{"id":23133391,"date":"2023-08-10T07:00:24","date_gmt":"2023-08-10T05:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=23133391"},"modified":"2026-04-01T15:29:37","modified_gmt":"2026-04-01T13:29:37","slug":"die-krise-des-euroraums-als-zahlungsbilanzkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-krise-des-euroraums-als-zahlungsbilanzkrise\/","title":{"rendered":"Die Krise des Euroraums als Zahlungsbilanzkrise"},"content":{"rendered":"<p>In einem k\u00fcrzlich erschienenen <a href=\"https:\/\/jwmason.org\/slackwire\/revisiting-the-euro-crisis\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Blogbeitrag<\/a> argumentiert J. W. Mason, dass die Leistungs-bilanzungleichgewichte in der Zahlungsbilanz nicht die Ursache der Krise im Euroraum sind.<\/p>\n<p><center><a title=\"Glentamara, Public domain, via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Eurozone.svg\"><img decoding=\"async\" width=\"206\" alt=\"Eurozone\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/08\/Eurozone.svg\"><\/a><br \/>\n<em>Die Mitglieder der Eurozone (Stand 1. Januar 2023)<\/em><\/center><\/p>\n<p>Das ist v\u00f6llig falsch! Leistungsbilanzdefizite wirken sich auf den Haushaltssaldo des Staates aus, und ein h\u00f6heres Leistungsbilanzdefizit w\u00fcrde zu einem h\u00f6heren Haushalts-defizit f\u00fchren als sonst. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Dies ist nicht nur eine Frage der Buchhaltung, sondern auch des tats\u00e4chlichen Verhaltens. Die hohen Leistungsbilanzdefizite f\u00fchrten unumg\u00e4nglich zu einer hohen Staatsver-schuldung, und die Anleger in Staatsschulden wurden nerv\u00f6s, was dann zu einer Krise an den Staatsanleihem\u00e4rkten des Euroraums f\u00fchrte. <\/p>\n<p>Da ein Gro\u00dfteil der Staatsschulden von Ausl\u00e4ndern gehalten wird, weil es f\u00fcr Gebiets-ans\u00e4ssige schwierig ist, all diese Schulden zu besitzen (wenn eine hohe internationale Nettoverschuldung besteht) f\u00fchrten der Verkauf und die Bewegung von Geldern ins Ausland nach dem Verkauf auch zu einer Bankenkrise, da die Banken sich bei ihren NZBen (Nationale Zentralbanken) stark verschulden mussten und nicht \u00fcber ausreichende Sicherheiten verf\u00fcgten.<\/p>\n<p>Die Krise an den Banken- und Staatsanleihem\u00e4rkten verursachte weitere Krisen auf den M\u00e4rkten f\u00fcr private Schulden und f\u00fchrte zu staatlichen Sparma\u00dfnahmen, einen R\u00fcckgang des BIP und damit zu weiteren Krisen!<\/p>\n<p>So einfach ist das!<\/p>\n<p>Eines von Masons Argumenten ist, dass, da die Kreditvergabe an Ausl\u00e4nder nicht aus vorherigem Sparen entstehen muss, die Verbindlichkeiten, die Ausl\u00e4ndern geschuldet werden, nicht wirklich Schulden sind. Aber wie folgt daraus, dass das eine das andere impliziert? <\/p>\n<p>Wenn Ausl\u00e4nder einen gro\u00dfen Geldbetrag auf Konten in ihren Heimatl\u00e4ndern \u00fcberweisen, w\u00fcrde es zu einer Bankenkrise kommen, da es f\u00fcr die Banken schwierig w\u00e4re, Sicherheiten bei ihrer NZB zu hinterlegen. Die Regierung m\u00fcsste Banken retten, was die Staats-verschuldung erh\u00f6ht und die Anleger nerv\u00f6s macht.<\/p>\n<p>Griechische Banken, die endogen Geld sch\u00f6pfen, bedeuten nicht, dass der Kauf eines deutschen Produkts durch griechische Einwohner nicht die Nettoverm\u00f6gensposition Griechenlands verringert oder seine Nettoverschuldung gegen\u00fcber Deutschland erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Mason sagt: Viele Menschen mit keynesianischem Hintergrund reden \u00fcber endogenes Geld, wenden es aber nicht konsequent an<\/p>\n<p>Vielleicht ist er derjenige, der versagt?<\/p>\n<p>Nehmen wir ein einfacheres Beispiel: Kredite erzeugen Einlagen. Aber es stimmt auch, dass Einlagen Banken finanzieren. Die Tatsache, dass Banken Gelder geschaffen haben, bedeutet nicht, dass die geschaffene Einlage keine Verbindlichkeit oder Schuld ist.<\/p>\n<p>Mason er\u00f6rtert auch, wie das TARGET2-System mit der EZB\/den NZBen zusammen-arbeitet. Die NZBen verf\u00fcgen \u00fcber unbegrenzte und unbesicherte \u00dcberziehungskredite untereinander, und im Gegensatz zu den Vereinbarungen vor der Gr\u00fcndung des Euro-W\u00e4hrungsgebiets besteht keine vergleichbare Sorge, dass den Zentralbanken die Reserven ausgehen. <\/p>\n<p>Unbegrenzte \u00dcberziehungskredite f\u00fcr die NZBen bedeuten jedoch nicht unbegrenzte \u00dcberziehungskredite f\u00fcr das ganze Land! Es ist nur so, dass die Krise anderswo zu beobachten ist, wie im Bankwesen und an den M\u00e4rkten f\u00fcr Staatsanleihen.<\/p>\n<p>Mason st\u00f6rt sich auch an Formulierungen wie &#8222;Kapitalflucht&#8220;. Aber Anleger k\u00f6nnen Verm\u00f6genswerte verkaufen und Gelder in ein anderes Land verschieben, und das kann Druck auf die Banken aus\u00fcben. Inwiefern ist der Satz nicht hilfreich, um zu beschreiben, was vor sich geht?<\/p>\n<p>Das Problem mit dem Euro-W\u00e4hrungsgebiet besteht darin, dass die Regierungen angesichts der unwiderruflich festgelegten Wechselkurse und der Tatsache, dass die Regierungen keine \u00dcberziehungskredite bei ihren NZBen haben d\u00fcrfen, ihre W\u00e4hrung nicht abwerten oder unabh\u00e4ngige fiskalische Ma\u00dfnahmen ergreifen k\u00f6nnen, wenn es die M\u00e4rkte nicht  zulassen. Fest oder unver\u00e4nderlich, das Problem ist da, und das Setup der Eurozone macht es noch schlimmer. <\/p>\n<p>Aus den Daten von Eurostat geht hervor, dass die L\u00e4nder des Euroraums mit der schlechtesten Nettoauslandsverm\u00f6gensposition diejenigen waren, die die schlimmste Krise erlebten. Der Nettoauslandsverm\u00f6gensbestand setzt sich zusammen aus dem kumulierten Leistungsbilanzsaldo zuz\u00fcglich Neubewertungen\/Haltegewinnen\/ &#8222;Ver\u00e4u\u00dferungsgewinnen&#8220;.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die L\u00f6sung der Krise nicht die Lohndeflation (manchmal auch als interne Abwertung bezeichnet), sondern die Bildung einer Zentralregierung. Mit dieser Zentral-regierung werden fiskalische Transfers m\u00f6glich, wobei einige L\u00e4nder des Euroraums mehr von der Regierung erhalten als sie an Steuern \u00fcberweisen. <\/p>\n<p>Dies w\u00fcrde die Leistungsbilanz dieser L\u00e4nder verbessern und die Ungleichgewichte in Schach halten. Eine Zentralregierung w\u00e4re sowohl in der Lage, unabh\u00e4ngig zu handeln als auch Ungleichgewichte in Schach zu halten.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/www.concertedaction.com\/2023\/07\/03\/the-euro-area-crisis-as-a-balance-of-payments-crisis\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> von <a href=\"https:\/\/www.concertedaction.com\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">The Case For Concerted Action<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem k\u00fcrzlich erschienenen Blogbeitrag argumentiert J. W. Mason, dass die Leistungs-bilanzungleichgewichte in der Zahlungsbilanz nicht die Ursache der Krise im Euroraum sind. Die Mitglieder der Eurozone (Stand 1. Januar 2023) Das ist v\u00f6llig falsch! Leistungsbilanzdefizite wirken sich auf den<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[33,24,14,44,18],"class_list":["post-23133391","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-deflation","tag-globalisierung","tag-lohn","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23133391","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23133391"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23133391\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24375632,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23133391\/revisions\/24375632"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23133391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23133391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23133391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}