{"id":3935319,"date":"2017-03-12T07:00:49","date_gmt":"2017-03-12T06:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=3935319"},"modified":"2021-04-27T16:42:06","modified_gmt":"2021-04-27T14:42:06","slug":"35-jahre-falscher-wirtschaftspolitik-anhand-einer-grafik-erklaert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/35-jahre-falscher-wirtschaftspolitik-anhand-einer-grafik-erklaert\/","title":{"rendered":"35 Jahre falscher Wirtschaftspolitik anhand einer Grafik erkl\u00e4rt"},"content":{"rendered":"<p><Center><a href=\"https:\/\/www.maskenfall.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Prod-Lohn-1970-2013.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.maskenfall.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Prod-Lohn-1970-2013.png\" width=\"530\" alt=\"\" \/><\/a><\/Center><br \/>\nSeit 1982 blieben die L\u00f6hne in Deutschland fast durchweg hinter der Produktivit\u00e4t zur\u00fcck, die Auswirkungen der Agenda 2010 verst\u00e4rkten diesen Trend sp\u00e4ter noch.  Keine Bundes-regierung hat seitdem aktiv gegen diese Entwicklung gearbeitet. Schon unter Helmut Kohl (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_deutschen_Bundesregierungen#1982.E2.80.931998:_Kohl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kabinette Kohl I bis V<\/a>) ging es vielmehr haupts\u00e4chlich darum, mit den Gewerkschaften m\u00f6glichst &#8222;moderate&#8220; Lohnsteigerungen auszuhandeln bzw. die &#8222;Produktivit\u00e4t f\u00fcr die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen zu reservieren&#8220;. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_deutschen_Bundesregierungen#1998.E2.80.932005:_Schr.C3.B6der\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regierung Schr\u00f6der<\/a> setzte diese Str\u00f6mung trotz weiter steigender Erwerbslosigkeit mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B%C3%BCndnis_f%C3%BCr_Arbeit,_Ausbildung_und_Wettbewerbsf%C3%A4higkeit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">B\u00fcndnis f\u00fcr Arbeit<\/a> nahtlos fort, und lie\u00df sie schlie\u00dflich in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Agenda_2010\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Agenda 2010<\/a> gipfeln. Au\u00dfer bei einigen hom\u00f6opathischen Minieingriffen verfolgten die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_deutschen_Bundesregierungen#2005_.E2.80.93_heute:_Merkel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Merkel-Kabinette<\/a> diese Politik weiter und pr\u00e4gten dabei nicht nur die Bew\u00e4ltigung der Euro-Krise entscheidend.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Die Agenda 2010 und die Hartz-Reformen, die weiterhin als Erfolgsmodell ausgegeben werden, sind das Resultat einer langj\u00e4hrigen Umdeutung der \u00f6konomischen Wirklichkeit.<br \/>\nDie \u00f6konomischen und ideologischen Konsequenzen wirken mittlerweile folgenschwer auf ganz Europa.<br \/>\nEine Wende braucht es vornehmlich in den K\u00f6pfen.<\/strong><br \/>\n<em><a href=\"http:\/\/www.maskenfall.de\/?p=11108\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Agenda 2010 und der eigentliche Ort notwendiger Reformen<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcber die Auswirkungen einer solch falschen Wirtschaftspolitik auf die Europ\u00e4ische Union schreibt u. a. Heiner Flassbeck unerm\u00fcdlich:<\/p>\n<blockquote><p>&#8230;Denn die ganze Volkswirtschaft ist ja auf ihre existierenden Verh\u00e4ltnisse angewiesen: Sie kann sich einfach nicht mehr leisten, als sie selbst produziert, jedenfalls dann, wenn sie keine Hilfe von au\u00dfen bekommt.<\/p>\n<p>Insofern entsprechen sich Produktivit\u00e4t der Arbeit und Lohniveau in der Regel recht gut, was wiederum hei\u00dft, dass die sogenannten Lohnst\u00fcckkosten (also die Arbeitskosten pro Stunde im Vergleich zur Gesamtleistung von Arbeit \u2013 kombiniert mit Kapital \u2013 pro Stunde)&#8230; zwischen den L\u00e4ndern gleich hoch sein k\u00f6nnen, egal ob es sich um arme oder um reiche Volkswirtschaften handelt. <\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeit im internationalen Handel ergibt sich daraus, dass jedes Land zwar real (also in G\u00fctern gemessen) nicht mehr verbrauchen sollte, als es produziert, dass genau das aber immer wieder in unterschiedlichem Ma\u00dfe versucht wird und daraus unterschiedlich hohe Inflationsraten entstehen.<\/p>\n<p>Die im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern h\u00f6here Inflationsrate ist aber, wenn sonst nichts geschieht, ein Hindernis ersten Ranges f\u00fcr einen ausgeglichenen internationalen Handel. Auseinanderstrebende Preisniveaus bedeuten n\u00e4mlich, dass in einem Land alle Unternehmen h\u00f6here Preise verlangen m\u00fcssen als die Unternehmen in einem anderen Land. <\/p>\n<p>Das Land mit der h\u00f6heren Inflationsrate wertet, wie es manchmal genannt wird, real auf, d.h., es verliert an Wettbewerbsf\u00e4higkeit, weil seine Produkte zu teuer geworden sind im Vergleich zu den Produkten der ausl\u00e4ndischen Mitbewerber. Bleibt ein auch nur kleiner j\u00e4hrlicher Inflationsunterschied gegen\u00fcber den Handelspartnerl\u00e4ndern \u00fcber l\u00e4ngere Zeit bestehen, kumuliert sich die Abweichung der Preisniveaus sehr rasch zu einer gro\u00dfen L\u00fccke in der Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nIn einer W\u00e4hrungsunion ist eine solche L\u00fccke dagegen ein fast un\u00fcberwindliches Problem, weil die L\u00e4nder, die zu hohe L\u00f6hne haben, ihre L\u00f6hne senken m\u00fcssten, um auf das niedrigere Preisniveau der ausl\u00e4ndischen Konkurrenz zu gelangen. Da man aber nicht nur die L\u00f6hne der im Au\u00dfenhandel (also Export und Importsubstitution) Besch\u00e4ftigten senken kann, muss das gesamte Lohnniveau sinken, was die Binnenkonjunktur schwer sch\u00e4digt&#8230;<\/p>\n<p>Die deutsche Lohnsteigerung war zu moderat, um f\u00fcr alle Mitgliedsl\u00e4nder der EWU die Voraussetzung f\u00fcr erfolgreichen Au\u00dfenhandel zu schaffen. Nur wenn alle erfolgreich sein k\u00f6nnen, kann aber auch eine solche Gemeinschaft insgesamt erfolgreich sein.<\/p>\n<p>Wenn nun alle dem deutschen Beispiel folgen, f\u00fchrt das eindeutig zu Deflation f\u00fcr alle, l\u00f6st aber das Problem, das die Eurokrise ausmacht, nicht. Lohnsenkung in allen L\u00e4ndern au\u00dfer Deutschland bedeutet Depression bei der Binnennachfrage in all diesen L\u00e4ndern. Das auszugleichen w\u00fcrde selbst einem Deutschland nicht gelingen, das seine Wirtschaftspolitik vollst\u00e4ndig umstellt und auf heimische Expansion setzt. <\/p>\n<p>Bleibt Deutschland bei seiner Linie, auf den Export zu bauen, ist der Versuch der anderen, das Gleiche zu tun, von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Man muss es immer wieder sagen: Der Schl\u00fcssel zur L\u00f6sung der Eurokrise liegt in der Hand Deutschlands und nicht in den H\u00e4nden der kleinen L\u00e4nder, die verzweifelt versuchen, sich an die Auflagen der Troika zu halten, und doch niemals erfolgreich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/produktivitat-und-lohne-pro-stunde-worum-es-innerhalb-und-ausserhalb-einer-wahrungsunion-geht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Produktivit\u00e4t und L\u00f6hne pro Stunde \u2013 worum es innerhalb und au\u00dferhalb einer W\u00e4hrungsunion geht<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1982 blieben die L\u00f6hne in Deutschland fast durchweg hinter der Produktivit\u00e4t zur\u00fcck, die Auswirkungen der Agenda 2010 verst\u00e4rkten diesen Trend sp\u00e4ter noch. Keine Bundes-regierung hat seitdem aktiv gegen diese Entwicklung gearbeitet. 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