{"id":24283149,"date":"2024-02-11T07:00:48","date_gmt":"2024-02-11T06:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=24283149"},"modified":"2024-02-07T10:42:50","modified_gmt":"2024-02-07T09:42:50","slug":"history-unternehmenskonzentration-und-stagnierende-loehne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/history-unternehmenskonzentration-und-stagnierende-loehne\/","title":{"rendered":"History: Unternehmenskonzentration und stagnierende L\u00f6hne"},"content":{"rendered":"<p>Aus dem <a href=\"http:\/\/www.nber.org\/digest\/may18\/w24307.shtml\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">NBER Digest<\/a> von 2018: &#8222;Zwei Studien deuten darauf hin, dass ein Anstieg der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Monopson\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Monopson<\/a>-Macht der Arbeitgeber mit niedrigeren L\u00f6hnen verbunden ist.&#8220;<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/economistsview.typepad.com\/.a\/6a00d83451b33869e20224df303942200b-500wi\" alt=\"W24307\" \/><br \/>\n<em>Unternehmenskonzentration in den USA von 1977-2009<\/em><\/center><\/p>\n<p>Stagnierende L\u00f6hne und ein r\u00fcckl\u00e4ufiger Anteil des Arbeitseinkommens am BIP in den letzten Jahr-zehnten haben eine Reihe von m\u00f6glichen Erkl\u00e4rungen hervorgebracht. Dazu geh\u00f6ren Outsourcing, ausl\u00e4ndische Konkurrenz, Automatisierung und der Niedergang der Gewerkschaften. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Zwei neue Studien konzentrierten sich damals auf einen weiteren Faktor, der die relative Verhandlungs-position von Arbeitnehmern und Unternehmen beeinflusst haben k\u00f6nnte: die Dominanz der Arbeitgeber auf den lokalen Arbeitsm\u00e4rkten. <\/p>\n<p>Eine Arbeit zeigte, dass sich das Lohnwachstum verlangsamt hatte, als die industrielle Konsolidierung in den letzten 40 Jahren zunahm; die andere wies nach, dass auf vielen Arbeitsm\u00e4rkten im ganzen Land kaum Konkurrenz um die Besch\u00e4ftigten in bestimmten T\u00e4tigkeitsbereichen herrschte.<\/p>\n<p>In &#8222;Starke Arbeitgeber und schwachen Arbeitnehmer: Wie wirkt sich die Konzentration der Unternehmen auf die L\u00f6hne aus?&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.nber.org\/papers\/w24307\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">NBER Working Paper Nr. 24307<\/a>) analysierten <a href=\"http:\/\/www.nber.org\/people\/efraim_benmelech\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Efraim Benmelech<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.nber.org\/people\/nittai_bergman\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Nittai Bergman<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nber.org\/people\/hyunseob_kim\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Hyunseob Kim<\/a> f\u00fcr die Zeit von 1977 bis 2009 landesweite Volksz\u00e4hlungsdaten \u00fcber Industrie-unternehmen, um die Auswirkungen der Konzentration der Arbeitgeber auf die L\u00f6hne in den lokalen Arbeitsm\u00e4rkten zu untersuchen. Durch die Konzentration auf Betriebe in der Produktion waren sie in der Lage, die Produktivit\u00e4t der Mitarbeiter direkt zu ermitteln. <\/p>\n<p>Die Forscher stellten fest, dass trotz der erheblichen Unterschiede in verschiedenen Sektionen und Zeitreihen die durchschnittliche Unternehmenskonzentration zwischen 1977-81 und 2002-09 auf der Grundlage des vierstelligen Codes der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Standard_Industrial_Classification\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Standard Industrial Classification<\/a> f\u00fcr Industriebranchen anstieg. <\/p>\n<p>Ihr Konzentrationsma\u00df war dabei der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herfindahl-Index\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Herfindahl-Hirschman-Index (HHI)<\/a>, der als die Summe aller quadrierten Marktanteile der Wettbewerber eines Marktes bzw. eines bestimmten Wirtschaftszweigs definiert ist. Der besch\u00e4ftigungsgewichtete Mittelwert dieses Indexes stieg im Untersuchungszeitraum von 0,698 auf 0,756, ein Plus von 5,8 Prozent. Vierzig Prozent der Beobachtungen bezogen sich auf Produktionsst\u00e4tten in Landkreisen, die nur von wenigen Firmen beherrscht wurden. <\/p>\n<p>Die Forscher fanden eine negative Beziehung zwischen Unternehmenskonzentration und L\u00f6hnen; sie war in der zweiten H\u00e4lfte der Datenerhebung doppelt so stark wie in der ersten H\u00e4lfte; Ein Anstieg des HHI um eine Standardabweichung war mit einer Lohnsenkung von 1 bis 2 Prozent verbunden. <\/p>\n<p>Sie sch\u00e4tzten, dass ein Unternehmen, welches auf einem Arbeitsmarkt t\u00e4tig war, in dem es den einzigen Arbeitgeber darstellte, die L\u00f6hne um 3,1 Prozent niedriger dr\u00fccken konnte als eine Firma, die auf einem weniger konzentrierten Markt t\u00e4tig war. Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Lohnr\u00fcck-gangs trat auf, als sich die Arbeitsm\u00e4rkte dem reinen Monopson-Fall n\u00e4herten, n\u00e4mlich der Situation, in der nur ein Unternehmen Arbeitnehmer anstellte. <\/p>\n<p>Neben der Suche nach niedrigeren L\u00f6hnen in den Monopson-M\u00e4rkten stellten die Forscher auch fest, dass Unternehmen, die ihre Arbeitsm\u00e4rkte dominieren, im Lauf der Zeit seltener Produktivit\u00e4tsgewinne mit ihren Mitarbeitern teilten. Ein R\u00fcckgang der Standardabweichung im HHI f\u00fchrte zu einer Erh\u00f6hung der Lohnelastizit\u00e4t um rund 25 Prozent von 0,38 auf 0,47. Im Verlauf des Untersuchungszeitraums stiegen dabei die US-Importe aus China. <\/p>\n<p>Die Forscher fanden heraus, dass die Importkonkurrenz aus China, die mit der Schlie\u00dfung oder Verlagerung von Fabriken in einer Reihe von Branchen verbunden war, den Trend zu einer st\u00e4rkeren Konzentration der Arbeitgeber auf einigen lokalen Arbeitsm\u00e4rkten beschleunigte. <\/p>\n<p>Dieses Ergebnis deutete darauf hin, dass der Importwettbewerb nicht nur die Nachfrage nach Arbeitern, die zuvor die jetzt importierten Produkte produziert haben, verringert hatte, sondern auch die L\u00f6hne f\u00fcr Arbeitnehmer in anderen Branchen auf den betroffenen Arbeitsm\u00e4rkten aufgrund der erh\u00f6hten Arbeitsmarktkonzentration gedr\u00fcckt haben k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Die einzigen Besch\u00e4ftigten, die auf M\u00e4rkten mit hoher Unternehmenskonzentration keine Lohn-stagnation erlebten, waren diejenigen, die Gewerkschaften angeh\u00f6rten. Etwa ein Viertel der untersuchten Fabriken galt als gewerkschaftlich organisiert; dieser Anteil war sp\u00e4ter niedriger als in den fr\u00fcheren Jahren. <\/p>\n<p>Da sich diese Studie auf Arbeitnehmer konzentrierte, die in Industrieunternehmen besch\u00e4ftigt wurden, war der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder h\u00f6her als auf dem gesamten amerikanischen Arbeitsmarkt. <\/p>\n<p>Um die Robustheit ihrer Ergebnisse zu beurteilen, verglichen die Forscher Betriebe der gleichen Branche, die demselben Unternehmen geh\u00f6rten, aber an verschiedenen Standorten operierten; sie fanden heraus, dass &#8222;diejenigen, die sich in einem konzentrierteren lokalen Arbeitsmarkt befanden, wesentlich niedrigere L\u00f6hne zahlten&#8220;.<\/p>\n<p>In &#8222;Konzentration auf den amerikanischen Arbeitsm\u00e4rkten: Erkenntnisse aus Online-Stellenangebots-daten (<a href=\"http:\/\/www.nber.org\/papers\/w24395\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">NBER Working Paper Nr. 24395<\/a>) fanden <a href=\"https:\/\/www.nber.org\/people\/jose_azar\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Jos\u00e9 A. Azar<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.nber.org\/people\/ioana_marinescu\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Ioana Marinescu<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.nber.org\/people\/msteinbaum\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Marshall I. Steinbaum<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nber.org\/people\/bledi_taska\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Bledi Taska<\/a> heraus, dass Arbeitgeber in den meisten Standorten \u00fcber betr\u00e4chtliche Monopson-Macht verf\u00fcgten. Die Forscher untersuchten freie Stellen in den 709 f\u00f6derativ abgegrenzten Bezirken, die die Grenzen der lokalen Wirtschaft abbildeten. <\/p>\n<p>Anhand einer Datenbank, die von Burning Glass Technologies aus 40.000 Stellenb\u00f6rsen erstellt wurde, berechneten sie das Niveau der Arbeitsmarktzentrierung nach Bezirken, Berufen und Quartalen f\u00fcr das Jahr 2016. Sie w\u00e4hlten die beliebtesten 200 Berufe nach dem sechsstelligen Klassifizierungscode der Bureau of Labor Statistics aus, mit dem 90 Prozent der Stellenausschreibungen in der Datenbank erfasst wurden. <\/p>\n<p>Als Ma\u00dfstab f\u00fcr die Arbeitsmarktkonzentration kalkulierte die Studie den Herfindahl-Hirschman-Index, \u00e4hnlich der Vorgehensweise im vorher besprochenen <a href=\"http:\/\/www.nber.org\/papers\/w24307\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Paper Nr. 24307<\/a>. Die Ergebnisse legten nahe, dass je h\u00f6her die Marktkonzentration ausf\u00e4llt, desto st\u00e4rker auch die Verhandlungsposition des Arbeitgebers war. Der durchschnittliche Markt hatte dabei den Gegenwert von nur 2,5 rekrutierenden Unternehmen. <\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df den Standards, die die Bundeskartellbeh\u00f6rden zur Feststellung von \u00fcberm\u00e4\u00dfig konzentrierten Produktm\u00e4rkten anwenden, waren 54 Prozent der M\u00e4rkte hoch konzentriert, was bedeutet, dass in ihnen weniger als vier Unternehmen Mitarbeiter rekrutierten. <\/p>\n<p>Elf Prozent der M\u00e4rkte waren m\u00e4\u00dfig konzentriert, und nur 35 Prozent hatten eine geringe Konzentration. Landesweit unter den 30 gr\u00f6\u00dften Berufsgruppen waren Marketingmanager, Webentwickler und Finanzanalysten mit den am wenigsten g\u00fcnstigen Arbeitsm\u00e4rkten konfrontiert, w\u00e4hrend die M\u00e4rkte f\u00fcr registrierte Krankenschwestern, Sattelzugfahrer und Kundendienstmitarbeiter am besten ausfielen. <\/p>\n<p>Das tats\u00e4chliche Bild f\u00fcr Arbeitssuchende war jedoch heller als es diese Zahlen aussagen K\u00f6nnten, da die Besch\u00e4ftigungsniveaus in den einzelnen Bezirken stark variierten. Zonen, die gro\u00dfe St\u00e4dte umfassten, wiesen eine geringere Konzentration auf dem Arbeitsmarkt auf als jene in kleinen St\u00e4dten oder in l\u00e4ndlichen Gebieten. Unter Ber\u00fccksichtigung dieser ungleichen Verteilung der Besch\u00e4ftigung stellten die Forscher fest, dass 23 Prozent der nationalen Arbeitskr\u00e4fte in stark oder m\u00e4\u00dfig konzentrierten Arbeitsm\u00e4rkten t\u00e4tig waren. <\/p>\n<p>Sie begr\u00fcndeten diese Ergebnisse damit, dass traditionelle Marktkonzentrationsschwellen den Verlust der Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer im Zeitverlauf untersch\u00e4tzten. Sie wiesen darauf hin, dass diese Schwellenwerte darauf abzielten, die Auswirkungen von Fusionen auf den Verbrauchermarkt abzusch\u00e4tzen, und dass Verbraucher zwar Produkte kaufen k\u00f6nnten, ohne dass die Hersteller ausdr\u00fccklich zustimmen m\u00fcssten, Arbeitnehmer jedoch Arbeitgeber finden m\u00fcssen, die sich dazu verpflichten sie einzustellen.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines schon \u00e4lteren <a href=\"http:\/\/economistsview.typepad.com\/economistsview\/2018\/05\/employer-concentration-and-stagnant-wages.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blogbeitrages<\/a> des amerikanischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mark_Thoma\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mark Thoma<\/a>, der aber immer noch aktuell sein d\u00fcrfte)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem NBER Digest von 2018: &#8222;Zwei Studien deuten darauf hin, dass ein Anstieg der Monopson-Macht der Arbeitgeber mit niedrigeren L\u00f6hnen verbunden ist.&#8220; Unternehmenskonzentration in den USA von 1977-2009 Stagnierende L\u00f6hne und ein r\u00fcckl\u00e4ufiger Anteil des Arbeitseinkommens am BIP in<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[33,42,14,15,44,18],"class_list":["post-24283149","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-deflation","tag-gewerkschaft","tag-lohn","tag-produktivitaet","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24283149","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24283149"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24283149\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24383923,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24283149\/revisions\/24383923"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24283149"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24283149"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24283149"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}