{"id":4344394,"date":"2016-12-20T07:32:08","date_gmt":"2016-12-20T06:32:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=4344394"},"modified":"2026-03-11T11:48:00","modified_gmt":"2026-03-11T10:48:00","slug":"fuer-marx-bedeutete-wettbewerb-nicht-den-vollkommenen-wettbewerb-der-neoklassiker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/fuer-marx-bedeutete-wettbewerb-nicht-den-vollkommenen-wettbewerb-der-neoklassiker\/","title":{"rendered":"F\u00fcr Marx bedeutete Wettbewerb nicht den vollkommenen Wettbewerb der Neoklassiker"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal wird die Vermutung ge\u00e4u\u00dfert, dass die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marxistische_Wirtschaftstheorie\" target=\"_blank\">Theorie<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Marx\" target=\"_blank\">Karl Marx<\/a> m\u00f6glicherweise auf eine fr\u00fchere, wettbewerbsf\u00e4hige Version des Kapitalismus anwendbar gewesen sei, aber f\u00fcr die \u00c4ra des &#8222;Monopolkapitalismus&#8220;, in dem wir heute leben sollen, wenig relevant w\u00e4re. <\/p>\n<p><Center><a title=\"Karl Marx Monument von self [GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/) oder CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AChemnitz-Marx-Monument.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"312\" alt=\"Chemnitz-Marx-Monument\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/8\/8c\/Chemnitz-Marx-Monument.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Karl-Marx-Monument in Chemnitz<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Diese Ansicht ergibt sich aus der Verwechslung von &#8222;Wettbewerb&#8220; bei Marx &#8211; und generell auch in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Klassische_National%C3%B6konomie\" target=\"_blank\">klassischen politischen \u00d6konomie<\/a> &#8211; mit dem neoklassischen <a href=\"http:\/\/www.rechnungswesen-verstehen.de\/bwl-vwl\/vwl\/vollkommener-wettbewerb.php\" target=\"_blank\">&#8222;vollkommenen Wettbewerb&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Wettbewerb bei Marx (und den Klassikern) bedeutet freien Verkehr von Investitionsstr\u00f6men in und aus den Sektoren auf der Suche nach der h\u00f6chsten Rendite. Das ist alles, was man ben\u00f6tigt. Es gibt keine Annahmen wie etwa viele kleine Unternehmen oder spezielle Preisvorgaben.<\/p>\n<p>F\u00fcr Marx und die Klassiker erf\u00fcllt die Bewegungsfreiheit der Investition hin zum h\u00f6chstm\u00f6glichen Profit die Bedingung f\u00fcr Wettbewerb und gleichzeitig die Tendenz (die allerdings aktuell auch unter Wettbewerbsbedingungen nie realisiert werden w\u00fcrde) zum Ausgleich der Renditen quer \u00fcber alle Sektoren. Nach dem Kriterium der Kapitalmobilit\u00e4t ist der Kapitalismus seit Marx&#8216; Tagen demnach noch konkurrenzf\u00e4higer geworden und nicht weniger.<\/p>\n<p>Die Tendenz zum Ausgleich der Renditen wird in dem Ausma\u00df gehemmt, in dem es Monopole oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rente_(Wirtschaft)\" target=\"_blank\">Renten<\/a> gibt. Monopol und Rente entstehen, wenn die Investitionsstr\u00f6me in gewisser Weise eingeschr\u00e4nkt sind. Wenn aus irgendeinem Grund ein Hindernis f\u00fcr zus\u00e4tzliche Investitionen besteht, in einen High-Return-Sektor zu flie\u00dfen, werden \u00fcberdurchschnittliche Gewinne andauern, solange und bis diese Barriere entfernt wird.<\/p>\n<p>Der Wettbewerbsdruck kann dazu f\u00fchren, dass ein Monopol oder eine Rente im Laufe der Zeit abgebaut wird, aber in der Zwischenzeit wird es in einigen Sektoren eine \u00fcberdurchschnittliche Rentabilit\u00e4t geben. Und neue F\u00e4lle von Monopolen oder Renten k\u00f6nnen entstehen, wenn die alten verschwunden sind.<\/p>\n<p>Es gab nie einen fr\u00fchen Kapitalismus, in dem alles v\u00f6llig konkurrenzf\u00e4hig war, sei es im Sinne von Marx oder im neoklassischen Sinne. Marx f\u00fchrte ein solches Argument nie an. Er argumentierte stattdessen, dass der Gesamt\u00fcberschuss nur von der H\u00f6he der \u00fcbersch\u00fcssigen Arbeit abh\u00e4nge, und dass alle \u00fcberdurchschnittlichen Gewinne, die in einigen Sektoren aufgrund des Monopols oder der Renten gezahlt werden, auf Kosten niedrigerer Gewinne in anderen Sektoren entstehen, wobei der Gesamtgewinn nicht betroffen ist. Es w\u00fcrde einfach eine unterschiedliche Verteilung des Gesamtgewinns innerhalb der Industrien geben.<\/p>\n<p>Es ist nicht einmal eine Frage, ob sich &#8222;der Kapitalismus ver\u00e4ndert habe&#8220;, so dass die Analyse von Marx weniger relevant geworden w\u00e4re. In dem Ma\u00dfe, in dem der Wettbewerb herrscht, gilt die Analyse des Wettbewerbs von Marx, und in dem Ma\u00dfe, in dem es Monopol und Renten gibt, gelten seine Monopol- und Rentenanalysen. Das war im fr\u00fchen Kapitalismus der Fall, und das ist heute immer noch so.<\/p>\n<p>Das alles bedeutet nat\u00fcrlich nicht notwendigerweise, dass Marx unbedingt recht hatte. Es hei\u00dft nur, da\u00df die Anwendbarkeit seiner Analyse nicht von dem Grad der Konkurrenz abh\u00e4ngt, die auf einer bestimmten Stufe des Kapitalismus herrscht.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"http:\/\/heteconomist.com\/competition-for-marx-was-not-neoclassical-perfect-competition\/\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des australischen \u00d6konomen Peter Cooper)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal wird die Vermutung ge\u00e4u\u00dfert, dass die Theorie von Karl Marx m\u00f6glicherweise auf eine fr\u00fchere, wettbewerbsf\u00e4hige Version des Kapitalismus anwendbar gewesen sei, aber f\u00fcr die \u00c4ra des &#8222;Monopolkapitalismus&#8220;, in dem wir heute leben sollen, wenig relevant w\u00e4re. Karl-Marx-Monument in Chemnitz<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[27,44,18],"class_list":["post-4344394","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-investition","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4344394","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4344394"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4344394\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24398461,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4344394\/revisions\/24398461"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4344394"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4344394"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4344394"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}