber das Einkommen als die regul\u00e4re Quelle der Nachfrage nach Verbrauchsg\u00fctern ansehen, so beobachten wir, da\u00df nicht alle Einkommensbezieher in gleicher Weise auf Ver\u00e4nderungen ihres Einkommens reagieren. <\/p>\n<p>W\u00e4chst das Einkommen der Nichtunternehmer, so w\u00e4chst ihr Verbrauch ann\u00e4hernd proportional. Nur dadurch, da\u00df bei steigender Besch\u00e4ftigung das Einkommen der Nichtunternehmer immer mehr aus der regul\u00e4ren Quelle, n\u00e4mlich aus den Faktorkosten, entspringt, w\u00e4hrend bei gro\u00dfer Arbeitslosigkeit ein mehr oder weniger gro\u00dfer Teil der Unterst\u00fctzungen aus einer irregul\u00e4ren Quelle stammt, n\u00e4mlich durch Kredit finanziert wird, sinkt die Verbrauchsquote, wie wir sie definiert haben, merklich, obwohl die einzelnen Einkommensbezieher pers\u00f6nlich kaum mehr sparen. <\/p>\n<p>Die individuelle Sparquote \u00e4ndert sich wenig, wohl aber die kollektive, weil jene Ersparnis verzehrenden Akte entfallen (staatliche Konsumkredite oder Ersparnisverzehr von solchen, die kein Einkommen bezogen). Regelm\u00e4\u00dfig werden jedenfalls nur ganz wenige Prozente des Lohn- und Gehaltseinkommens insgesamt von den einzelnen Einkommensbeziehern gespart und die Schwankungen dieser Sparquote haben im gro\u00dfen und ganzen wenig zu besagen.<\/p>\n<p>Ganz anders aber verh\u00e4lt es sich mit der Ersparnis aus Unternehmereinkommen, das regelm\u00e4\u00dfig die Hauptquelle der Ersparnis bildet. Man kann ohne gro\u00dfe \u00dcbertreibung sagen, da\u00df die Ver\u00e4nderungen der durchschnittlichen Verbrauchsquote im engesten Zusammenhang mit den Schwankungen des Unternehmereinkommens stehen, weil der Verbrauch der Unternehmer relativ konstant ist, jedenfalls weit weniger schwankt als ihr Einkommen. <\/p>\n<p>Bei gutem Gesch\u00e4ftsgang verbrauchen die Unternehmer zwar im allgemeinen mehr als bei flauem Gesch\u00e4ft, jedoch nicht entfernt in dem Ma\u00dfe wie etwa die Lohn- und Gehaltsbezieher, wenn die Gesamtsumme der L\u00f6hne und Geh\u00e4lter steigt. <\/p>\n<p>Die Tatsache kann jeder durch eigene Beobachtung verifizieren. Sie ist psychologisch und soziologisch leicht zu erkl\u00e4ren. Da\u00df der Verbrauch von Henry Ford v\u00f6llig unabh\u00e4ngig zu seinem Einkommen ist, da\u00df mithin die Schwankungen seines Einkommens nur seinen Verm\u00f6genssand, nicht aber seine Lebenshaltung ber\u00fchren, ist sonnenklar. <\/p>\n<p>Je mehr man von den Spitzenreitern zur Kerntruppe oder zum Trotz des Unternehmerheeres zur\u00fcckgeht, um so mehr wandelt sich freilich das Bild. Im ganzen aber kann man f\u00fcr die Verbrauchskurve der Unternehmer und Nichtunternehmer folgende Regel aufstellen: Die Verbrauchskurve der Nichtunternehmer l\u00e4uft mit ihrem Einkommen im gro\u00dfen und ganzen ziemlich parallel. <\/p>\n<p>Die Verbrauchsquote ist demnach in diesem Kreis ziemlich konstant und im \u00fcbrigen so hoch, n\u00e4mlich sicher \u00fcber 95 % des Einkommens im Gesamtdurchschnitt, da\u00df sie f\u00fcr die Ver\u00e4nderung der allgemeinen Verbrauchsquote keine gro\u00dfe Bedeutung haben kann. <\/p>\n<p>Hingegen zeigt der Verbrauch der Unternehmer eine gewisse Tr\u00e4gheit, auch wenn die Einkommenskurve stark schwankt. Das bedeutet nichts anderes, als da\u00df die Verbrauchsquote der Unternehmer (verstanden als Verh\u00e4ltnis von Verbrauch zum Einkommen) fast ebenso stark schwankt wie das Einkommen selbst, nat\u00fcrlich in entgegengesetzter Richtung: bei niedrigem Einkommen ist ihre Verbrauchsquote hoch, bei hohem niedrig.<\/p>\n<p>Diese Schwankungen in der Verbrauchsquote der Unternehmer oder, anders ausgedr\u00fcckt, die Tatsache, da\u00df die Einkommensschwankungen weniger den Verbrauch als die Verm\u00f6gensbildung der Unternehmer beeinflussen, ist aber nicht etwa ausschlie\u00dflich psychologisch zu erkl\u00e4ren, sondern hier wirkt ein sozial\u00f6konomisches Gesetz mit, das sich durchsetzt, einerlei wie auch immer die Unternehmer im ganzen zum Verbrauch geneigt sein m\u00f6gen. <\/p>\n<p>Die Ersparnis der Unternehmer im ganzen ist n\u00e4mlich v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von ihrem Verbrauch. Das klingt paradox, ist aber \u2013 wenigstens in der geschlossenen Wirtschaft \u2013, wie leicht zu zeigen ist, v\u00f6llig gewi\u00df. Wir haben uns nur klarzumachen, wodurch denn das Gesamteinkommen der Unternehmer bestimmt wird. <\/p>\n<p>Das Einkommen der Unternehmer ist ihr Anteil am Sozialprodukt (Nettoprodukt). Dieser Anteil ist der Rest, der nach Abzug des Anteils der Nichtunternehmer vom Gesamtprodukt \u00fcbrig bleibt. Der Anteil der Nichtunternehmer zerf\u00e4llt in zwei Teile, den verbrauchten und den ersparten Teil. <\/p>\n<p>Demnach ergibt sich folgende entwickelte Gleichung f\u00fcr das Unternehmereinkommen, wenn wir ber\u00fccksichtigen, da\u00df das Sozialprodukt ebenfalls zerf\u00e4llt in die beiden Teile: Verbrauch + Neuinvestition:<\/p>\n<p>Unternehmereinkommen = Gesamtverbrauch<br \/>\n\u2013 Verbrauch der Nichtunternehmer<br \/>\n+ Neuinvestition<br \/>\n\u2013 Ersparnis der Nichtunternehmer<\/p>\n<p>oder einfacher:<br \/>\nUnternehmereinkommen = Unternehmerverbrauch + Neuinvestition<br \/>\n\u2013 Ersparnisse von Nichtunternehmern.<\/p>\n<p>(Hierbei ist die H\u00f6he der Ersparnisse der Nichtunternehmer als Nettobetrag verstanden und definiert als Unterschied zwischen Gesamteinkommen der Nichtunternehmer und ihren Gesamtausgaben f\u00fcr den Verbrauch.) Die hier entwickelte Gleichung f\u00fcr das Unternehmereinkommen hat den Charakter einer Bestimmungsgleichung. <\/p>\n<p>Das Unternehmereinkommen wird in seiner H\u00f6he tats\u00e4chlich durch die drei Faktoren:<br \/>\nEigenverbrauch der Unternehmer, Neuinvestition und Ersparnis der Nichtunternehmer bestimmt.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich, da\u00df die Unternehmer, wenn sie mehr verbrauchen, mehr verdienen, w\u00e4hrend die Nichtunternehmer, wenn sie mehr verbrauchen, ihr festgegebenes Einkommen verzehren. Umgekehrt k\u00f6nnen die Unternehmer auch nicht dadurch, da\u00df sie insgesamt weniger konsumieren, mehr sparen, sondern wenn sie insgesamt weniger konsumieren, vermindert sich ihr Einkommen (bei gegebener Produktion).<\/p>\n<p><em>Weiter hier demn\u00e4chst mit <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wilhelm-lautenbach-kapitalbildung-und-sparen-teil-5\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Teil 5<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Auszug aus einem <a href=\"http:\/\/www.saldenmechanik.info\/files\/saldenmechanik\/Lautenbach_-_Kapitalbildung_und_Sparen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vortrag<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lautenbach\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wilhelm Lautenbach<\/a> vom 28. Oktober 1937, gehalten im \u201eVerein zur Bef\u00f6rderung des Gewerbeflei\u00dfes von 1821\u201c \u2013 aus altdeutscher Schrift \u00fcbertragen durch <a href=\"http:\/\/www.saldenmechanik.info\/index.php\/impressum\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">C.G.BRANDSTETTER<\/a>.<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortsetzung von Teil 3: Um die Wechselbeziehungen zwischen Investition, Produktionsvolumen, Einkommen und Verbrauchsquote klarzulegen, will ich zun\u00e4chst auf die Bestimmungsgr\u00fcnde der Verbrauchsquote noch etwas n\u00e4her eingehen. 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