{"id":17548,"date":"2014-04-12T19:14:33","date_gmt":"2014-04-12T17:14:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=17548"},"modified":"2026-03-30T15:08:54","modified_gmt":"2026-03-30T13:08:54","slug":"geldpolitik-und-die-saekulare-stagnation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/geldpolitik-und-die-saekulare-stagnation\/","title":{"rendered":"Geldpolitik und die s\u00e4kulare Stagnation"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Federal_Reserve_System\" title=\"Federal Reserve System \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Federal Reserve<\/a> steuert bekanntlich direkt den kurzfristigen Zinssatz. Aber ihre eigentliche Priorit\u00e4t liegt auf der Kontrolle der Inflation sowie der Inflationserwartungen. <\/p>\n<p><center><a title=\"Dan Smith\nRdsmith4, CC BY-SA 2.5 &lt;https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.5&gt;, via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Federal_Reserve.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"400\" alt=\"Federal Reserve\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/f\/f4\/Federal_Reserve.jpg\/960px-Federal_Reserve.jpg\"><\/a><br \/>\n<em>Der Hauptsitz der Federal Reserve in Washington, DC<\/em><\/center><\/p>\n<p>Als Ma\u00dfstab gilt der Fed, langfristig das Ziel einer 2-prozentigen Inflation zu erreichen, und der bevorzugte Preisindex ist dabei die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kerninflation\" title=\"Kerninflation \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kerninflationsrate der privaten Konsumausgaben<\/a>, welche die volatilen Nahrungsmittel-und Energiesektoren ausblendet (in den USA als <a href=\"https:\/\/www.bea.gov\/help\/faq\/518\" title=\"Personal Consumption Expenditures Price Index\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Core PCE<\/a> bezeichnet). <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--> <\/p>\n<p>Die Frage w\u00e4re somit also, wie hat die Fed in den letzten 15 Jahren bei ihrem Versuch, das Ziel von 2% Inflation zu erreichen, abgeschnitten?<\/p>\n<p>Obige Abbildung stellt einerseits den angenommenen Verlauf des Core PCE-Indexes dar, wenn die Inflation ab 1999 tats\u00e4chlich j\u00e4hrlich um 2% gestiegen w\u00e4re (rote Linie ) sowie die tats\u00e4chliche Entwicklung des Core PCE-Index ( blaue Linie). <\/p>\n<p>Die blaue Linie verl\u00e4uft bemerkenswerterweise durchweg unterhalb der roten Linie, die L\u00fccke wurde nach der Finanzkrise nur noch gr\u00f6\u00dfer. Der kumulierte Effekt heute ist der, dass das Preisniveau aktuell um 4,7% unter dem Ziel liegt, welches die Fed mit ihrer Zinspolitik eigentlich langfristig erreichen wollte.<\/p>\n<p>Die Abweichung zwischen Soll-und Ist-Inflation ist umso bemerkenswerter angesichts der gestiegenen Arbeitslosenrate w\u00e4hrend dieses Zeitraums. Mian und Sufi haben in einem fr\u00fcheren Beitrag angemerkt, wie die wirtschaftliche Erholung nach den Rezessionen 2001 und 2009 verlaufen ist: es gab jeweils eine erhebliche Steigerung in der Produktion, aber nicht bei der Besch\u00e4ftigung. Die Fed hat allerdings bekanntlich ein Doppelmandat &#8211; neben der Inflationssteuerung z\u00e4hlt dazu auch die Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit. <\/p>\n<p>Es wird traditionell angenommen, dass es eine gegenl\u00e4ufige Beziehung zwischen diesen beiden Zielen gibt und ein h\u00f6heres Niveau der Arbeitslosigkeit es der Fed eigentlich nicht erlaubt h\u00e4tte, den Zinssatz dauerhaft unterhalb ihres 2% Inflationsziels zu halten (das ist die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Taylor-Regel\" title=\"Taylor-Regel \u2013 Wikipedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ber\u00fchmte Taylor-Regel<\/a>). Tats\u00e4chlich aber hat die Fed trotz hoher Arbeitslosigkeit ihre Zielinflationsrate meistens unterschritten.<\/p>\n<p>Nicht das die Fed nicht alles M\u00f6gliche versucht h\u00e4tte &#8211; die kurzfristigen Zinsen wurden sogar f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Zeitraum auf Null gesetzt, und die Fed kaufte Milliarden von Dollar in Anleihen. Doch die Kluft zwischen den roten und blauen Linien ging trotzdem immer weiter auseinander.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten der Fed bei der Einhaltung ihres 2 %-Ziels bestehen nicht nur aus den Folgen der Gro\u00dfen Rezession. Die Divergenz begann bereits in den 2000er Jahren, als  die Fed die nominalen Zinss\u00e4tze im historischen Vergleich schon sehr niedrig hielt. Tats\u00e4chlich ist der einzige Zeitraum, in dem die blaue Linie parallel zur roten verl\u00e4uft und damit auch wirklich eine Inflationsrate von 2% erreicht wurde, der Zeitraum von 2004 bis 2006, als die Wirtschaft ein beispielloses Kreditwachstum erlebte.<\/p>\n<p>In normalen Zeiten sollten wir eigentlich eine stark ansteigende Inflation angesichts einer solchen Geschwindigkeit der Kreditvergabe und des damit verbundenen Konsum-Booms haben. Aber wir leben heute nicht mehr in normalen Zeiten.<\/p>\n<p>Wir stehen stattdessen vor den Grenzen dessen, was Geldpolitik allein noch leisten kann. H\u00e4ufig gibt es eine Tendenz zu der Annahme, dass die Fed jede &#8222;Ziel&#8220;-Inflationsrate gem\u00e4\u00df ihren W\u00fcnschen erreichen kann, oder dass sie das allgemeine Preisniveau  bestimmen k\u00f6nne &#8211; das so genannte nominale BIP-Targeting. Alle Daten deuten aber tats\u00e4chlich darauf hin, dass die Fed keineswegs so allm\u00e4chtig ist.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines Artikels von Atif Mian und Amir Sufi &#8211; House of Debt)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Federal Reserve steuert bekanntlich direkt den kurzfristigen Zinssatz. Aber ihre eigentliche Priorit\u00e4t liegt auf der Kontrolle der Inflation sowie der Inflationserwartungen. 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