{"id":216568,"date":"2014-09-19T06:58:27","date_gmt":"2014-09-19T04:58:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=216568"},"modified":"2024-10-18T08:06:52","modified_gmt":"2024-10-18T06:06:52","slug":"es-gibt-keinen-direkten-zusammenhang-zwischen-steuersaetzen-und-wirtschaftswachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/es-gibt-keinen-direkten-zusammenhang-zwischen-steuersaetzen-und-wirtschaftswachstum\/","title":{"rendered":"Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Steuers\u00e4tzen und Wirtschaftswachstum"},"content":{"rendered":"<p>Der Blog <a href=\"http:\/\/acemaxx-analytics-dispinar.blogspot.de\/2014\/09\/steuersatze-und-wirtschaftswachstum.html\" title=\"ACEMAXX-ANALYTICS: Steuers\u00e4tze und Wirtschaftswachstum\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ACEMAXX-ANALYTICS<\/a> berichtet \u00fcber eine lesenswerte Studie von William Gale und Andy Samwick von der <a href=\"http:\/\/www.brookings.edu\/\" title=\"Brookings Institution\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brookings Institution<\/a> zu der interessanten Frage, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen der H\u00f6he der Steuers\u00e4tze und dem erzielten Wirtschaftswachstum am Beispiel der USA gibt.<\/p>\n<p><center><a href=\"http:\/\/acemaxx-analytics-dispinar.blogspot.de\/2014\/09\/steuersatze-und-wirtschaftswachstum.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/1.bp.blogspot.com\/-RXv7A16ZxGk\/VBb5VCDzgGI\/AAAAAAAAPQo\/mhMcKoASDvI\/s1600\/Taxes%2Band%2BGrowth%2C%2Bchart%2BGale%2Band%2BSamwick%2C%2BSept%2B2014.jpg\" width=\"468\" alt=\"Steuers\u00e4tze und Wirtschaftswachstum\" \/><\/a><br \/>\n<em>Steuers\u00e4tze und Wirtschaftswachstum, Grafik: <a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/09_Effects_Income_Tax_Changes_Economic_Growth_Gale_Samwick.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">William G. Gale and Andrew A. Samwick<\/a> in: Effects of Income Tax Changes on Economic Growth, Sept 2014<br \/>\n<\/em><\/center><\/p>\n<p>Er verweist dabei auf einen <a href=\"http:\/\/growthecon.wordpress.com\/2014\/09\/12\/taxes-and-growth\/\" title=\"Taxes and Growth | The Growth Economics Blog\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blog-Beitrag<\/a> von <a href=\"https:\/\/uh.edu\/class\/economics\/people\/current-faculty\/vollrath\/\" title=\"Dietrich Vollrath, Ph.D.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dietz Vollrath<\/a>, \u00d6konomie-Professor an der Universit\u00e4t in Houston, der als Fazit der Untersuchung festh\u00e4lt: <\/p>\n<blockquote><p><b>Es gibt keine Beziehung. Die Autoren ermitteln keine Ver\u00e4nderung im Trend der Wachstumsrate der realen Wirtschaftsleistung (BIP) pro Kopf in Bezug auf die Grenzsteuers\u00e4tze, seien es Einkommens-, Ertrags- oder Bundessteuern.<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Weiter f\u00fchrt er aus (eigene \u00dcbersetzung aus seinem Blog-Beitrag):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/people\/william-g-gale\/\" title=\"William G. Gale, The Brookings Institution and Tax Policy Center\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">William Gale<\/a> und <a href=\"https:\/\/economics.dartmouth.edu\/people\/andrew-samwick\" title=\"Andrew Samwick's Home Page at Dartmouth College\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andy Samwick<\/a> haben eine neue Studie \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Steuers\u00e4tzen und Wirtschaftswachstum in den USA ver\u00f6ffentlicht. Darin konnten sie keine Zusammenh\u00e4nge zwischen der Trendwachstumsrate des realen Pro-Kopf-BIP mit Ver\u00e4nderungen bei den Einkommens- oder Kapitalsteuern oder bei Abgaben aufgrund von Bundes-Steuervorschriften feststellen. <\/p>\n<p>Ihr erstes wichtiges Beweisst\u00fcck ist ein <a href=\"http:\/\/ideas.repec.org\/a\/ucp\/jpolec\/v103y1995i3p519-50.html\" title=\"Growth Effects of Flat-Rate Taxes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Papier von Nancy Stokey und Sergio Rebelo (1995)<\/a>. Darin wird obige Grafik publiziert, die im oberen Bereich die Steuern in Prozent des BIP darstellt, w\u00e4hrend im unteren Bereich die Wachstumsrate des BIP pro Kopf wiedergegeben wird.<\/p>\n<p>Dabei kann man erkennen, dass die Einf\u00fchrung von sehr hohen Steuers\u00e4tzen im Zweiten Weltkrieg, die auch danach als effektive dauerhafte Merkmale der Wirtschaft lange erhalten blieben, an der Trendwachstumsrate des BIP pro Kopf nicht im geringsten etwas ge\u00e4ndert hatte.<br \/>\nDer einzige Unterschied nach 1940 in der unteren Figur ist der, dass die Schwankungen in der Wirtschaft weniger schwerwiegend waren als in den Vorjahren. So scheinen die Steuers\u00e4tze als ein prozentualer Anteil des BIP demnach keinerlei relevante Beziehungen zu den Wachstumsraten zu haben. <\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Beweisst\u00fcck ist ein <a href=\"http:\/\/graphics8.nytimes.com\/news\/business\/0915taxesandeconomy.pdf\" title=\"Taxes and the Economy: An Economic\nAnalysis of the Top Tax Rates Since 1945\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Papier von Thomas Hungerford (2012)<\/a>, der allerdings nur die Nachkriegszeit betrachtete und dabei versuchte festzustellen, ob die Schwankungen der Spitzensteuers\u00e4tze (entweder auf Einkommen oder Kapitalertr\u00e4ge) in einem Zusammenhang mit den Wachstumsraten standen. Sein Res\u00fcmee war \u00e4hnlich dem von Stokey und Rebelo: Es gab schlichtweg keinen.<br \/>\nWenn \u00fcberhaupt, so waren h\u00f6here Kapitalgewinne mit schnellerem Wirtschaftswachstum verbunden. <\/p>\n<p>Das Fazit aus diesen Ausf\u00fchrungen ist daher, dass es keine Beweise gibt, nach denen sich durch die \u00c4nderung der Steuers\u00e4tze -nach oben oder unten- etwas an der Wachstumsrate der Wirtschaft ver\u00e4ndert -nach oben oder unten. <\/p>\n<blockquote><p><b><br \/>\nDas Argument, dass Einkommensteuersenkungen das Wachstum erh\u00f6hen, wird so oft wiederholt, dass es manche wie ein Evangelium betrachten. <\/p>\n<p>Dabei sprechen jedoch Theorie, empirische Nachweise und Simulationsstudien f\u00fcr eine ganz andere und viel kompliziertere Geschichte. <\/p>\n<p>Steuersenkungen haben zwar durchaus das Potenzial, das Wirtschaftswachstum durch die Verbesserung von Arbeits-, Spar- und Investitionsanreizen zu erh\u00f6hen. <\/p>\n<p>Aber sie schaffen gleichzeitig auch Einkommenseffekte, die den Bedarf an produktiver Wirtschaftst\u00e4tigkeit reduzieren. <\/p>\n<p>Ebenso k\u00f6nnen sie bereits vorhandenes Kapital weiter subventionieren und so unverhoffte Gewinne und Mitnahmeeffekte f\u00fcr die Verm\u00f6gensinhaber hervorrufen, durch die Anreize f\u00fcr neue Investitionen untergraben werden. <\/b><\/p><\/blockquote>\n<p>Und so bleibt festzuhalten, dass die Auswirkungen von Steuersenkungen auf das Wirtschaftswachstum eigentlich v\u00f6llig ungewiss sind.<br \/>\nDemnach hat auch die von vielen Politikern unterschiedlichster Couleur immer wieder gern gestellte Forderung nach Steuersenkungen als generelle Voraussetzung f\u00fcr st\u00e4rkeres Wirtschaftswachstum keinerlei echte Grundlage. Sie ist daher tats\u00e4chlich das, was man eigentlich schon immer vermuten konnte: ein Mythos.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Blog ACEMAXX-ANALYTICS berichtet \u00fcber eine lesenswerte Studie von William Gale und Andy Samwick von der Brookings Institution zu der interessanten Frage, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen der H\u00f6he der Steuers\u00e4tze und dem erzielten Wirtschaftswachstum am Beispiel der USA<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[18],"class_list":["post-216568","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216568","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=216568"}],"version-history":[{"count":31,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216568\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3824865,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216568\/revisions\/3824865"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=216568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=216568"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=216568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}