{"id":22977805,"date":"2023-07-06T07:00:52","date_gmt":"2023-07-06T05:00:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=22977805"},"modified":"2026-04-01T15:03:02","modified_gmt":"2026-04-01T13:03:02","slug":"der-repraesentative-agent-muss-endlich-sterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-repraesentative-agent-muss-endlich-sterben\/","title":{"rendered":"Der repr\u00e4sentative Agent muss endlich sterben&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Vor kurzem starb <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Robert_E._Lucas\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Robert Lucas<\/a>, der als \u00d6konom bezeichnet wurde. Hier geht es aber eigentlich nicht um ihn pers\u00f6nlich, sondern um seine Art von \u00d6konomie, denn Tweets und Nachrufe zeigen, dass noch nicht allgemein verstanden ist, welche Art von Wissenschaft neoklassische Makro\u00f6konomen wie er hervorgebracht haben. <\/p>\n<p><center><a title=\"G.dallorto, Attribution, via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:7074_-_A_baby_contributes_to_his_mom%27s_shopping_-_Foto_Giovanni_Dall%27Orto,_Verbania,_Jan_5_2011.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"7074 - A baby contributes to his mom&#039;s shopping - Foto Giovanni Dall&#039;Orto, Verbania, Jan 5 2011\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/a\/a6\/7074_-_A_baby_contributes_to_his_mom%27s_shopping_-_Foto_Giovanni_Dall%27Orto%2C_Verbania%2C_Jan_5_2011.jpg\"><\/a><br \/>\n<em>Ein Baby hilft Mama beim Einkaufen in einem Supermarkt in Verbania (Italien).<br \/>\nBild von <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/User:G.dallorto\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Giovanni Dall&#8217;Orto<\/a>, 5. Januar 2012.<br \/>\nNicht unbedingt der Idealtyp eines repr\u00e4sentativen Agenten&#8230;<\/em><\/center><\/p>\n<p>Ihr ungeheuerlichstes Versagen: Nach jahrzehntelanger Arbeit haben sie nicht einmal <a href=\"https:\/\/www.taylorfrancis.com\/books\/mono\/10.4324\/9781351136709\/macroeconomic-measurement-versus-macroeconomic-theory-merijn-knibbe\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">einen Schimmer von irgendetwas<\/a>, das als neoklassische Art der der Makro\u00f6konomie durchgehen k\u00f6nnte, selbst wenn ihre Ideen im krassen Widerspruch zu der Wissenschaft stehen, wie wir sie verstehen. Theorie ohne jede Empirie.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Lucas bediente sich \u2013 wie viele andere \u2013 des Konzepts des repr\u00e4sentativen Agenten. Ein makro\u00f6konomisches Modell, das davon ausgeht, dass die Wirtschaft aus einer Person besteht, ein Robinson-Crusoe-Modell \u2013 oder nur reine Fantasie? <\/p>\n<p>Das ist grunds\u00e4tzlich falsch, denn das Wesen einer Makro\u00f6konomie \u2013 ihr grundlegendes Wesen, ihre conditio sine qua non, ihr tiefster Kern \u2013 besteht darin, dass eine Volkswirtschaft aus mehreren Personen besteht, die durch wirtschaftliche, politische und rechtliche Beziehungen miteinander verbunden sind. <\/p>\n<p>Und auch durch monet\u00e4re Verflechtungen. Geld ist in der 1-Personen-Wirtschaft vieler neoklassischer Makros undefiniert. Heutzutage haben wir HANK-Modelle, heterogene Agentenmodelle, die mehr als einen Konsumenten\/Produzenten haben, wie etwa: Kapitalisten, die das gesamte Kapital besitzen, das verwendet wird um andere zu besch\u00e4ftigen und Arbeitnehmer, die nur Kapital besitzen, das sie selbst verwenden um dem Ganzen eine marxistische Wendung zu geben. Das ist besser \u2013 aber noch nicht gut genug.<\/p>\n<p>Was ist das Besondere an der Makro\u00f6konomie? Die Makro\u00f6konomie befasst sich mit zwischen-menschlichen Konzepten wie:<\/p>\n<p>&#8211; Ungleichheit (bei Verm\u00f6gen, Einkommen). F\u00fcrs Protokoll: <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/referenceworkentry\/10.1007\/978-3-319-57365-6_148-1\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Wir messen makro-\u00f6konomische Ungleichheit<\/a>.<\/p>\n<p>&#8211; Arbeitslosigkeit (erfordert Arbeitgeber und Arbeitnehmer und wird <a href=\"https:\/\/ilostat.ilo.org\/topics\/unemployment-and-labour-underutilization\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">sorgf\u00e4ltig konzipiert, einschlie\u00dflich der &#8222;breiten Arbeitslosigkeit&#8220;, und gemessen<\/a>)<\/p>\n<p>&#8211; Paradoxien (wie das <a href=\"https:\/\/www.investopedia.com\/terms\/p\/paradox-of-thrift.asp\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Paradox der Sparsamkeit<\/a>: Wenn jeder anf\u00e4ngt, einen gr\u00f6\u00dferen Teil seines monet\u00e4ren Einkommens zu sparen, sinken die monet\u00e4ren Ausgaben und Einnahmen und niemand spart mehr Geld)<\/p>\n<p>&#8211; Irrt\u00fcmer der Komposition. Dies ist der Trugschluss &#8222;So wie ein einzelnes H2O-Atom nicht gefrieren kann, kann Wasser auch nicht gefrieren&#8220;. Oft wird das Paradoxon der Sparsamkeit als wirtschaftliches Beispiel genannt. Aber das ist nur eines von vielen (monet\u00e4ren) Beispielen. <\/p>\n<p>Um direkt zum repr\u00e4sentativen Verbrauchermodell zu kommen: Dies geht davon aus, dass die Makro\u00f6konomie auch kein Geld braucht, wie wir es kennen und messen und verwenden, da eine einzelne Person nicht im monet\u00e4ren Sinne handelt und kein Geld braucht. Dies umfasst auch die Idee der emergenten Variablen. Die &#8222;Schlittschuhf\u00e4higkeit eines zugefrorenen Sees&#8220; ist eine emergente Variable, ebenso wie <a href=\"https:\/\/www.nber.org\/system\/files\/working_papers\/w21021\/w21021.pdf\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">eine Finanzkrise<\/a> in einer monet\u00e4ren Wirtschaft.<\/p>\n<p>&#8211; Sektorale Str\u00f6me, d.h. Str\u00f6me zwischen Wirtschaftssektoren, die zu unterschiedlichen Clustern geh\u00f6ren und unterschiedliche Nachfrage- und Produktionselastizit\u00e4ten, unterschiedliche Standorte und unterschiedliche Technologien mit Unterschieden zwischen Kapital- und Arbeitskoeffizienten, gemessen am Anteil von Kapitaleinkommen und Arbeitseinkommen, aufweisen. <\/p>\n<p>&#8211; <a href=\"https:\/\/www.bea.gov\/data\/industries\/input-output-accounts-data\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Input-Output-Modelle<\/a> basieren auf dieser Idee und dem wichtigsten makro\u00f6konomischen Messsystem, den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, die sektorale Accounts enthalten (die daher die Wirtschaft als eine Einheit modellieren).<\/p>\n<p>&#8211; Konjunkturzyklen als intersektorale, intertemporale und monet\u00e4re Ereignisse (auch wenn sie, inspiriert von der Arbeit von <a href=\"https:\/\/www.nber.org\/books-and-chapters\/wesley-mitchell-and-national-bureau\/wesley-mitchell-and-national-bureau\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Wesley Mitchell<\/a> vom NBER so gemessen werden, gelten die Zyklen in den USA als inh\u00e4rent historische Prozesse)<\/p>\n<p>&#8211; Die Produktionsfaktoren sind Arbeit, Sachkapital und Land und nat\u00fcrliche Ressourcen. Das <a href=\"https:\/\/news.mongabay.com\/2020\/12\/land-inequality-international-coalition-oxfam-report\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">(Eigentum an) Land und die nat\u00fcrlichen Ressourcen<\/a> stellen ein Element der (internationalen) Makro\u00f6konomie dar. Es versteht sich von selbst, dass Land und nat\u00fcrliche Ressourcen aus dem neoklassischen Makro im Stile von Robert Lukas ausgeschlossen sind.<\/p>\n<p>&#8211; sogenannte <a href=\"https:\/\/jwmason.org\/slackwire\/quick-note-on-rent-regulation\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Renteneinkommen&#8220;<\/a><\/p>\n<p>Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit. Aber anstatt solche gemessenen Ph\u00e4nomene der realen Welt zu untersuchen, entschieden sich neoklassische Makro\u00f6konomen daf\u00fcr, das wirtschaft-liche LaLa-Land zu analysieren \u2013 wiederum ohne auch nur den Schimmer einer M\u00f6glichkeit zu konstruieren, ihre Vorstellung von Makro zu ermessen. <\/p>\n<p>Fun Fact: Einige der Modelle verwenden &#8222;Arbeit&#8220; als Variable, vergessen aber sie als Stunden oder Personen zu definieren. Das sollte nicht einmal in einem Economics 101-Papier passieren. Vage, pingelig und nutzlos. Vergessen wir sie lieber.<\/p>\n<p>P.S. \u2013 in <i>meinen<\/i> tropischen Inselfantasien bin ich bestimmt nicht allein&#8230;<\/p>\n<p><em>(\u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/rwer.wordpress.com\/2023\/05\/19\/the-representative-consumer-has-to-die\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blogbeitrages<\/a> des niederl\u00e4ndischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Merijn_Knibbe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Merijn Knibbe<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor kurzem starb Robert Lucas, der als \u00d6konom bezeichnet wurde. 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