{"id":4515013,"date":"2017-01-20T07:13:52","date_gmt":"2017-01-20T06:13:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=4515013"},"modified":"2025-06-16T08:18:02","modified_gmt":"2025-06-16T06:18:02","slug":"die-zukunft-ist-unsicher-doch-die-vergangenheit-offenbar-ebenso","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-zukunft-ist-unsicher-doch-die-vergangenheit-offenbar-ebenso\/","title":{"rendered":"Die Zukunft ist unsicher, doch die Vergangenheit offenbar ebenso"},"content":{"rendered":"<p>In einer k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.federalreserve.gov\/econresdata\/notes\/feds-notes\/2016\/inflation-perceptions-and-inflation-expectations-20161205.html\" target=\"_blank\">Studie<\/a> zeigten die US-Notenbank-\u00d6konomen <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Alan_Detmeister\" target=\"_blank\">Alan Detmeister<\/a>, <a href=\"https:\/\/llso.uchicago.edu\/person\/david-lebow\" target=\"_blank\">David Lebow<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.federalreserve.gov\/econresdata\/ekaterina-peneva.htm\" target=\"_blank\">Ekaterina Peneva<\/a> neue Umfrageergebnisse zu den Inflations<em>wahrnehmungen<\/em> der Verbraucher. <\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/www.federalreserve.gov\/econresdata\/notes\/feds-notes\/2016\/gifjpg\/detmeister-lebow-peneva-fig1-20161205.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.federalreserve.gov\/econresdata\/notes\/feds-notes\/2016\/gifjpg\/detmeister-lebow-peneva-fig1-20161205.png\" width=\"412\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/a><br \/>\n<em>Inflationswahrnehmungen und -erwartungenin den USA, Februar 2016<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Die bekannte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/University_of_Michigan_Consumer_Sentiment_Index\" target=\"_blank\">Konsumenten-Erhebung der Uni Michigan<\/a> fragt dagegen die Kunden nach ihren Erwartungen zur <em>zuk\u00fcnftigen<\/em> Inflation (im n\u00e4chsten Jahr und in 5 bis 10 Jahren), erkundigt sich aber nicht bei ihnen, wie sich ihrer Ansicht nach die Inflation in den letzten Jahren entwickelt hat.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>In vielen makro\u00f6konomischen Modellen sollten Inflationswahrnehmungen nahezu perfekt sein. Schlie\u00dflich sind Inflationsstatistiken \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich, und jeder sollte in der Lage sein, auf sie zuzugreifen. <\/p>\n<p>Die Federal Reserve beauftragte das Michigan Survey of Consumers Research Center damit, die Verbraucher zu ihren Wahrnehmungen der Inflation im vergangenen Jahr und in den vergangenen 5 bis 10 Jahren zu befragen, mit einer analogen Formulierung dieser Fragen zu den Inflationserwartungen. <\/p>\n<p>Wie man vermuten konnte, fehlte es den Verbrauchern in der j\u00fcngsten Vergangenheit an perfekter Kenntnis der Inflation. Wenn Sie den meisten Menschen  gleichen, (das Lesen eines Wirtschafts-Blogs schlie\u00dft dies jedoch eigentlich definitiv aus!) haben Sie wahrscheinlich ebenso wenig die Inflations-Statistiken oder die letzten Finanznachrichten gelesen.<\/p>\n<p>Aber umso \u00fcberraschender erscheint dann die Tatsache, dass die Konsumenten \u00fcber die Inflation in der Vergangenheit genauso unsicher sind wie \u00fcber die zuk\u00fcnftige Inflation. Dies zeigt sich eindeutig bei einem Blick auf die obigen Darstellungen der Inflationswahrnehmungen und -erwartungen aus den Umfragedaten vom Februar 2016.<\/p>\n<p>Vergleichen Sie Panel A mit Panel C. Panel A zeigt die Inflationswahrnehmungen der Konsumenten in den vergangenen 5 bis 10 Jahren, und Panel C ihre Erwartungen f\u00fcr die n\u00e4chsten 5 bis 10 Jahre. Beide Panels zeigen eine erhebliche Streuung oder eine gro\u00dfe Anzahl an Schwankungen \u00fcber alle Verbraucher hinweg. Aber auch eine H\u00e4ufung von Antworten bei 5% und mehr. In beiden Panels w\u00e4hlte mehr als ein Zehntel der Befragten 5% und auch bei 10% sieht man wesentlich mehr Antworten als bei 9% oder 11%. <\/p>\n<p>In einem <a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2576439\" target=\"_blank\">Arbeitspapier<\/a> wies die amerikanische \u00d6konomin Carola Binder darauf hin, dass diese Anh\u00e4ufungen von Antworten eine hohe Unsicherheit anzeigten. Die von den Verbrauchern gew\u00e4hlten Aussagen von 5%, 10%, 15% usw. deuteten auf eine hohe Ungenauigkeit in ihren Sch\u00e4tzungen der zuk\u00fcnftigen Inflation. Doch zus\u00e4tzlich ist es auch recht erstaunlich, dass mehr Verbraucher die 10, 15, 20 und 25% Antworten bei ihrer Wahrnehmung der vergangenen Inflation als bei den Erwartungen der zuk\u00fcnftigen Inflation w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Die Antworten-H\u00e4ufigkeit bei einem Vielfachen von 5% ist auch f\u00fcr die kurzfristige Inflationswahrnehmung recht betr\u00e4chtlich (Panel B). Ohne Zugriff auf die zugrunde liegenden Daten kann man allerdings nicht sicher sagen, ob diese Annahmen mehr oder weniger weit verbreitet sind im Vergleich zu den Erwartungen \u00fcber die zuk\u00fcnftige kurzfristige Inflation, aber es erscheint schon erw\u00e4hnenswert.<\/p>\n<p>Was sagt uns das? Die Menschen sind sich anscheinend ebenso unsicher \u00fcber die Inflation in der j\u00fcngeren Vergangenheit als \u00fcber die in der nahen bis mittelfristigen Zukunft. Und das sollte den Geldpolitikern etwas Wichtiges mitteilen. Ein Ziel der Federal Reserve ist die Verankerung der mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen bei etwa 2%. Bei stark verankerten Erwartungen sollten dann auch die meisten Annahmen mit geringer Unsicherheit bei nahezu 2% liegen. <\/p>\n<p>Wenn die Menschen sich \u00fcber die l\u00e4ngerfristige Inflation nicht sicher sind, k\u00f6nnte es entweder sein, dass sie sich des Inflationsziels der Fed nicht bewusst sind oder aber es wahrnehmen, ohne davon \u00fcberzeugt zu sein, dass die Fed ihr Ziel auch tats\u00e4chlich erreichen wird. <\/p>\n<p>Es ist schwer zu sagen, was dabei tats\u00e4chlich der Fall ist. Ersteres bedeutet, dass wir mehr \u00f6ffentliche Aufkl\u00e4rung \u00fcber \u00f6konomische Konzepte und die Fed ben\u00f6tigen, w\u00e4hrend letzteres darauf hinweisen w\u00fcrde, dass die Fed ihre Glaubw\u00fcrdigkeit unter einer bereits informierten \u00d6ffentlichkeit verbessern muss. <\/p>\n<p>Da die Wahrnehmungen etwa so unsicher sind wie die Erwartungen, unterst\u00fctzt dies die Vorstellung, dass die Menschen schlicht nur uninformiert \u00fcber die Inflation sind &#8211; oder dass die Erinnerung an die Wirtschaftsstatistiken relativ schlecht ist.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"http:\/\/carolabinder.blogspot.de\/2016\/12\/the-future-is-uncertain-but-so-is-past.html\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> der amerikanischen \u00d6konomin <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/carolabindereconomics\/\" target=\"_blank\">Carola Binder<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Studie zeigten die US-Notenbank-\u00d6konomen Alan Detmeister, David Lebow und Ekaterina Peneva neue Umfrageergebnisse zu den Inflationswahrnehmungen der Verbraucher. 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