{"id":24389635,"date":"2026-02-28T07:00:56","date_gmt":"2026-02-28T06:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=24389635"},"modified":"2026-03-24T13:46:37","modified_gmt":"2026-03-24T12:46:37","slug":"economic-history-wie-die-ungleichheit-der-vermoegen-den-konsum-beeinflusst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/economic-history-wie-die-ungleichheit-der-vermoegen-den-konsum-beeinflusst\/","title":{"rendered":"Economic History: Wie die Ungleichheit der Verm\u00f6gen den Konsum beeinflusst"},"content":{"rendered":"<p>Wenn politische Entscheidungstr\u00e4ger etwas Geld in die Wirtschaft injizieren &#8211; sei es durch eine Steuersenkung, eine Ausweitung eines Sozialversicherungsprogramms wie etwa der Arbeitslosen-versicherung oder durch eine Kreditausweitung durch Senkung der Zinss\u00e4tze &#8211; wie bereitwillig wird dieses Geld dann wohl ausgegeben? <\/p>\n<p><center><a title=\"Euro-Banknoten von GreenZeb [CC BY-SA 4.0 (https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0)], vom Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:EUROkaudze.JPG\"><img decoding=\"async\" width=\"312\" alt=\"EUROkaudze\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/2\/25\/EUROkaudze.JPG\"><\/a><br \/>\n<em>Einige B\u00fcndel von Euro-Banknoten&#8230;<\/em><\/center><\/p>\n<p>Es h\u00e4ngt teilweise davon ab wer das Geld bekommt. Aber wie sollten die Politiker feststellen, welche Haushalte denn nun den gr\u00f6\u00dften Teil dieses zus\u00e4tzlichen Geldes wieder ausgeben werden? <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Einige \u00e4ltere Wirtschaftsforschungsstudien untersuchten die unterschiedlichen Konsumreaktionen quer \u00fcber die Haushalte, und deren Ergebnisse k\u00f6nnten immer noch dazu beitragen, die Politik dabei anzuleiten wenn sie die Nachfrage in der Wirtschaft inmitten von Konjunkturabschw\u00fcngen ankurbeln will.<\/p>\n<p>Bevor wir aber diese Forschung noch einmal untersuchen ist es wichtig, erstmal innezuhalten und sich dem fr\u00fcheren Verst\u00e4ndnis der \u00d6konomen zu widmen, wie der Konsum in einem Wirtschaftssystem \u00fcberhaupt funktioniert, um damit dazu beizutragen zu k\u00f6nnen, die neueren Forschungen und Ergeb-nisse in einen richtigen Kontext zu setzen. <\/p>\n<p>Die vorherrschende Denkweise des Konsums von Haushalten \u00fcber viele Jahre hinweg war die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hypothese_permanenter_Einkommen\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Hypothese des &#8222;permanenten Einkommens&#8220;<\/a>. Diese Hypothese besagt schlicht, dass der G\u00fcterver-brauch einer Person eine (mathematische) Funktion ihres permanenten oder Lebenseinkommens darstellt. <\/p>\n<p>Diese Person w\u00fcrde nur dann ihre Konsumgewohnheiten ver\u00e4ndern, wenn sich ihr Lebenseinkommen \u00e4ndert, jedoch w\u00fcrde sie ihre Ausgaben nicht gravierend umsto\u00dfen, wenn sie nur einen vor\u00fcber-gehenden Anstieg oder R\u00fcckgang ihrer Ausgaben erf\u00e4hrt. Entsprechend dieser Denkrichtung geht man davon aus, dass Haushalte generell ihren Verbrauch im Laufe ihres Lebens entsprechend ihrem Lebens-einkommen gl\u00e4tten.<\/p>\n<p>Wenn diese Hypothese zutr\u00e4fe, w\u00fcrden die Haushalte nicht viele von den zus\u00e4tzlichen Dollars, die sie von den Politikern erhalten wieder ausgeben, um damit den Konsum anzukurbeln. Sie w\u00fcrden eine &#8222;<a href=\"https:\/\/wirtschaftslexikon.gabler.de\/definition\/konsumquote-37467\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">marginale (Grenz-)Konsumneigung<\/a>&#8220; von nahezu Null haben, wenn man die Terminologie der \u00d6konomen verwendet. Und das hie\u00dfe, dass sich die Haushalte nicht stark in ihrer Neigung unter-scheiden sollten, einen zus\u00e4tzlichen Dollar wieder auszugeben.<\/p>\n<p>J\u00fcngere Forschungsergebnisse zeigten jedoch, dass die meisten Haushalte eine eher hohe marginale Konsumneigung aufweisen &#8211; die Ausrei\u00dfer sind ausgerechnet wohlhabende Haushalte, deren Aus-gaben sich an die Hypothese des permanenten Einkommens zu halten scheinen. <\/p>\n<p>Ein schon <a href=\"https:\/\/equitablegrowth.org\/working-papers\/marginal-propensity-consume\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">2018 ver\u00f6ffentlichtes Paper<\/a> war Teil dieser Forschungsgrundlage, die den Unterschied bei den Verbrauchsreaktionen in den Haushalten aufzeigte. Es stammte von Jonathan Fisher von der Stanford University, David Johnson von der University of Michigan, <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Jonathan_Latner\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Jonathan P. Latner<\/a> von der Universit\u00e4t Bamberg, <a href=\"https:\/\/www.lafollette.wisc.edu\/faculty-staff\/faculty\/timothy-smeeding\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Timothy Smeeding<\/a> von der University of Wisconsin und <a href=\"https:\/\/www.bostonfed.org\/people\/bank\/jeffrey-p-thompson.aspx\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Jeffrey Thompson<\/a> vom Federal Reserve Board of Governors.<\/p>\n<p>Die f\u00fcnf Autoren verwendeten Daten aus dem <a href=\"https:\/\/psidonline.isr.umich.edu\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Panel Survey of Income Dynamics<\/a>, welches f\u00fcr den Zeitraum von 1999 bis 2013 Informationen \u00fcber Einkommen, Verm\u00f6gen und Konsum von Haushalten im Zeitverlauf enth\u00e4lt. <\/p>\n<p>Mit diesem Datensatz konnten sie \u00c4nderungen des Konsums als Reaktion auf Einkommens- oder Verm\u00f6gens\u00e4nderungen f\u00fcr die gleichen Personen im Laufe der Zeit ermitteln. Ihre wichtigste Erkenntnis war, dass die aggregierte marginale Konsumneigung in diesem Zeitraum um die 10 Prozent betrug, was am unteren Ende der vorherigen Sch\u00e4tzungen liegt.<\/p>\n<p>Dieses Papier unterst\u00fctzte Ergebnisse aus anderen Forschungsarbeiten und stellte fest, dass die marginale Konsumneigung f\u00fcr wohlhabende Haushalte (die obersten 20 Prozent) geringer ist als f\u00fcr Haushalte mit weniger Wohlstand. F\u00fcr die Autoren bedeutete diese Erkenntnis, dass Haushalte mit weniger oder keinem Wohlstand ihren Konsum nicht gl\u00e4tten k\u00f6nnen und daher mehr auf Einkommens-ver\u00e4nderungen reagieren. <\/p>\n<p>Ein Haushalt mit h\u00f6herem Wohlstand k\u00f6nnte auf sein Verm\u00f6gen zur\u00fcckgreifen, um seinen Konsum entsprechend aufrecht zu erhalten. Im Gegensatz dazu scheinen Haushalte in den unteren 40 Prozent der Verm\u00f6gensverteilung &#8222;Kreditbeschr\u00e4nkungen&#8220; zu unterliegen, da sie keinen Zugang zu Krediten haben, die es ihnen erm\u00f6glichen w\u00fcrden, ihren Konsum zu gl\u00e4tten, wenn keine Verm\u00f6genswerte zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Fr\u00fchere Sch\u00e4tzungen der marginalen Konsumneigung haben die gemeinsame Verteilung von Ein-kommen, Konsum und Verm\u00f6gen nicht ber\u00fccksichtigt. In fr\u00fcheren Studien wurde beispielsweise untersucht, wie sich Ver\u00e4nderungen des Einkommens auf den Konsum auswirken, aber die Forschung konnte nicht direkt einbeziehen, welche Rolle der Reichtum bei der Reaktion auf die Bem\u00fchungen der politischen Entscheidungstr\u00e4ger spielt, den Konsum in der Wirtschaft anzukurbeln. <\/p>\n<p>Dieser neue Artikel befasste sich mit allen drei Ma\u00dfst\u00e4ben und deren Zusammenspiel, die einen besse-ren \u00dcberblick \u00fcber die wirtschaftlichen Ressourcen eines Haushalts erm\u00f6glichen. Einkommen ist f\u00fcr den Konsum von Bedeutung, aber auch das Verm\u00f6gen spielt eine Rolle, da es den Haushalten erm\u00f6g-licht, ihren Konsum zu gl\u00e4tten wenn sie von negativen Schocks getroffen werden.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Unterschiede kam das Papier zu dem Schluss, dass eine Umverteilung, die die finanziellen Ressourcen von Haushalten mit geringem Wohlstand ankurbelt, eine stimulierende Wirkung auf den Konsum haben w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Die Verlagerung von Ressourcen von den oberen 20 Prozent auf die unteren 80 Prozent der Haushalte w\u00fcrde laut Berechnungen der Autoren den Gesamtkonsum um 3 bis 4 Prozent steigern. Dies bedeutet, dass Politiker, die den Konsum am effektivsten steigern wollen sich mit Strategien befassen sollten, die Geld an Haushalte mit eingeschr\u00e4nkten Kreditm\u00f6glichkeiten und solche mit geringen Verm\u00f6gen schicken.<\/p>\n<p>Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz verlieren und beispielsweise nicht \u00fcber viele liquide Mittel verf\u00fcgen, werden dadurch am Ende ihren Konsum drastisch zur\u00fcckfahren. <\/p>\n<p>Programme, die automatisch Geld an solche Haushalte ausgeben wie etwa die Arbeitslosenversiche-rung oder das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Supplemental_Nutrition_Assistance_Program\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP)<\/a> in den USA w\u00e4ren wirksame Mittel, um einem wirtschaftlichen Abschwung entgegenzuwirken. <\/p>\n<p>Die Vermittlung von Ressourcen an diese Arbeitnehmer w\u00e4re eine effiziente Politik, die ihnen nicht nur helfen sondern auch die Gesamtwirtschaft f\u00fcr alle st\u00e4rken w\u00fcrde.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines schon \u00e4lteren <a href=\"https:\/\/equitablegrowth.org\/how-inequalities-of-wealth-matter-for-consumption\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des amerikanischen Politikwissenschaftlers <a href=\"https:\/\/equitablegrowth.org\/people\/nick-bunker\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Nick Bunker<\/a>)<\/em> <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn politische Entscheidungstr\u00e4ger etwas Geld in die Wirtschaft injizieren &#8211; sei es durch eine Steuersenkung, eine Ausweitung eines Sozialversicherungsprogramms wie etwa der Arbeitslosen-versicherung oder durch eine Kreditausweitung durch Senkung der Zinss\u00e4tze &#8211; wie bereitwillig wird dieses Geld dann wohl ausgegeben?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[54,14,32,29,44,18],"class_list":["post-24389635","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-economic-history","tag-lohn","tag-schulden","tag-sparen","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24389635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24389635"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24389635\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24402342,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24389635\/revisions\/24402342"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24389635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24389635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24389635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}