{"id":2893414,"date":"2016-04-18T08:47:42","date_gmt":"2016-04-18T06:47:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=2893414"},"modified":"2016-04-18T08:48:40","modified_gmt":"2016-04-18T06:48:40","slug":"die-logik-und-das-heckscher-ohlin-samuelson-modell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-logik-und-das-heckscher-ohlin-samuelson-modell\/","title":{"rendered":"Die Logik und das Heckscher-Ohlin-Samuelson-Modell"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 1817 pr\u00e4sentierte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Ricardo\" target=\"_blank\">David Ricardo<\/a> in den <a href=\"http:\/\/digital.ub.uni-duesseldorf.de\/urn\/urn:nbn:de:hbz:061:1-74831\" target=\"_blank\">Grunds\u00e4tzen der politischen \u00d6konomie<\/a> eine Theorie, die darlegen sollte, weshalb L\u00e4nder miteinander handeln und, basierend auf dem <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/das-konzept-der-opportunitaetskosten\/\" target=\"_blank\">Konzept der Opportunit\u00e4tskosten<\/a>, wie das Verh\u00e4ltnis von Export und Import von L\u00e4ndern bestimmt wird die Waren ausf\u00fchren, bei denen sie einen komparativen Vorteil besitzen und Waren importieren, bei denen sie einen komparativen Nachteil haben.<\/p>\n<p><Center><a title=\"Heckscher-Ohlin-Modell: 2-G\u00fcter-Welt von WissensD\u00fcrster (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AHeckscher-Ohlin_3.svg\"><img decoding=\"async\" width=\"256\" alt=\"Heckscher-Ohlin 3\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/c\/cb\/Heckscher-Ohlin_3.svg\/512px-Heckscher-Ohlin_3.svg.png\"\/><\/a><br \/>\n<em>Heckscher-Ohlin-Modell: 2-G\u00fcter-Welt. Transformationskurven zweier L\u00e4nder mit unterschiedlicher Faktorausstattung und deren optimale Autarkiel\u00f6sungen.<\/em><\/Center><\/p>\n<p>Ricardos <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Komparativer_Kostenvorteil\" target=\"_blank\">Theorie der komparativen Kostenvorteile<\/a> erkl\u00e4rte allerdings nicht, <strong><em>wie<\/em><\/strong> der komparative Vorteil \u00fcberhaupt zustande kommen sollte und <strong><em>warum<\/em><\/strong> er dann so ausf\u00e4llt wie angenommen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts pr\u00e4sentierten daher zwei schwedische \u00d6konomen &#8211; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eli_Heckscher\" target=\"_blank\">Eli Heckscher<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bertil_Ohlin\" target=\"_blank\">Bertil Ohlin<\/a> &#8211; ein eigenes <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heckscher-Ohlin-Modell\" target=\"_blank\">Modell<\/a>, nach dem die komparativen Vorteile aus Unterschieden in den Faktorausstattungen zwischen den L\u00e4ndern entstehen sollen. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>L\u00e4nder haben einen komparativen Kostenvorteil bei der Herstellung von Waren, die Produktionsfaktoren verbrauchen, die in diesen Staaten am h\u00e4ufigsten vorkommen. Diese L\u00e4nder w\u00fcrden vor allem Waren exportieren, die die reichlich vorhandenen Produktionsfaktoren nutzen und solche Waren importieren, deren Produktionsfaktoren relativ knapp seien.<\/p>\n<p>Das Heckscher-Ohlin-Theorem &#8211; ebenso wie seine Erweiterungen durch z.B. Vanek, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_F._Stolper\" target=\"_blank\">Stolper<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_A._Samuelson\" target=\"_blank\">Samuelson<\/a> &#8211; baut auf einer Reihe von restriktiven und unrealistischen Annahmen auf. Von entscheidender Bedeutung sind dabei &#8211; neben den \u00fcblichen marktr\u00e4umenden Gleichgewichtsannahmen &#8211; folgende:<\/p>\n<p>(1) Die L\u00e4nder verwenden identische Produktionstechnologien.<\/p>\n<p>(2) Die Herstellung erfolgt mit einer Technologie der konstanten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Skalenertrag\" target=\"_blank\">Skalenertr\u00e4ge<\/a>.<\/p>\n<p>(3) In den L\u00e4ndern ist die Austauschbarkeit der Produktionsfaktoren mehr oder weniger unendlich.<\/p>\n<p>(4) Die Faktor-Preise sind immer ausgeglichen (die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stolper-Samuelson-Theorem\" target=\"_blank\">Stolper-Samuelson-Erweiterung<\/a> des Theorems).<\/p>\n<p><em>(eigene Anmerkung dazu: Und wie alle neoklassischen Modelle geht auch diese Theorie nat\u00fcrlich davon aus, dass sowohl ein vollst\u00e4ndiger Wettbewerb herrscht als auch s\u00e4mtliche Produktionsfaktoren voll ausgelastet sind, d. h. es eben keine Arbeitslosigkeit und keine \u00dcberkapazit\u00e4ten gibt. <\/p>\n<p>Diese Voraussetzungen aber sind seit nahezu drei Jahrzehnten in keinem Industrieland mehr vorhanden. Daher k\u00f6nnen weder das Heckscher-Ohlin-Theorem noch andere Mainstream-Theorien schon per Definition die tats\u00e4chlichen Zust\u00e4nde in der realen Wirtschaftswelt beschreiben.<\/p>\n<p>Leider bilden aber genau dieses und \u00e4hnliche Theoreme die geistigen Grundlagen, nach denen ganze Staaten (beispielsweise die USA und Japan, aber auch die EU und der IWF) ihre Handelspolitiken ausrichten. Nicht nur die gegenw\u00e4rtige <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/stahlindustrie-subventionen-dank-kostenloser-klimazertifikate\/\" target=\"_blank\">Stahlkrise<\/a> sowie die <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/TTIP-und-die-Idee-vom-Freihandel\/!5292227\/\" target=\"_blank\">TTIP- und Freihandelsdiskussionen<\/a> lassen erahnen, welche gewaltigen volkswirtschaftlichen Sch\u00e4den dadurch schon fr\u00fcher ausgel\u00f6st wurden und heute immer noch entstehen k\u00f6nnen.)<\/em><\/p>\n<p><strong>Diese Annahmen sind, wie fast alle empirischen Tests der Theorie gezeigt haben, v\u00f6llig unrealistisch. Das hei\u00dft, sie sind schlicht empirisch falsch.<\/strong><\/p>\n<p>Dies bedeutet dann aber auch, dass man sich dar\u00fcber wundern kann, warum in aller Welt irgendjemand ein Interesse daran haben k\u00f6nnte, diese Theorie bei den realen Problemen auf dieser Erde anzuwenden. Wie so viele andere Mainstream-mathematische Modelle, die den Wirtschaftsstudenten heute gelehrt werden, hat dieses Theorem sehr wenig mit der realen Welt zu tun.<\/p>\n<p>Aus methodischer Sicht kann man sich nat\u00fcrlich auch fragen, wie wir  Tests bewerten sollen, die auf einem Theorie-Gebilde mit bekannt falschen Annahmen beruhen. Was ist der Sinn solcher Tests? Was k\u00f6nnen uns diese Tests m\u00f6glicherweise lehren? Vielleicht die G\u00fcltigkeit des logischen Gesetzes <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ex_falso_quodlibet\" target=\"_blank\">Ex falso Quodlibet<\/a> (aus Falschem folgt Beliebiges)? Aus einem logisch falschen Satz kann demnach jede beliebige Aussage gefolgert werden.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/rwer.wordpress.com\/2016\/03\/15\/heckscher-ohlin-samuelson\/\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des schwedischen Wirtschaftswissenschaftlers <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Lars_P%C3%A5lsson_Syll\" target=\"_blank\">Lars Syll<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 1817 pr\u00e4sentierte David Ricardo in den Grunds\u00e4tzen der politischen \u00d6konomie eine Theorie, die darlegen sollte, weshalb L\u00e4nder miteinander handeln und, basierend auf dem Konzept der Opportunit\u00e4tskosten, wie das Verh\u00e4ltnis von Export und Import von L\u00e4ndern bestimmt wird die<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[24,15,18],"class_list":["post-2893414","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-globalisierung","tag-produktivitaet","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2893414","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2893414"}],"version-history":[{"count":34,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2893414\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3036842,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2893414\/revisions\/3036842"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2893414"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2893414"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2893414"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}