{"id":195990,"date":"2014-09-22T07:02:58","date_gmt":"2014-09-22T05:02:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=195990"},"modified":"2014-09-22T07:02:58","modified_gmt":"2014-09-22T05:02:58","slug":"der-lautenbach-plan-1931-teil-5-beispiel-eines-bau-und-beschaffungsprogrammes-durch-die-reichsbahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-lautenbach-plan-1931-teil-5-beispiel-eines-bau-und-beschaffungsprogrammes-durch-die-reichsbahn\/","title":{"rendered":"Der Lautenbach-Plan 1931 &#8211; Teil 5: Beispiel eines Bau- und Beschaffungsprogrammes durch die Reichsbahn"},"content":{"rendered":"<p>Zum leichteren Verst\u00e4ndnis seines in <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-lautenbach-plan-1931-teil-3-produktive-kreditschoepfung-als-notmassnahme-gegen-die-depression\/\" title=\"Der Lautenbach-Plan 1931 \u2013 Teil 3: Produktive Kreditsch\u00f6pfung als Notma\u00dfnahme gegen die Depression \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\">Teil 3<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-lautenbach-plan-1931-teil-4-moeglichkeiten-einer-konjunkturbelebung-durch-investition-und-kreditausweitung\/\" title=\"Der Lautenbach-Plan 1931 \u2013 Teil 4: M\u00f6glichkeiten einer Konjunkturbelebung durch Investition und Kreditausweitung \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\">4<\/a> erl\u00e4uterten Programmes zur Konjunturankurbelung mittels Arbeitsbeschaffung, Investition und Kreditausweitung skizzierte Wilhelm Lautenbach die Wirkung einer solchen Ma\u00dfnahme anhand eines Beispiels:<br \/>\neines Bau- und Besch\u00e4ftigungsprogrammes durch die damalige <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Reichsbahn_(1920%E2%80%931945)\" title=\"Deutsche Reichsbahn (1920\u20131945) \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Deutsche Reichsbahn<\/a>.<\/p>\n<p><center><a title=\"Dampflokomotive der BR 05 mit Stromlinienverkleidung der Deutschen Reichsbahn M\u00e4rz 1935, Bundesarchiv, Bild 102-16693 \/ CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/deed.en)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ABundesarchiv_Bild_102-16693%2C_Stromlinienlokomotive_05_001.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Bundesarchiv Bild 102-16693, Stromlinienlokomotive 05 001\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/1\/1c\/Bundesarchiv_Bild_102-16693%2C_Stromlinienlokomotive_05_001.jpg\"\/><\/a><\/center><\/p>\n<p>Zur besseren Illustrierung dieses Beispiels setzte Lautenbach folgende Parameter:<br \/>\nEr nahm an, dass die Reichsbahn in einem halben Jahr ein zus\u00e4tzliches Bau- und Beschaffungsprogramm im Ausma\u00dfe von 1.200 Millionen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichsmark\" title=\"Reichsmark \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Reichsmark<\/a> (RM) ausf\u00fchre und dar\u00fcber hinaus im gleichen Zeitraum noch 300 Millionen RM f\u00fcr den Stra\u00dfenbau aufgewendet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sollte im Zuge einer solchen Aktion das Lohn- und Gehaltsniveau der Volkswirtschaft insgesamt um etwa 5 % gesenkt werden, was einer Nachfragedrosselung von etwa 500 Millionen RM entsprechen w\u00fcrde. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Die Folgen dieses Projekts skizzierte er so: <\/p>\n<blockquote><p><b><br \/>\nBeim Stra\u00dfenbau d\u00fcrften, wenn man die Arbeiten in Steinbr\u00fcchen, Kiesgruben usw. mitber\u00fccksichtigt, nicht aber die weiteren Vor- und Erg\u00e4nzungsproduktionen, wie etwa Teer, Kohle usw., 60% der Bausumme auf Lohngelder entfallen, also etwa 180 Millionen RM. <\/p>\n<p>Bei der Eisenbahn w\u00fcrde f\u00fcr Arbeiten, die der Verbesserung des Oberbaus, Br\u00fccken usw. dienen, unmittelbar an der Arbeitsst\u00e4tte sch\u00e4tzungsweise 1\/3 der aufgewendeten Summe f\u00fcr L\u00f6hne erforderlich sein.<\/b><\/p>\n<p><em>Wilhelm Lautenbach: M\u00f6glichkeiten einer Konjunkturbelebung durch Investition und Kreditausweitung, 9. September 1931, S. 8<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Seiner Ansicht nach w\u00e4ren zus\u00e4tzliche L\u00f6hne f\u00fcr die Bereitstellung der bei diesem Programm verwendeten Materialien (Tr\u00e4ger, Schienen, Schwellen usw.) nur in dem Ma\u00dfe erforderlich, als diese Materialien nicht aus vorhandenen \u00fcbersch\u00fcssigen L\u00e4gern geliefert werden k\u00f6nnten. Gleichzeitig unterstellte er dabei, dass s\u00e4mtliche f\u00fcr den Eisenbahnbau ben\u00f6tigten G\u00fcter auch aus diesen mit der \u00dcberproduktion gef\u00fcllten Depots lieferbar w\u00e4ren. <\/p>\n<p>Daraus schloss er folgende Zahlen:<br \/>\nDie zus\u00e4tzlichen Lohnsummen w\u00fcrden im Stra\u00dfenbau 180 Millionen RM, im Eisenbahnbau 400 Millionen RM, als Summe also insgesamt 580 Millionen RM betragen.<\/p>\n<p>Demnach w\u00fcrde sich die Gesamtlohnsumme in der Wirtschaft \u00fcber das halbe Jahr gerechnet gegen\u00fcber dem vorherigen Stand nur um 80 Millionen RM erh\u00f6hen (580 Mill. RM neue Geh\u00e4lter abzgl. 500 Mill. RM gesamtwirtschaftliche Lohnk\u00fcrzungen). Es liegt nahe, dass auf den Konsumg\u00fctermarkten damit nur wenige und daher weitestgehend bedeutungslose Ver\u00e4nderungen eintreten w\u00fcrden.<br \/>\nDoch damit w\u00e4re die Wirkung eines solchen Programmes aber noch nicht am Ende: <\/p>\n<p>Vielmehr ginge es dann um die weitergehenden Ver\u00e4nderungen, die dann bei der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rentabilit%C3%A4t\" title=\"Rentabilit\u00e4t \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Rentabilit\u00e4t<\/a> der Unternehmen und in der Kreditsph\u00e4re zu beobachten seien. Von der Gesamtbausumme von 1.500 Mill. RM dienten die nicht f\u00fcr Lohnzahlungen genutzten und nun noch zur Verf\u00fcgung stehenden \u00fcbrig gebliebenen 920 Mill. RM zur Bezahlung bereits vorhandener G\u00fcter und zum Ausgleich sonstiger Kosten (Steuern und Abgaben, Transportkosten, Abschreibungen von Maschinen und Ger\u00e4ten und dem Unternehmergewinn). <\/p>\n<p>Lautenbach nahm an, dass hiervon auf die o. g. sonstigen Kosten insgesamt 400 Mill. RM und auf die verbrauchten, aus den vorhandenen Depots entnommenen Produkte, G\u00fcter und Rohstoffe einschlie\u00dflich Betriebsstoffen usw. etwa 520 Mill. RM entfallen w\u00fcrden. <\/p>\n<p>Den Gegenwert der Materialien erhielten die Lieferanten dann nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diskontgesch%C3%A4ft\" title=\"Diskontgesch\u00e4ft \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Diskontierung<\/a> der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wechsel_(Urkunde)\" title=\"Wechsel (Urkunde) \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\">Wechsel<\/a> der Auftraggeber auf ihren Bankkonten gutgeschrieben. In der Regel w\u00fcrden dadurch aber nur ihre Bankschulden vermindert, w\u00e4hrend sie nur in verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig seltenen F\u00e4llen ein Bankguthaben bekommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Durch die Realisierung von vorhandenen Vorr\u00e4ten werden also regelm\u00e4\u00dfig bisher als illiquide zu betrachtende Bankschulden wieder absetzbar, so dass durch die neuen Finanzierungskredite insoweit die Summe der nicht handelbaren Bankanlagen nicht erh\u00f6ht, sondern nur verlagert worden w\u00e4re&#8230;<\/p>\n<p>Hinsichtlich der gezahlten L\u00f6hne gilt unter der von Lautenbach gesetzten Bedingung, dass die Gesamtlohnsumme in der Wirtschaft nur unerheblich gesteigert wird, dasselbe. Die Mehrausgabe von Geld einerseits wird nahezu ausgeglichen durch die Wenigerausgabe an Lohngeldern und Geh\u00e4ltern der \u00fcbrigen Wirtschaft andererseits. <\/p>\n<p>Gleichzeitig wird bei allen Unternehmen, die nicht an den \u00f6ffentlichen Arbeiten durch das Konjunkturprogramm beteiligt waren, infolge der Produktionskostensenkung bei gleichbleibendem Absatz und gleichbleibender Produktion der Erl\u00f6s gesteigert und der Kapital-bedarf entsprechend reduziert. <\/p>\n<p>Die Rentabilit\u00e4t in der gesamten Industrie h\u00e4tte sich etwas gebessert, doch damit w\u00e4re das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage noch immer nicht endg\u00fcltig hergestellt. Dieses Verh\u00e4ltnis w\u00fcrde sich erst dann schrittweise bessern, wenn die Firmen, die durch die Lieferung der G\u00fcter f\u00fcr die Ausf\u00fchrung des Arbeits-beschaffungsprogramms besonders beg\u00fcnstigt waren, ihre Lager stark r\u00e4umen k\u00f6nnten und es f\u00fcr sie sich wieder lohnen w\u00fcrde, mehr zu produzieren als bisher.<\/p>\n<p>Damit w\u00fcrde nach Lautenbach eine sich wiederholende Auswirkung dieses Ma\u00dfnahmenb\u00fcndels f\u00fcr die gesamte Wirtschaft eintreten:<\/p>\n<blockquote><p><b><br \/>\nDie Voraussetzung daf\u00fcr wird aber sein, da\u00df sie dann von ihren Banken wieder neuen Kredit bekommen. <\/p>\n<p>Dann wiederholt sich in allerdings erheblich verkleinertem Ma\u00dfe, aber nunmehr mit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig st\u00e4rkerer Wirkung der vorher geschilderte Proze\u00df: neuer Kredit, Neueinstellung von Arbeitern, vermehrte Nachfrage, nunmehr ohne Einschr\u00e4nkung an anderer Stelle. <\/p>\n<p>Damit Verschiebung des Verh\u00e4ltnisses von Angebot und Nachfrage, bisher nicht absetzbare Ware findet Absatz. Hiermit setzt also die eigentliche, die Gesamtproduktion belebende Bewegung ein&#8230;<\/b><\/p>\n<p><em>Wilhelm Lautenbach: M\u00f6glichkeiten einer Konjunkturbelebung durch Investition und Kreditausweitung, 9. September 1931, S. 9<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Mit dem sich aus diesen Bewegungen ergebenden neuen Rhythmus von Kreditausweitungen und -Schrumpfungen k\u00f6nnten sich die Bankkonten aus ihrer bisherigen Erstarrung l\u00f6sen. Dies w\u00fcrde vor allem eine erhebliche Entlastung des Kapitalmarktes bedeuten und gleichzeitig einen dringend notwendigen Prozess der Liquidation und Konsolidierung der Kreditwirtschaft einleiten. <\/p>\n<p>Zwar k\u00f6nnte der erhebliche Prozentsatz ausl\u00e4ndischer Gl\u00e4ubiger dieser Entwicklung vorerst enge Grenzen setzen, doch w\u00e4re es sehr wahrscheinlich, dass aufgrund der in der gesamten Wirtschaft eingesetzten Belebung die M\u00f6glichkeit, bisher im Ausland angelegtes einheimisches Kapital wieder zum Einstieg an der deutschen B\u00f6rse zu bewegen, erheblich zunehmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Als Fazit wiederhole ich abschlie\u00dfend die Feststellung aus <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-lautenbach-plan-1931-teil-4-moeglichkeiten-einer-konjunkturbelebung-durch-investition-und-kreditausweitung\/\" title=\"Der Lautenbach-Plan 1931 \u2013 Teil 4: M\u00f6glichkeiten einer Konjunkturbelebung durch Investition und Kreditausweitung \u203a \u00d6konomie und Sport\" target=\"_blank\">Teil 4<\/a> dieser Reihe, nach der eine Kreditexpansion zusammen mit einer ausgedehnten Investitionst\u00e4tigkeit zu einer Erweiterung der \u201cfl\u00fcssigen\u201d Mittel innerhalb der Kreditwirtschaft und damit wesentlich zu einer Konsolidierung des Bankwesens beitragen h\u00e4tte. <\/p>\n<p>Und es erscheint mir nicht \u00fcbertrieben, anzunehmen, dass eine solche Stabilisierung der Kreditsph\u00e4re zusammen mit den gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen eines Konjunkturprogrammes sehr wahrscheinlich ein entscheidender Beitrag zu einer fr\u00fchzeitigen \u00dcberwindung der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise im Deutschen Reich gewesen w\u00e4re.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum leichteren Verst\u00e4ndnis seines in Teil 3 und 4 erl\u00e4uterten Programmes zur Konjunturankurbelung mittels Arbeitsbeschaffung, Investition und Kreditausweitung skizzierte Wilhelm Lautenbach die Wirkung einer solchen Ma\u00dfnahme anhand eines Beispiels: eines Bau- und Besch\u00e4ftigungsprogrammes durch die damalige Deutsche Reichsbahn. 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