{"id":23506331,"date":"2023-11-25T07:00:42","date_gmt":"2023-11-25T06:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=23506331"},"modified":"2023-11-29T08:04:18","modified_gmt":"2023-11-29T07:04:18","slug":"history-das-scheitern-der-austeritaet-il-duce-edition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/history-das-scheitern-der-austeritaet-il-duce-edition\/","title":{"rendered":"History: Das Scheitern der Austerit\u00e4t &#8211; &#8222;Il Duce&#8220; Edition"},"content":{"rendered":"<p>Kurz gefasst: nach dem Ersten Weltkrieg gab es eine kurze, aber sehr wichtige Phase in der europ\u00e4ischen Geschichte, in der die Menschen Rechte bekamen wie etwa das Wahlrecht, den 8-Stunden-Arbeitstag und andere vergleichbare, das allgemeine Wohlergehen verbessernde Annehmlichkeiten. <\/p>\n<p><Center><a title=\"Benito Mussolini in Mailand 1930, Bundesarchiv, Bild 102-09844 \/ CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/deed.en)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ABundesarchiv_Bild_102-09844%2C_Mussolini_in_Mailand.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Bundesarchiv Bild 102-09844, Mussolini in Mailand\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/a\/ae\/Bundesarchiv_Bild_102-09844%2C_Mussolini_in_Mailand.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Benito_Mussolini\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Benito Mussolini<\/a> bei einer Rede in Mailand 1930<\/em><\/center><\/p>\n<p>So auch in Italien. In einigen L\u00e4ndern f\u00fchrte dies allerdings zu heftigen Gegenreaktionen: so beispielsweise im Jahr 1922 zu Benito Mussolinis faschistischen &#8222;Marsch auf Rom&#8220;, mit dem die demokratische Phase in diesem Land beendet und die ab 1925 diktatorische Macht Mussolinis begr\u00fcndet wurde.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Mussolini umgab sich mit stolzen neoklassischen Denkern. Diese f\u00fchrten die Austerit\u00e4t ein (sogar der Begriff wurde damals bereits benutzt). Und es war alles da: Privatisierung, &#8222;solide&#8220; Geldpolitik, die Klagen \u00fcber den Mangel an Disziplin und die verschwenderischen Ausgaben durch den Staat und f\u00fcr die Arbeiter, die Bedeutung des &#8222;Sparens&#8220;, die Idee einer tugendhaften Elite, welche die unverant-wortlichen Menschen zu f\u00fchren habe. <\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich die moralischen und wirtschaftlichen Vorz\u00fcge von niedrigen L\u00f6hnen. IWF- und EU-Sprachgebrauch weit vor ihrer Zeit (mit Ausnahme des hohen Wechselkurses, der Mussolini heilig war). Die Frage stellt sich aber wie heute: Hat es denn funktioniert?<\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/rwer.files.wordpress.com\/2016\/03\/democracy.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" style=\"border:0;\" src=\"https:\/\/rwer.files.wordpress.com\/2016\/03\/democracy.png\" alt=\"menschen-arbeit-0029.gif von 123gif.de\" width=\"512\" \/><\/a><\/Center><\/p>\n<p>Nein, hat es nicht. Auch nicht \u00fcber die lange Sicht. Absolut nicht. Es war stattdessen ein Disaster, eine echte Katastrophe.<\/p>\n<p>Dies beweisen die Wirtschaftsdaten verschiedener Staaten aus dieser Zeit, siehe obenstehende Grafik, deren Grundlage die Daten der <a href=\"http:\/\/www.ggdc.net\/maddison\/maddison-project\/data.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Maddison-Datenbank<\/a> darstellen. Die wirtschaftliche Entwicklung Italiens w\u00e4hrend der Zeit des Faschismus stagnierte. <\/p>\n<p>Sie war trotz aller &#8222;niedrig h\u00e4ngenden Fr\u00fcchte&#8220; (Elektrizit\u00e4t, Telefone, Kraftfahrzeuge, Rundfunk) &#8222;trotz&#8220; seiner Diktatur viel schlechter als die Finnlands mit seinen <a href=\"http:\/\/countrystudies.us\/finland\/16.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zwanzig Regierungen zwischen 1918 und 1939<\/a>. Und sehr viel schlechter als das sozial-demokratische Schweden &#8211; eine klare autorit\u00e4re Katastrophe in Italien. <\/p>\n<p>Es entwickelte sich dagegen \u00e4hnlich schlecht wie Spanien und Portugal, die auch autorit\u00e4re Regie-rungen hatten und wie Churchill den Stil einer &#8222;soliden&#8220; Geldpolitik verfolgten. <\/p>\n<p>Wichtig erscheint zudem, dass die schnelle Erholung nach dem Zweiten Weltkrieg klar zeigt, dass diese Stagnation keinesfalls eine spezielle kulturelle italienische Eigenschaft oder ein Problem von der Angebotsseite her war.<\/p>\n<p>Es war eher ein Problem einer auf Reichtum, den Goldstandard und niedrige Geh\u00e4lter konzentrierten Politik, welche die Masseneinkommen, die Produktion und h\u00f6here L\u00f6hne extrem vernachl\u00e4ssigte. <\/p>\n<p>Die gleiche Art von Deflationssparpolitik, die im Vereinigten K\u00f6nigreich zu niedrigeren L\u00f6hnen, geringem Wachstum und hoher Arbeitslosigkeit gef\u00fchrt hatte &#8211; und keineswegs auch zu einem R\u00fcckgang der \u00f6ffentlichen Verschuldung im Verh\u00e4ltnis zum BIP. Italien wuchs erst wieder, als nach dem Krieg die Demokratie wiederhergestellt wurde&#8230; <\/p>\n<p>Der Einbruch in Spanien in den drei\u00dfiger Jahren war nat\u00fcrlich dem spanischen B\u00fcrgerkrieg  geschuldet &#8211; allerdings gab es auch keine wirkliche spanische Erholung nach dem WW II. Das demokratische Italien \u00fcbertraf stattdessen nach dem Krieg recht schnell das faschistische Spanien.<\/p>\n<blockquote><p>\n<em>Auszug aus <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Benito_Mussolini#Der_Weg_zur_Diktatur\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Benito Mussolini &#8211; Der Weg zur Diktatur &#8211; Wikipedia<\/a>:<\/em><br \/>\n&#8230;<br \/>\n<b>Wirtschafts- und Sozialpolitik<\/b><br \/>\nMussolini \u00fcberlie\u00df die Wirtschaftspolitik in den ersten Jahren weitgehend seinem marktliberalen Finanzminister Alberto De Stefani. Die vorsichtigen Versuche [&#8230;], die Steuerlast der \u201ebesseren Kreise\u201c zu erh\u00f6hen, die Kriegsgewinne zu besteuern und eine Bodenreform zu initiieren [&#8230;] wurden von der neuen Regierung abgebrochen. <\/p>\n<p>Sie privatisierte bisherige Staatsmonopole wie das Telefonnetz, die Streichholzproduktion und die Lebensversicherung, senkte die Staatsausgaben und f\u00fchrte neue indirekte Massensteuern ein. Im M\u00e4rz 1923 beseitigte ein Dekret den Achtstundentag, wodurch vor allem in der Landwirtschaft die t\u00e4gliche Arbeitszeit wieder auf bis zu zw\u00f6lf Stunden ausgedehnt wurde. <\/p>\n<p>Mussolini begleitete diese Politik, indem er \u00f6ffentlich f\u00fcr \u201eUnternehmertum\u201c, B\u00fcrokratieabbau und die Abschaffung der ohnehin nur rudiment\u00e4ren Arbeitslosenunterst\u00fctzung pl\u00e4dierte. Der Staat solle sich aus dem wirtschaftlichen Leben der Nation heraushalten, die Ungleichheit in der Gesellschaft d\u00fcrfe nicht beseitigt, sondern m\u00fcsse im Gegenteil noch versch\u00e4rft werden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wurden ausgew\u00e4hlte Industrieunternehmen und Banken mit Staatsgeldern saniert [&#8230;] Mussolini [&#8230;] konnte so den \u201eatmosph\u00e4rischen Grundstein\u201c f\u00fcr den Ausgleich mit der Kirche legen. F\u00fcr das Besitzb\u00fcrgertum erwiesen sich die Jahre 1922-25 alles in allem als \u201eabsolutes Paradies\u201c. Umgekehrt mussten die Arbeiter in diesem Zeitraum Reallohnsenkungen von 20 bis 25 % hinnehmen.<br \/>\n&#8230;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung  und Erweiterung eines schon \u00e4lteren <a href=\"https:\/\/rwer.wordpress.com\/2016\/03\/10\/austerity-sucked-il-duce-edition\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blogbeitrages<\/a> des niederl\u00e4ndischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Merijn_Knibbe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Merijn Knibbe<\/a> mit erschreckender Aktualit\u00e4t)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz gefasst: nach dem Ersten Weltkrieg gab es eine kurze, aber sehr wichtige Phase in der europ\u00e4ischen Geschichte, in der die Menschen Rechte bekamen wie etwa das Wahlrecht, den 8-Stunden-Arbeitstag und andere vergleichbare, das allgemeine Wohlergehen verbessernde Annehmlichkeiten. Benito Mussolini<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[47,33,29,44,18],"class_list":["post-23506331","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-austeritaet","tag-deflation","tag-sparen","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23506331","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23506331"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23506331\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23506461,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23506331\/revisions\/23506461"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23506331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23506331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23506331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}