{"id":2703276,"date":"2016-03-18T07:30:47","date_gmt":"2016-03-18T06:30:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=2703276"},"modified":"2026-01-23T10:29:02","modified_gmt":"2026-01-23T09:29:02","slug":"von-berlin-nach-basel-was-uns-das-deutsche-reich-der-1930er-jahre-ueber-bankenregulierung-lehren-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/von-berlin-nach-basel-was-uns-das-deutsche-reich-der-1930er-jahre-ueber-bankenregulierung-lehren-kann\/","title":{"rendered":"Von Berlin nach Basel: was uns das Deutsche Reich der 1930er Jahre \u00fcber Bankenregulierung lehren kann"},"content":{"rendered":"<p>Zwei der gr\u00f6\u00dften Banken des Landes kollabierten. Die anschlie\u00dfende Panik zwang das Bankensystem in die Knie und nur ein kostspieliger <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bail-out_(Wirtschaft)\" target=\"_blank\">Bail-Out<\/a> durch die Regierung verhinderte eine noch gr\u00f6\u00dfere Katastrophe. Eine radikales Umdenken bei der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bankenregulierung\" target=\"_blank\">Banken- regulierung<\/a> erschien mehr denn je dringend erforderlich zu sein. <\/p>\n<p><Center><a title=\"Schleusengraben und Jungfernbr\u00fccke vor dem ehemaligen Reichsbankgeb\u00e4ude in Berlin von Lotse (Eigenes Werk) [GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ASchleusengraben_Berlin-Mitte_184-289.JPG\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Schleusengraben Berlin-Mitte 184-289\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/7\/73\/Schleusengraben_Berlin-Mitte_184-289.JPG\/512px-Schleusengraben_Berlin-Mitte_184-289.JPG\"\/><\/a><br \/>\n<em>Schleusengraben und Jungfernbr\u00fccke vor dem ehemaligen Reichsbankgeb\u00e4ude<br \/>\n(heute <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haus_am_Werderschen_Markt\" target=\"_blank\">Ausw\u00e4rtiges Amt<\/a>) in Berlin<\/em><\/center><\/p>\n<p>Nein, es handelte sich nicht um London oder New York im Jahre 2008. Es geht um Berlin in den 1930er Jahren. Denn genau das war damals die Zeit, als die risikogewichtete Eigen- kapitalregulierung der Banken geboren wurde, die vor allem neben einer Reihe von anderen Werkzeugen zur Schadensbehebung in der Krise angewendet wurde, wie zum Beispiel der notwendigen Liquidit\u00e4tsversorgung oder solch moderner Ideen wie Bonusbegrenzungen und Ma\u00dfnahmen zur Einlagensicherung. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Doch die Idee, dass einzelne Regulierungsma\u00dfnahmen nur f\u00fcr sich allein nicht ausreichen w\u00fcrden, um eine solche Krise zu bek\u00e4mpfen, geriet bald wieder in Vergessenheit. So musste denn auch im Jahr 2008 die Bedeutung des Studiums fr\u00fcherer Finanzkrisen erneut schmerzlich neu erlernt werden.<\/p>\n<p><B>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Bankenkrise\" target=\"_blank\">Deutsche Bankenkrise<\/a> von 1931<\/b><br \/>\nDas deutsche Bankensystem  befand sich Anfang der 1930er Jahre in einem desolaten Zustand: Es war unterkapitalisiert, mit Risiken vollgepumpt, illiquide und wurde nur mittels \u00e4u\u00dferst unbest\u00e4ndiger Finanzierung \u00fcber Wasser gehalten, sowie von Vorst\u00e4nden von zweifelhafter Qualit\u00e4t gesteuert. So etwas stellt nie eine besonders gute Kombination dar.<\/p>\n<p>Das durchschnittliche Verh\u00e4ltnis von Eigen- zu Fremdkapital im deutschen Bankensystem war von 14% 1925 auf 8,5% Ende 1930 gefallen. Die sechs gr\u00f6\u00dften Banken hatten sogar nur noch ein aggregierte Eigenkapitalquote von 6,8%. An und f\u00fcr sich war dies bei anderen Banken auch nicht anders. Die Quoten der britischen Banken beispielsweise waren auf ein \u00e4hnliches Niveau geschrumpft, dennoch entgingen diese Institute den Turbulenzen der 1930er Jahre relativ unbeschadet.<\/p>\n<p>Die britischen Banken hielten allerdings auch \u00fcberwiegend sehr viel sicherere Anlagen. In Gro\u00dfbritannien versorgten die Bankinstitute zumeist Firmenkunden mit kurzfristigen Krediten, w\u00e4hrend langfristige Finanzierungen tendenziell \u00fcber die hoch entwickelten Kapitalm\u00e4rkte abgewickelt wurden. In Deutschland dagegen besorgten vor allem die Banken auch die dauerhaften Finanzierungen. Die Nachfrage nach langfristigem Kapital war infolge von Krieg, Reparationen und Hyperinflation immens gestiegen. <\/p>\n<p>Doch es gab im Deutschen Reich keine starken Kapitalm\u00e4rkte, die diese Kredite zur Verf\u00fcgung stellen konnten. Die Banken selbst verf\u00fcgten nicht \u00fcber ausreichende Eigenmittel, um mit der Ausweitung der Kreditvergabe mithalten zu k\u00f6nnen, die sie f\u00fcr die deutschen Unternehmen zur Verf\u00fcgung gestellt hatten. So verlie\u00dfen sie sich auf die Fremdfinanzierung. Dies f\u00fchrte zu einem hohen Verschuldungsgrad der Banken, die zudem auch noch die Verbindlichkeiten hochverschuldeter Firmen verwalteten &#8211; oft mit sehr wenig Sorgfalt. <a href=\"http:\/\/www.digitalis.uni-koeln.de\/Untersuchung\/untersuchung_1_75-83.pdf\" target=\"_blank\">Dr. von Bissing<\/a>, damals Professor an der Handelshochschule K\u00f6nigsberg, beschrieb das folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;[die Banken] verstanden ihre Kunden nicht gut genug, weder in ihren Spitzen noch in den Zweigstellen; die Organisation der gro\u00dfen Berliner Banken neigte tendenziell zu B\u00fcrokratie und unn\u00f6tigem Schreibkram. Die Banken lie\u00dfen oft nicht gen\u00fcgend Sorgfalt walten [&#8230;] und sagten aus Wettbewerbsgr\u00fcnden zu selten &#8222;Nein&#8220; zu ihren Kunden.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Kehrseite dieser Methode der deutschen Banken, \u00fcberwiegend in Unternehmenskredite zu investieren bedeutete, dass sie sehr wenig &#8222;liquide Mittel&#8220; hielten. Dabei handelt es sich um Verm\u00f6genswerte, die schnell mit wenig Einfluss auf ihren Wert verkauft werden k\u00f6nnen. Dadurch k\u00f6nnen die Operationen der Banken noch eine Zeit lang am Laufen gehalten werden, auch wenn die externe Finanzierung auszutrocknen droht. <\/p>\n<p>Die damalige deutsche Notenbank, die Reichsbank, unterschied drei verschiedene Ebenen der Liquidit\u00e4t (was \u00fcbrigens stark der aktuell in <a href=\"http:\/\/www.bis.org\/publ\/bcbs238_de.pdf\" target=\"_blank\">Basel III festgelegten Mindestliquidit\u00e4tsquote<\/a> \u00e4hnelt). Die Best\u00e4nde der h\u00f6chsten Form der von der Reichsbank anerkannten Liquidit\u00e4t, n\u00e4mlich das Bargeld, waren in den 1920er Jahren deutlich zur\u00fcckgegangen. Auch dies stand im v\u00f6lligen Kontrast zu Gro\u00dfbritannien, wo die Banken sehr viel mehr Zentralbankgeld in Form von Bargeld hielten.<\/p>\n<p>Die Schw\u00e4che des Bankensystems wurde generell von einem schlechten Jahr an den Finanzm\u00e4rkten verst\u00e4rkt. Im Mai kollabierte die \u00f6sterreichische <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Creditanstalt-Bankverein\" target=\"_blank\">Creditanstalt<\/a> und sendete damit Wellen der Nervosit\u00e4t durch die Kapitalm\u00e4rkte. Die Probleme in Wien machten sich auch in Berlin bemerkbar. Ausl\u00e4ndische Gl\u00e4ubiger begannen Geld aus dem Bankensystem zu entziehen und zeigten damit auf dramatische Weise, wie leicht ein Mangel an Vertrauen sich \u00fcber Grenzen hinweg ausbreiten und zu einer Destabilisierung gef\u00e4hrdeter Banksysteme sorgen kann. <\/p>\n<p>Die letzte Quelle der Anf\u00e4lligkeit im deutschen Bankensystem war die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Abh\u00e4ngigkeit von kurzfristiger Fremdfinanzierung. Denn dies bedeutete ein Abh\u00e4ngigkeit von sehr unbest\u00e4ndigen Methoden der Geldbeschaffung: ein kurzfristiges Darlehen ist leicht und schnell zur\u00fcckgezogen, und ausl\u00e4ndische Gl\u00e4ubiger sind in der Regel die ersten, die so etwas tun. Am Ende des Jahres 1930 stammte mehr als ein Drittel der deutschen Kredite aus dem Ausland, und nahezu alle davon waren kurzfristiger Art.<\/p>\n<p>All dies passierte zudem in einer Zeit erh\u00f6hter politischer Unsicherheit in Deutschland. Adolf Hitlers NSDAP hatte ihre W\u00e4hlerschaft von weniger als einer Million auf \u00fcber sechs Millionen Stimmen gesteigert und war nun die zweitgr\u00f6\u00dfte Partei im Reichstag. Zu allem \u00dcberfluss zog auch noch eine Krise um die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Reparationen_nach_dem_Ersten_Weltkrieg\" target=\"_blank\">deutschen Reparationen<\/a> infolge des Ersten Weltkriegs herauf. Die Reichsregierung, noch demokratisch ohne NSDAP-Teilnahme gew\u00e4hlt erkl\u00e4rte, dass Deutschland nicht mehr in der Lage und bereit sei Reparationen zu zahlen. <\/p>\n<p>Der amerikanische Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herbert_Hoover\" target=\"_blank\">Herbert Hoover<\/a> schlug daraufhin ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hoover-Moratorium\" target=\"_blank\">Schuldenmoratorium<\/a> als L\u00f6sungsansatz vor. Doch vor allem Frankreich widersetzte sich diesem Angebot, und verhinderte so ein kurzfristige L\u00f6sung der Krise (siehe <a href=\"http:\/\/www.bankofengland.co.uk\/CalmView\/\" target=\"_blank\">Archiv der Bank von England<\/a>). Als der Gouverneur der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bank_of_England\" target=\"_blank\">Bank of England<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Montagu_Norman\" target=\"_blank\">Montagu Norman<\/a> mit seinem Gegen\u00fcber bei der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Federal_Reserve_Bank_of_New_York\" target=\"_blank\">Federal Reserve Bank von New York<\/a>, George Harrison telefonierte, machte er den Ernst der Lage klar:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;[Wenn] wir die Franzosen nicht auf Linie bekommen oder sonst etwas anderes nicht wie vorgesehen passiert, wird das die Lage in Berlin zerst\u00f6ren: der Gouverneur kann den Schweregrad der drohenden Gefahr eigentlich nicht \u00fcbersch\u00e4tzen. [&#8230;] Jede \u00c4nderung [des Vorschlags von Hoover] w\u00fcrde die Deutschen ruinieren&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Es brauchte daher auch nicht mehr viel, um dieses Pulverfass in Brand zu setzen. Und als es dann zum Crash kam, war dieser spektakul\u00e4r. Am 13. Juli 1931 kollabierte die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Darmst%C3%A4dter_und_Nationalbank\" target=\"_blank\">Danat-Bank<\/a>. Gemessen an den Verm\u00f6genswerten war sie damals die zweitgr\u00f6\u00dfte deutsche Bank. Und ihr Direktor hatte eine eher unbek\u00fcmmerte Haltung gegen\u00fcber  Kreditrisiken eingef\u00fchrt &#8211; selbst unter Ber\u00fccksichtigung der von Dr. von Bissing oben angef\u00fchrten niedrigen Standards. <\/p>\n<p>Ihr Untergang begann mit dem Konkurs der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Norddeutsche_Wollk%C3%A4mmerei_%26_Kammgarnspinnerei\" target=\"_blank\">&#8222;Nordwolle&#8220;<\/a>, Europas gr\u00f6\u00dftem Textil- unternehmen. Die Nordwolle schuldete der Danat-Bank 48 Millionen Reichsmark. Das waren immerhin satte 40% des gesamten Kapitals der Bank! Das Textilunternehmen hatte bewusst Verluste versteckt und die Bilanzen gef\u00e4lscht. Doch vor allem der Mangel an Sorgfaltspflicht durch die Danat-Bank sorgte daf\u00fcr, dass diese Betr\u00fcgereien viel zu sp\u00e4t entdeckt wurden (da nutzte es auch nichts, dass der Danat-Chef <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jakob_Goldschmidt\" target=\"_blank\">Jakob Goldschmidt<\/a> durch die Enth\u00fcllungen so w\u00fctend wurde, dass er seinem Nordwolle-Gegen\u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Carl_Lahusen\" target=\"_blank\">Georg Carl Lahusen<\/a> <a href=\"https:\/\/books.google.co.uk\/books?id=gM87Nqcl23wC&#038;pg=PA294&#038;lpg=PA294&#038;dq=stuhl+goldschmidt&#038;source=bl&#038;ots=DyzVtuYy8X&#038;sig=rdJ1ieag7jibjZ7B56LtGv1hUpM&#038;hl=en&#038;sa=X&#038;ved=0ahUKEwi8_ZLH69vJAhVJXBQKHRI9BLIQ6AEIJTAB#v=onepage&#038;q=stuhl%20goldschmidt&#038;f=false\" target=\"_blank\">einen Stuhl an den Kopf warf<\/a>).<\/p>\n<p>Eine allgemeine Bankenpanik folgte. Sie verschlang auch die Dresdner Bank, die drittgr\u00f6\u00dfte Bank des Landes, und f\u00fchrte zu einem Run auf das gesamte deutsche Bankensystem. Daher musste es vor\u00fcbergehend ausgesetzt und Kapitalverkehrskontrollen eingef\u00fchrt werden. Die Regierung und die Reichsbank retteten die f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Banken und stellten dem gesamten System Notfall-Kredite und Darlehensgarantien zur Verf\u00fcgung. Insgesamt \u00e4hnelte das stark der Praxis in den entwickelten L\u00e4ndern w\u00e4hrend der j\u00fcngsten Krise.<\/p>\n<p><b>Das Bankengesetz von 1934 (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kreditwesengesetz\" target=\"_blank\">Kreditwesengesetz KWG<\/a>)<\/b><br \/>\nDas KWG von 1934 wurde von Beamten der Reichsbank aufgesetzt und reagierte vor allem auf die Hauptursachen f\u00fcr die Krise: hohes Risiko, niedrige Liquidit\u00e4t und Management-Versagen.<\/p>\n<p>Die wichtigste Neuerung war, dass mit diesem Gesetz erstmals weltweit eine risikogewichtete Mindesteigenkapitalquote definiert wurde: die Gesamtschulden abz\u00fcglich der fl\u00fcssigen Mittel sollten einen bestimmten Prozentsatz des Eigenkapitals nicht \u00fcberschreiten. Die Subtrahierung liquider Assets bedeutet dabei nat\u00fcrlich nichts anderes, als ihr Risiko mit 0% zu gewichten. <\/p>\n<p>Dies war anscheinend das erste Mal \u00fcberhaupt, dass das Eigenkapital einer Bank mit den Risiken in ihrer Bilanz in Verbindung gebracht wurde. Und in der Tat bedeutete die Einf\u00fchrung von Mindestkapitalquoten ein Novum in der Geschichte des Bankwesens. Die Bankenaufsicht im Vereinigten K\u00f6nigreich beispielsweise blieb weiterhin informell und ohne echte Eingriffsrechte: man verlie\u00df sich auf die &#8222;hochgezogenen Augenbrauen&#8220; des Zentralbank-Gouverneurs und achtete in erster Linie auf die Liquidit\u00e4t und nicht auf Verschuldung und Kapital.<\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung von Mindestanforderungen f\u00fcr das Risikomanagement f\u00fchrten dazu, dass die Kredite an die Realwirtschaft, die das deutsche Bankensystem in die Knie gezwungen hatten, direkter erfasst wurden, als wenn eine niedrigere Risikoquote verwendet worden w\u00e4re. Nur der simple Vergleich der Eigenkapitalquoten reichte nicht aus, um die gr\u00f6\u00dfere Belastung der deutschen Banken durch risikoreichere Kredite im Vergleich zu den britischen Banken deutlich zu machen. Erst das Entfernen sicherer Verm\u00f6genswerte aus der Gleichung h\u00e4tte das Bild dramatisch ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Trotz ihrer historischen Bedeutung war die risikogewichtete Eigenkapitalregulierung nicht das einzige Instrument in diesem Gesetz: es enthielt auch andere moderne Ideen wie Mindestliquidit\u00e4tsanforderungen, Limits bei Gro\u00dfkrediten (einschlie\u00dflich der Staatsverschuldung), Aussch\u00fcttungsbeschr\u00e4nkungen bei Verst\u00f6\u00dfen gegen die Vorschriften und Boni-Stundungen f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsleitungen. Alles in allem bedeutete dieses Gesetz eine sehr weitreichende und vielschichtige Reaktion auf eine Krise mit zahlreichen Ursachen.<\/p>\n<p><b>Was k\u00f6nnen wir heute daraus lernen?<\/b><br \/>\nDie wichtigste Lehre aus der Krise von 1931 ist vielleicht am besten mit dem Sprichwort ausgedr\u00fcckt &#8222;Ein Ungl\u00fcck kommt selten allein&#8220;. Diese deutsche Bankenkrise hatte viele Ursachen &#8211; riskante Kredite, Verletzung der Sorgfaltspflichten durch das Management, geringes Eigenkapital, schlechte Liquidit\u00e4t, unbest\u00e4ndige Finanzierungen, Ansteckungsgefahren und andere Ereignisse sowie politische Risiken au\u00dferhalb der Kontrolle der Banken. <\/p>\n<p>Das KWG reagierte darauf mit der Einf\u00fchrung mehrerer Werkzeuge, mit denen sie diesen Risiken begegnen konnte, einschlie\u00dflich &#8211; jedoch nicht nur ausschlie\u00dflich &#8211; einer risikogewichteten Eigenkapitalquote. Dies stand in krassem Gegensatz zu den Richtlinien von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Basel_I\" target=\"_blank\">Basel I<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Basel_II\" target=\"_blank\">II<\/a>, die zur Zeit der j\u00fcngsten Krise G\u00fcltigkeit hatten. Es gab darin nur ein risikogewichtetes  Verh\u00e4ltnis. So wichtig diese Regelung auch ist, sie reichte allein nicht aus, um die aktuelle Krise zu verhindern.<\/p>\n<p>Die Regulierer mussten diese Lektion schmerzhaft neu lernen: ein einziges Werkzeug, egal wie hoch entwickelt und anspruchsvoll es sein mag, kann allein nicht gegen die mannigfaltigen Risiken sch\u00fctzen, denen Banken ausgesetzt sind, zumal viele dieser Risiken nur schwer zu quantifizieren sind. Wie hoch sollte beispielsweise der Risikoanteil sein, f\u00fcr den ein fahrl\u00e4ssiger Banken-Chef haften m\u00fcsste, der in einem Anfall von Wut mit St\u00fchlen um sich wirft? <\/p>\n<p>Als Reaktion auf die Krise gibt es jetzt <a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/de\/aufgaben\/bankenaufsicht\/einzelaspekte\/leverage-ratio-598484\" target=\"_blank\">Verschuldungsquoten (Leverage Ratios)<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stresstest_(Finanzwirtschaft)\" target=\"_blank\">Banken-Stresstests<\/a> sowie in Gro\u00dfbritannien ab M\u00e4rz 2016 eine Erweiterung der Verantwortlichkeiten und Haftungs-regelungen f\u00fcr das Management  und international wurden Regelungen f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/www.bis.org\/publ\/bcbs238.htm\" target=\"_blank\">\u00dcberwachung der Liquidit\u00e4tsanforderungen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.bis.org\/press\/p140415.htm\" target=\"_blank\">Grenzen f\u00fcr Gro\u00dfkredite<\/a> eingef\u00fchrt. Wir hatten diese Lektion aus der Vergangenheit zuvor verlernt. Vergessen wir sie dieses Mal nicht wieder.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"http:\/\/bankunderground.co.uk\/2016\/02\/05\/from-berlin-to-basel-what-can-1930s-germany-teach-us-about-banking-regulation\/\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/ideas.repec.org\/f\/pne276.html\" target=\"_blank\">Tobias Neumann<\/a> aus der Forschungs-abteilung der Bank of England)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei der gr\u00f6\u00dften Banken des Landes kollabierten. Die anschlie\u00dfende Panik zwang das Bankensystem in die Knie und nur ein kostspieliger Bail-Out durch die Regierung verhinderte eine noch gr\u00f6\u00dfere Katastrophe. 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