{"id":19980003,"date":"2022-04-05T07:00:37","date_gmt":"2022-04-05T05:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=19980003"},"modified":"2022-10-24T09:29:15","modified_gmt":"2022-10-24T07:29:15","slug":"und-immer-wieder-die-hartnaeckige-ignoranz-solider-finanzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/und-immer-wieder-die-hartnaeckige-ignoranz-solider-finanzen\/","title":{"rendered":"Und immer wieder: Die hartn\u00e4ckige Ignoranz &#8222;Solider Finanzen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Zu vielen konservativen und neoliberalen Politikern und \u00d6konomen scheint heute erneut ein Gespenst in den Vereinigten Staaten und Europa umzugehen &#8211; Regierungen verfolgen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Keynesianismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">keynesianische<\/a> Ideen, um eine Politik der Erh\u00f6hung der effektiven Nachfrage und der F\u00f6rderung der Besch\u00e4ftigung zu erreichen. <\/p>\n<p><Center><a title=\"Michal Kalecki by Manuel Garc\u00eda J\u00f3dar (Own work) [CC BY 2.5 es (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.5\/es\/deed.en)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AMichal_Kalecki.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"206\" alt=\"Michal Kalecki\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/7\/76\/Michal_Kalecki.jpg\"\/><\/a><br \/>\n<em>\u200eEin Portr\u00e4t von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Micha%C5%82_Kalecki\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Michal Kalecki<\/a><\/em><\/center><\/p>\n<p>Zu den beliebtesten Argumenten, um diese &#8222;Keynesophobics&#8220; zu bek\u00e4mpfen, geh\u00f6ren das Argument des <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/michal-kalecki-und-das-vertrauen-der-wirtschaft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Vertrauens&#8220;<\/a> (siehe auch <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-staendige-wiederkehr-der-unsaeglichen-vertrauens-fee\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die uns\u00e4gliche Vertrauens-Fee<\/a>) sowie die Lehre von den &#8222;Soliden Finanzen&#8220;.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Ist dieser dumme und geistlose Kreuzzug gegen die wirtschaftliche Vernunft neu? Nein, \u00fcberhaupt nicht. Bereits im Jahre 1943 schrieb ein ber\u00fchmter polnischer \u00d6konom folgendes in einem klassischen Aufsatz \u00fcber &#8222;Solide Finanzen&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p>Zun\u00e4chst ist festzustellen, dass, obwohl heute die meisten \u00d6konomen in der Ansicht \u00fcbereinstimmen, dass die Vollbesch\u00e4ftigung allein durch die H\u00f6he der Staatsausgaben erreicht werden kann, dies keineswegs auch in der j\u00fcngsten Vergangenheit der Fall war. Unter den Gegnern dieser Lehre waren (und sind) prominente sogenannte &#8222;Wirtschaftsexperten&#8220;, die eng mit Banken und der Industrie verbunden sind. <\/p>\n<p>Dies legt nahe, dass es einen politischen Hintergrund in der Opposition gegen die Lehre von der Vollbesch\u00e4ftigung gibt, obwohl die vorgebrachten Argumente wirtschaftlicher Art sind. Dabei kann man nicht einmal behaupten, dass die Menschen, die diese Begr\u00fcndungen heranziehen, nicht an die \u00d6konomie glauben. Doch eine hartn\u00e4ckige Ignoranz bedeutet in der Regel eine Manifestation der zugrunde liegenden politischen Motive&#8230;<\/p>\n<p>Es ist klar, dass nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Unternehmer von einer h\u00f6heren Produktion und Besch\u00e4ftigung profitieren, weil dadurch deren Gewinne steigen. Und die oben skizzierte Politik der Vollbesch\u00e4ftigung greift nicht in diese Gewinne ein, weil sie keine zus\u00e4tzlichen Steuern ben\u00f6tigt. <\/p>\n<p>Die Unternehmer sehnen sich in der Krise nach einem Boom; warum sollten sie also nicht gerne einen k\u00fcnstlichen Aufschwung akzeptieren, den ihnen die Regierung anbieten kann? Es ist diese schwierige und faszinierende Frage, mit der wir uns in diesem Artikel befassen&#8230;<\/p>\n<p>Wir behandeln zun\u00e4chst die Zur\u00fcckhaltung der &#8222;Industriekapit\u00e4ne&#8220; bei der Annahme von staatlichen Eingriffen in die Frage der Besch\u00e4ftigung. Jede Ausweitung der Staatst\u00e4tigkeit auf ihr Gesch\u00e4ft wird mit Argwohn betrachtet, doch die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen durch die Staatsausgaben hat einen besonderen Aspekt, der diese Opposition besonders intensiv macht. <\/p>\n<p>In einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Laissez-faire\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Laissez-faire<\/a>-System h\u00e4ngt das Besch\u00e4ftigungsniveau in hohem Ma\u00dfe von dem so genannten &#8222;Vertrauen&#8220; der Wirtschaft ab. Wenn dieses sich verschlechtert, habe das R\u00fcckg\u00e4nge bei den privaten Investitionen zur Folge, durch die es zu einem Absturz von Produktion und Besch\u00e4ftigung (sowohl direkt als auch \u00fcber den Sekund\u00e4reffekt der Verringerung der Einkommen auf Konsum und Investitionen) kommt. <\/p>\n<p>Dies gibt den Kapitalisten eine leistungsf\u00e4hige indirekte Kontrolle \u00fcber die Regierungspolitik: alles, was diesen Zustand des Vertrauens ersch\u00fcttern kann, muss sorgf\u00e4ltig vermieden werden, weil es in eine Wirtschaftskrise f\u00fchren w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Doch sobald die Regierung den Trick der Erh\u00f6hung der Besch\u00e4ftigung durch ihre eigenen Ausgaben lernt, verliert diese leistungsstarke Steuerungsvorrichtung ihre Wirksamkeit. Daher m\u00fcssen Haushaltsdefizite, die f\u00fcr die Durchf\u00fchrung staatlicher Eingriffe erforderlich sind, grunds\u00e4tzlich als gef\u00e4hrlich angesehen werden. <\/p>\n<p>Die soziale Funktion der Lehre von den &#8222;soliden Finanzen&#8220; ist nichts anderes, als das Besch\u00e4ftigungsniveau vom Zustand des &#8222;Vertrauens&#8220; abh\u00e4ngig  zu machen.<\/p>\n<p><em>Michal Kalecki in <a href=\"http:\/\/mrzine.monthlyreview.org\/2010\/kalecki220510.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Political Aspects of Full Employment<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu vielen konservativen und neoliberalen Politikern und \u00d6konomen scheint heute erneut ein Gespenst in den Vereinigten Staaten und Europa umzugehen &#8211; Regierungen verfolgen keynesianische Ideen, um eine Politik der Erh\u00f6hung der effektiven Nachfrage und der F\u00f6rderung der Besch\u00e4ftigung zu erreichen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[47,48,43,32,29,44,18],"class_list":["post-19980003","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-austeritaet","tag-geldtheorie","tag-keynes","tag-schulden","tag-sparen","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19980003","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19980003"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19980003\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21698318,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19980003\/revisions\/21698318"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19980003"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19980003"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19980003"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}