{"id":3855439,"date":"2016-08-29T07:32:13","date_gmt":"2016-08-29T05:32:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=3855439"},"modified":"2021-09-07T11:08:08","modified_gmt":"2021-09-07T09:08:08","slug":"warum-eine-etwas-hoehere-inflation-der-wirtschaft-zugute-kaeme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/warum-eine-etwas-hoehere-inflation-der-wirtschaft-zugute-kaeme\/","title":{"rendered":"Warum eine etwas h\u00f6here Inflation der Wirtschaft zugute k\u00e4me"},"content":{"rendered":"<p>Sowohl die amerikanische Federal Reserve als auch die Europ\u00e4ische Zentralbank haben in den letzten vier bzw. drei Jahren ihre Inflationsziele von knapp unter <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/graph\/fredgraph.png?g=6BFR\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zwei Prozent<\/a> entgegen ihren eigenen Vorgaben nicht mehr erreicht.<\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/156285\/umfrage\/entwicklung-der-inflationsrate-in-der-eu-und-der-eurozone\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/de.statista.com\/graphic\/1\/156285\/entwicklung-der-inflationsrate-in-der-eu-und-der-eurozone.jpg\" alt=\"Statistik: Europ\u00e4ische Union &#038; Euro-Zone: Inflationsrate von 2005 bis 2015 (gegen\u00fcber dem Vorjahr) | Statista\" style=\"width: 60%; height: auto !important; max-width:1000px;-ms-interpolation-mode: bicubic;\"\/><\/a><br \/><em>Mehr Statistiken finden Sie bei <a href=\"https:\/\/de.statista.com\">Statista<\/a><\/em><\/center><\/p>\n<p>Nachdem sich inzwischen die Leizinss\u00e4tze beider Zentralbanken nahe Null Prozent bewegen, w\u00e4re es vielleicht an der Zeit, neu \u00fcber die H\u00f6he der Zielraten nachzudenken. Warum nicht f\u00fcr eine etwas h\u00f6here Inflationsrate pl\u00e4dieren, sagen wir so um die <a href=\"http:\/\/voxeu.org\/article\/case-4-inflation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">4 Prozent<\/a>? Damit k\u00f6nnten die inflationsbereinigten Zinsen noch weiter unter Null sinken, um das Wirtschaftswachstum auch in einem zuk\u00fcnftigen Abschwung steigern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Ein Grund, warum dies ein Problem sein k\u00f6nnte, d\u00fcrfte letztlich die Aussage vieler Modelle der US-\u00d6konomie darstellen, dass eine h\u00f6here Inflation enorme verzerrende Probleme mit sich bringen w\u00fcrde. Einer der st\u00e4rksten potenziellen Kostenfaktoren, die Streuung von Preisen, entsteht nach Darstellung des \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/view\/articles\/2016-07-14\/overcoming-our-inordinate-fear-of-inflation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Noah Smith auf Bloomberg.com<\/a>, &#8222;wenn die Unternehmen ihre Preise \u00e4ndern wollen, dies aber aus irgendeinem Grund nicht k\u00f6nnen, weil dann die Inflation die Preise verf\u00e4lscht und so f\u00fcr eine abnehmende wirtschaftliche Effizienz sorgt.&#8220; <\/p>\n<p>Ein <a href=\"http:\/\/www.nber.org\/papers\/w22505\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">neues Arbeitspapier<\/a> untersuchte dagegen die  bisherigen Erfahrungen mit diesen potenziellen inflationsbedingten  Ineffizienzen in Perioden hoher Inflation und legte Nachweise daf\u00fcr vor, dass diese Furcht m\u00f6glicherweise \u00fcbertrieben sei.<\/p>\n<p>Die \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Emi_Nakamura\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Emi Nakamura<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.econ.berkeley.edu\/profile\/013121396\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jon Steinsson<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.columbia.edu\/~dv2173\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Daniel Villar<\/a> von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Columbia_University\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Columbia University<\/a> und <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/patrickksun\/curriculum-vitae\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Patrick Sun<\/a> von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Federal_Communications_Commission\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Federal Communications Commission<\/a> stellten ein brandneues Daten-Set zur Inflation vor, bevor sie auf die eminent wichtige Frage zu den Kosten der Inflation eingingen. <\/p>\n<p>Die Wirtschaftswissenschaftler erstellten gewissenhaft einen Datensatz zu individuellen Preis\u00e4nderungen anhand alter Daten des <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Bureau_of_Labor_Statistics\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">US-Bureau of Labor Statistics<\/a>. Diese Befunde erlaubten es den Forschern zu erkennen, wie sich die Preise in den sp\u00e4ten 1970er und fr\u00fchen 1980er Jahre ver\u00e4ndert hatten, einer <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/graph\/fredgraph.png?g=6BML\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00c4ra der hohen Inflation nicht nur in den Vereinigten Staaten<\/a>.<\/p>\n<p>Um festzustellen, inwieweit die Inflation die Preisbildung  beeinflussen und die Preisstreuung erh\u00f6hen k\u00f6nnte, betrachten die vier \u00d6konomen die absolute Gr\u00f6\u00dfe der Preiserh\u00f6hung und ihr Verh\u00e4ltnis zum Tempo der Inflation. Wenn die Preise um einen gr\u00f6\u00dferen Betrag ansteigen, dann erh\u00f6ht sich auch die Preisstreuung  mit der Inflation und damit w\u00fcrde eine h\u00f6here Inflation die Effizienz reduzieren. <\/p>\n<p>Doch Nakamura, Steinsson, Sun und Villar finden heraus, dass die absoluten Preis\u00e4nderungen gar nicht so viel schwanken, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von der Inflationsrate. Dies bedeutet aber, dass h\u00f6here Inflationsraten nicht unbedingt mehr Preisstreuung verursachen.<\/p>\n<p>Dagegen entdecken die vier \u00d6konomen, dass Preissteigerungen h\u00e4ufiger auftreten, wenn die Inflation insgesamt h\u00f6her ist, was das Vertrauen in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Speisekarteneffekt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Menu-Cost&#8220;<\/a>-Modelle zur Preisanpassung oder in Modelle, in denen die Unternehmen nicht so einfach die Preise \u00e4ndern k\u00f6nnen enorm verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Auch wenn demnach also eine haupts\u00e4chliche Quelle f\u00fcr die Kosten der Inflation in den f\u00fchrenden Modellen nicht aus den Daten ersichtlich ist, so sollten \u00d6konomen und politische Entscheidungstr\u00e4ger m\u00f6glicherweise trotzdem ihre Hingabe an Inflationsraten von nahe Null \u00fcberdenken. <\/p>\n<p>Zehn Prozent Inflation sind sicherlich zu hoch, doch eine Rate von <a href=\"http:\/\/voxeu.org\/article\/case-4-inflation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">vier Prozent<\/a> scheint in der Vergangenheit durchaus im Einklang mit einer stetigen wirtschaftlichen Entwicklung gewesen zu sein, wie etwa in den 1980er Jahren, ebenso wie eine Geldpolitik mit mehr Feuerkraft in einer Zeit niedriger Zinsen.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung und Erweiterung eines <a href=\"http:\/\/equitablegrowth.org\/equitablog\/why-inflation-might-help-the-u-s-economy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blogbeitrages<\/a> des amerikanischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/equitablegrowth.org\/people\/nick-bunker\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nick Bunker<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sowohl die amerikanische Federal Reserve als auch die Europ\u00e4ische Zentralbank haben in den letzten vier bzw. drei Jahren ihre Inflationsziele von knapp unter zwei Prozent entgegen ihren eigenen Vorgaben nicht mehr erreicht. 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