{"id":13628822,"date":"2020-06-07T07:00:30","date_gmt":"2020-06-07T05:00:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=13628822"},"modified":"2026-03-26T11:49:34","modified_gmt":"2026-03-26T10:49:34","slug":"die-mmt-als-ein-politisches-problem-betrachten-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-mmt-als-ein-politisches-problem-betrachten-teil-1\/","title":{"rendered":"Die MMT als ein politisches Problem betrachten &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Die Art und Weise wie ein Problem gesehen wird kann bestimmen, wie oder sogar ob es \u00fcberhaupt gel\u00f6st wird. <\/p>\n<p><center><a title=\"Zandcee \/ CC BY-SA (https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Panamakanaal_Millennium_Bridge.JPG\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Panamakanaal Millennium Bridge\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/7\/79\/Panamakanaal_Millennium_Bridge.JPG\"><\/a><br \/>\n<em>Ein Schiff auf dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Panamakanal\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Panamakanal<\/a><\/em><\/center><\/p>\n<p>Als der franz\u00f6sische Ingenieur Ferdinand de Lesseps f\u00fcr den Bau des Panamakanals ausgew\u00e4hlt wurde, betrachtete er dies als ein weiteres Ausschachtungsproblem, wie er es schon beim Suezkanal angetroffen hatte. Doch \u00c4gypten war eher flach und Panama besa\u00df einen Berg.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Als dann die Vereinigten Staaten den Job \u00fcbernahmen sah der verantwortliche John Stevens darin vor allem eine Schwierigkeit hinsichtlich des Eisenbahnbaus. Die gr\u00f6\u00dfte Aufgabe bestand demnach darin sechsundneunzig Millionen Kubikmeter Fels und Erde so schnell zu bewegen wie die f\u00fcnfzehn riesigen Dampfschaufeln sie aus dem Berg herausschneiden konnten und von der pazifischen Seite Panamas zur atlantischen Seite zu schaffen um einen Damm zu bauen und einen See als Teil des Kanals zu errichten.<\/p>\n<p><b>Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Modern_Monetary_Theory\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">MMT<\/a>-Problem<\/b><br \/>\nDie Entwickler und F\u00f6rderer der Modern Monetary Theory (MMT) haben ihre Aufgabe dagegen immer als ein Lehrproblem gesehen. N\u00e4mlich zu erkl\u00e4ren, wie Amerikas souver\u00e4nes Geldsystem funktioniert gegen\u00fcber jenen, die immer noch glauben, dass Geld ein knappes Gut ist welches die M\u00f6glichkeiten des Landes einschr\u00e4nkt. <\/p>\n<p>Sie gingen davon aus, dass sich eine neue Welt der M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Aufbau einer besseren Zukunft er\u00f6ffnen wird, wenn mehr Menschen und insbesondere politische F\u00fchrer erkennen, dass knappes Geld keine echte Einschr\u00e4nkung darstellt.<\/p>\n<p>Doch was ist, wenn diejenigen, die f\u00fcr das neue Wissen unzug\u00e4nglich erscheinen Widerstand leisten, weil sie sehr deutlich sehen, wie es in Richtungen f\u00fchren kann die ihren Interessen widersprechen? Der Nachweis, dass sie Geld knapp und unter ihrer Kontrolle halten wollten reicht mindestens hundert Jahre zur\u00fcck. (Und l\u00e4nger, wenn man den B\u00fcrgerkrieg betrachtet.)<\/p>\n<p>In seinem Buch <em><a href=\"https:\/\/historynewsnetwork.org\/article\/161494\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">The Money Makers: How Roosevelt and Keynes Ended the Depression, Defeated Fascism, and Secured a Prosperous Peace<\/a><\/em> erz\u00e4hlte der Historiker Eric Rauchway wie Keynes voraussah, dass Deutschland unter den Bedingungen des Vertrages, der den Ersten Weltkrieg beendete keine Chance auf den Wiederaufbau einer gesunden Wirtschaft hatte die dringend ben\u00f6tigt wurde, um eine stabile Demokratie zu erzeugen. <\/p>\n<p>Er schlug vor dass Deutschland eine gro\u00dfe Anleihe emittieren sollte. Siebzig Prozent des Erl\u00f6ses w\u00fcrden f\u00fcr die Wiedergutmachung der Sieger verwendet, zehn Prozent f\u00fcr die R\u00fcckzahlung ausstehender deutscher Anleihen und zwanzig Prozent f\u00fcr den Wiederaufbau des Landes. Die Bonds w\u00fcrden f\u00fcr Investoren attraktiv gemacht, weil Gro\u00dfbritannien, Frankreich und die USA sie zeichnen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>England und Frankreich waren sich einig, Woodrow Wilson jedoch nicht. In seinem Schreiben, mit dem er den Vorschlag ablehnte hie\u00df es, der Kongress w\u00fcrde dem Vorschlag nicht zustimmen und der Wiederaufbau sollte \u00fcber \u201edie \u00fcblichen Finanzkan\u00e4le\u201c finanziert werden. <\/p>\n<p>Rauchways Nachforschungen ergaben dass der Brief von Thomas Lamont geschrieben wurde, einem Partner von J. P. Morgan der f\u00fcr Wilson arbeitete. Kurz gesagt, die Banken wollten die Erholung Deutschlands dominieren und davon profitieren.<\/p>\n<p>Diejenigen, die sich gegen die MMT aussprechen, weil das Gelddrucken durch die Weimarer Republik zu einer au\u00dfer Kontrolle geratenen Inflation gef\u00fchrt hatte wissen wahrscheinlich nicht, dass diese Katastrophe auf Ma\u00dfnahmen ihrer Bankkollegen vor hundert Jahren zur\u00fcckzuf\u00fchren war.<\/p>\n<p>Rauchway erz\u00e4hlte weiter, wie Banker gegen Roosevelt und seinen New Deal bis zum Ende seines Lebens erbittert gek\u00e4mpft haben. Zwei seiner wichtigsten wirtschaftlichen Erfolge waren dennoch die Beendigung der Verwendung von Gold f\u00fcr internationale Zahlungsverpflichtungen und die \u00dcbernahme und Verwaltung der amerikanischen W\u00e4hrung durch das US-Finanzministerium. <\/p>\n<p>Beide Ma\u00dfnahmen waren die Schl\u00fcssel zur Beendigung der Depression und zum Gewinn des Zweiten Weltkriegs, den er bereits kommen sah, bevor er Pr\u00e4sident wurde. Die MMT-F\u00f6rderer setzen Roosevelts K\u00e4mpfe nun fort und man kann ihnen Rauchways Buch daher nur empfehlen.<\/p>\n<p>Nach neueren Erkenntnissen haben die MMT-Promotoren die Rolle der Banken bisher noch nicht intensiv diskutiert. Doch die Anzahl der Dollars, die sie durch die Gew\u00e4hrung von Krediten schaffen ist um ein Vielfaches h\u00f6her als diejenigen, die die Regierung mehr ausgibt als \u00fcber die Steuern wieder einnimmt. <\/p>\n<p>Banken sehen gro\u00dfe staatliche Finanzierungsoperationen als Konkurrenten. Au\u00dfer wenn sie Rettungspakete brauchten haben Banken seit mehr als einem Jahrhundert gegen \u00f6ffentliche Eingriffe in ihre Wirtschaftsbereiche gek\u00e4mpft. Dies wird bis zur n\u00e4chsten Rezession so bleiben, wenn sie erneut in Schwierigkeiten geraten und in schwachen Positionen verhandeln m\u00fcssen. Bis dahin ist der Kampf gegen sie wahrscheinlich eher Zeitverschwendung f\u00fcr die MMT-F\u00f6rderer.<\/p>\n<p>Viele Erkl\u00e4rungen der MMT beinhalten auch Argumente von \u00d6konomen, die eigentlich gegens\u00e4tzliche Ansichten haben, so als ob ihre Ansichten ge\u00e4ndert werden k\u00f6nnten. Doch der Fall der MMT wird vor dem Gericht der \u00f6ffentlichen Meinung verhandelt und da gibt es keinen Richter. Die gegnerischen \u00d6konomen arbeiten dagegen als Anw\u00e4lte der Wall Street, der Banken und anderer gro\u00dfer Geldinteressen. <\/p>\n<p>Es liegt nicht in ihrer Natur oder in ihren Jobbeschreibungen, ihre Kunden zu verlassen und den MMT-Unterst\u00fctzern zuzustimmen. Dies gilt insbesondere dann, wenn diese Kunden besonders tiefe Taschen haben und den Beratern dabei geholfen haben dorthin zu gelangen wo sie heute sind. B\u00fccher und Dissertationen warten darauf geschrieben zu werden, wie Geld die akademische Freiheit kontaminiert hat und wie man endlich offen \u00fcber wirtschaftliche Fragen diskutieren kann.<\/p>\n<p><b>MMT als ein politisches Problem sehen<\/b><br \/>\nWenn das bisher hier Geschriebene soweit korrekt ist, wie sollte dann die MMT betrachtet und wie weiter gef\u00f6rdert und unterst\u00fctzt werden? Ich betrachte sie als ein bef\u00e4higendes F\u00fchrungsinstrument f\u00fcr Situationen, in denen der Widerstand den Einsatz nicht verhindert. Wenn erste Erfahrungen erfolgreich ausfallen, sollte sie dorthin erweitert werden wo in der Sache politisch gewonnen werden kann. <\/p>\n<p>Daher sehe ich die MMT als ein politisches Problem, sowohl f\u00fcr diejenigen die sie f\u00f6rdern, als auch f\u00fcr diejenigen die sich dagegen verwehren. M\u00f6glicherweise kann man das auch vielleicht anders sehen, und daher sollte es eine lebhafte Diskussion \u00fcber alternative Ansichten geben.<\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/die-mmt-als-ein-politisches-problem-betrachten-teil-2\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">zweiten Teil dieser Reihe<\/a> werden wir untersuchen, wohin uns die MMT f\u00fchren kann.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"http:\/\/neweconomicperspectives.org\/2020\/03\/mmt-is-a-political-problem-part-1.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des amerikanischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/devin-smith-78076118\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Devin Smith<\/a>)<\/em> <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Art und Weise wie ein Problem gesehen wird kann bestimmen, wie oder sogar ob es \u00fcberhaupt gel\u00f6st wird. 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