{"id":2998459,"date":"2016-04-15T07:13:18","date_gmt":"2016-04-15T05:13:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=2998459"},"modified":"2016-04-15T07:13:18","modified_gmt":"2016-04-15T05:13:18","slug":"stahlindustrie-subventionen-dank-kostenloser-klimazertifikate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/stahlindustrie-subventionen-dank-kostenloser-klimazertifikate\/","title":{"rendered":"Stahlindustrie: Subventionen dank kostenloser Klimazertifikate"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong>Auf der anderen Seite drohen den Herstellern Mehrkosten in Milliardenh\u00f6he durch die geplante Neuregelung des Emissionsrechtehandels. Der Reformvorschlag der EU-Kommission f\u00fcr die sogenannte vierte Handelsperiode ab dem Jahr 2021 sieht vor, die Grenzwerte f\u00fcr den CO2-Aussto\u00df abzusenken und gleichzeitig die Zahl der verf\u00fcgbaren industriellen Verschmutzungsrechte zu verknappen.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article154239745\/Diese-seltene-Allianz-soll-die-Stahlindustrie-retten.html\" target=\"_blank\">Die Welt: Diese seltene Allianz soll die Stahlindustrie retten<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><Center><a title=\"Stahlerzeugung in den H\u00fcttenwerken Krupp Mannesmann von Rainer Halama (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AHKM116409.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"312\" alt=\"HKM116409\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/2\/21\/HKM116409.jpg\/512px-HKM116409.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>Stahlerzeugung in den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/H%C3%BCttenwerke_Krupp_Mannesmann\" target=\"_blank\">H\u00fcttenwerken Krupp Mannesmann<\/a> in Duisburg-H\u00fcttenheim<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Das liest sich erst einmal so, als h\u00e4tten die Stahlkonzerne bis dato schon jede Menge Kohle f\u00fcr den Klimaschutz bezahlen m\u00fcssen. Es ist jedoch eher das Gegenteil. Bisher bekamen die Stahlunternehmen in den vorherigen Handelsperioden kostenlose Zertifikate. Zuletzt sogar mehr, als sie eigentlich ben\u00f6tigten, und diese konnten dann noch verkauft werden.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Eine niederl\u00e4ndische Studie (<a href=\"http:\/\/www.cedelft.eu\/publicatie\/calculation_of_additional_profits_of_sectors_and_firms_from_the_eu_ets\/1763\" target=\"_blank\">siehe pdf-Datei rechts im Link<\/a>) kam f\u00fcr Deutschland im Zeitraum 2008-2014 zu folgendem Ergebnis (s. S. 43):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ThyssenKrupp\" target=\"_blank\">ThyssenKrupp<\/a>: + 890 Mio. \u20ac<br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Salzgitter_AG\" target=\"_blank\">Salzgitter AG<\/a>: + 360 Mio. \u20ac<br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ArcelorMittal\" target=\"_blank\">ArcelorMittal<\/a> (deutsche Standorte): + 660 Mio. \u20ac<br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/H%C3%BCttenwerke_Krupp_Mannesmann\" target=\"_blank\">Krupp Mannesmann<\/a>: + 460 Mio. \u20ac<\/p>\n<p>Auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tata_Steel\" target=\"_blank\">Tata Europe<\/a> in Gro\u00dfbritannien kommt auf 500 Mio. \u20ac Einnahmen in dieser Zeitspanne aus dem Handel mit Klimazertifikaten.<\/p>\n<p>Der von der Stahlindustrie gerne verschwiegene Teil der Wahrheit ist n\u00e4mlich, dass es bislang keine Belastungen durch die EU-Klimapolitik gab, sondern dieser eher als eine Art Subventionierung der europ\u00e4ischen Stahlbranche diente.<\/p>\n<p>Ausz\u00fcge aus der Studie:<\/p>\n<blockquote><p>\n<b>9 Deutschland <\/b>(S. 41)<\/p>\n<p>9.1 Allgemeine Beschreibung<\/p>\n<p>Die gepr\u00fcften Emissionen in Deutschland aus industriellen Quellen wurden zumeist von der Eisen- und Stahlindustrie erzeugt, gefolgt von den Raffinerien und dem Zementsektor. <\/p>\n<p>Die Eisen- und Stahlindustrie ist f\u00fcr fast 30% der gesamten von Deutschland im Rahmen des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/EU-Emissionshandel\" target=\"_blank\">EU ETS<\/a> verifizierten CO2-Emissionen zwischen 2008-2014 verantwortlich. <\/p>\n<p>Zw\u00f6lf von f\u00fcnfzehn der untersuchten Sektoren haben von der Zuteilung von Emissionszertifikaten in Deutschland profitiert. Insgesamt wurden in Deutschland zwischen 2008 bis 2014  mehr als 165 Millionen Zertifikate f\u00fcr die Industrie oberhalb der Nachfrage mit einem Nettowert von ca. einer Milliarde EUR emittiert. <\/p>\n<p>In absoluten Gr\u00f6\u00dfen wurden die gr\u00f6\u00dften Gewinne aus dieser \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Zuteilung in der Eisen- und Stahlindustrie generiert.<br \/>\n&#8230;<\/p>\n<p><b>Zusammenfassung:<\/b> (S. 2)<br \/>\nDiese Studie hat die zus\u00e4tzlichen Gewinne berechnet, die die Sektoren und Unternehmen aus dem EU-ETS zwischen 2008-2014 gemacht haben, aufgeteilt in drei verschiedene Arten von Profiten:<\/p>\n<p>1. Profite aufgrund der kostenlosen Zuteilung von Emissionszertifikaten. In vielen Branchen\/L\u00e4ndern wurden kostenlose Zertifikate \u00fcber die ermittelten Emissionen hinaus gew\u00e4hrt, so dass diese Branchen zus\u00e4tzliche Gewinne erzielen konnten, indem Sie diesen \u00dcberschuss auf dem Markt verkauften.<\/p>\n<p>2. Profite durch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mechanismus_f%C3%BCr_umweltvertr%C3%A4gliche_Entwicklung\" target=\"_blank\">CDM<\/a>\/<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gemeinschaftsreduktion\" target=\"_blank\">JI<\/a>-Reduktionsverpflichtungen. Viele Unternehmen durften diese CDM\/JI-Zertifikate bis zu einem gewissen Grad billiger erwerben. Dies sorgte f\u00fcr zus\u00e4tzliche Gewinne, da viele Unternehmen ihre \u00fcberfl\u00fcssigen Zertifikate aus diesen Ma\u00dfnahmen frei auf dem ETS-Markt verkaufen konnten.<\/p>\n<p>3. Profite durch die Weitergabe der Opportunit\u00e4tskosten der umsonst erhaltenen Zertifikate. Es gibt gen\u00fcgend empirische Belege daf\u00fcr, dass Unternehmen (teilweise) in der Lage gewesen sind, diese CO2-Kosten in die Produktpreise weiterzugeben. Obwohl die Zertifikate kostenlos gew\u00e4hrt wurden, war die Mehrheit der Sektoren somit in der Lage die Opportunit\u00e4tskosten dieser Zertifikate auf die Preise aufzuschlagen wodurch so genannte Windfall-Profite entstanden.<\/p>\n<p>Die Gewinne in jeder dieser Kategorien von 2008-2014 wurden f\u00fcr 15 Sektoren (in der Regel die, die die st\u00e4rksten Verschmutzungen erzeugen) in 19 L\u00e4ndern berechnet. Die Analyse in dieser Studie unterscheidet sich von fr\u00fcheren Studien zu diesem Thema durch die Korrektur der Zuteilung von Abgasen der Eisen- und Stahlindustrie, die auf statistischer Basis an den Stromsektor \u00fcbertragen wurden. Aus unserer Sicht ergibt sich eine genauere Absch\u00e4tzung des Ausma\u00dfes der \u00dcberzuteilung an die Eisen- und Stahlindustrie im Vergleich zu anderen Studien.<\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.cedelft.eu\/?go=home.downloadPub&#038;id=1763&#038;file=CE_Delft_7H44_Calculation_additional_profits_EU_ETS_FINAL.pdf\" target=\"_blank\">CE Delft: Calculation of additional profits of sectors and firms from the EU ETS<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn Tata jetzt ein britisches Stahlwerk schlie\u00dfen m\u00f6chte, dann nicht wegen der EU-Klimapolitik, sondern trotz der dadurch erzielten Einnahmen. Die Probleme m\u00fcssen daher ganz woanders entstanden sein. <\/p>\n<p>Die Chinesen antworten vielmehr mit Subventionen bzw. Z\u00f6llen ihrerseits auf Subventionen und <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/eu-china-stahl-einfuhrzoelle-101.html\" target=\"_blank\">Handelserschwernisse<\/a> der EU und umgekehrt. Da ist dann nat\u00fcrlich immer der andere Schuld. <\/p>\n<p>Aber es ist nat\u00fcrlich einfacher, auf die b\u00f6sen, b\u00f6sen Chinesen zu zeigen, anstatt dar\u00fcber nachzudenken, wo denn die \u00dcberkapazit\u00e4ten in der Stahlbranche weltweit \u00fcberhaupt herkommen und welche Rolle dabei Europa und seine Weigerung eine Politik der Nachfragesteigerung zu betreiben spielt. Im Gefolge der Eurokrise stagniert die Wirtschaftsleistung der EU nunmehr seit Jahren und so tragen auch die europ\u00e4ischen Staaten aufgrund ihrer Sparpolitik indirekt zu den chinesischen \u00dcberkapazit\u00e4ten mit bei. <\/p>\n<p>Und mit wirklichem Freihandel hat das Ganze schon rein gar nichts mehr zu tun. Auch Heiner Flassbeck hatte bereits vor einiger Zeit mehrfach auf die scheinheiligen F\u00f6rderer des <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/freihandel-ueber-alles-aber-kein-dumping-stahl-aus-china\/\" target=\"_blank\">&#8222;Freihandels \u00fcber alles&#8220;<\/a> hierzulande <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/stahlindustrie-deutsche-loehne-steigen-auch-2016-kaum-aber-china-betreibt-dumping\/\" target=\"_blank\">hingewiesen<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der anderen Seite drohen den Herstellern Mehrkosten in Milliardenh\u00f6he durch die geplante Neuregelung des Emissionsrechtehandels. 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