{"id":11331818,"date":"2019-06-13T07:00:04","date_gmt":"2019-06-13T05:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=11331818"},"modified":"2026-03-25T12:02:26","modified_gmt":"2026-03-25T11:02:26","slug":"israel-als-ein-oekonomischer-triumph-des-neoliberalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/israel-als-ein-oekonomischer-triumph-des-neoliberalismus\/","title":{"rendered":"Israel als ein \u00f6konomischer Triumph des Neoliberalismus?"},"content":{"rendered":"<p><center><a title=\"Yoninah [CC BY-SA 3.0 (https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Malkhei_Yisrael_strip.JPG\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"Malkhei Yisrael strip\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/7\/71\/Malkhei_Yisrael_strip.JPG\"><\/a><br \/>\nEinkaufsstra\u00dfe in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jerusalem\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Jerusalem<\/a><\/center><\/p>\n<blockquote><p>In der letzten H\u00e4lfte des Jahrhunderts hat sich Israel von einem relativ armen Land zu einem der 25 reichsten der Welt entwickelt, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen. <\/p>\n<p>Israel hat dies gr\u00f6\u00dftenteils getan, indem es den Handel, die Integration in die Weltwirtschaft, die Liberalisierung seiner Wirtschaft und hohe Investitionen in den Technologiesektor und in Start-ups, oft mit staatlicher Unterst\u00fctzung, vorangetrieben hat.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<blockquote><p>Israel hat immer noch einige Probleme mit dem Lebensstandard und der Einkommensungleichheit, aber es ist ein klassischer Fall von Neoliberalismus &#8211; zumindest im \u00f6konomischen Bereich -, der gr\u00f6\u00dftenteils wie geplant funktioniert.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nWenn Sie also das n\u00e4chste Mal einen Angriff auf die neoklassische \u00d6konomie lesen, \u00fcberlegen Sie einen Moment &#8211; und betrachten Sie den Fall Israel.<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tyler_Cowen\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Tyler Cowen<\/a> in <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/opinion\/articles\/2019-06-06\/israel-s-economy-shows-that-classical-economic-theory-still-works\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Bloomberg Opinion: Israel\u2019s Economic Miracle<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Ernsthaft jetzt, Herr Cowen? Vielleicht sollte man einmal nachlesen, was der US-\u00d6konom so lapidar als &#8222;einige Probleme&#8220; bezeichnet:<\/p>\n<blockquote><p>Der Staat senkte die \u00f6ffentlichen Ausgaben drastisch, vor allem im sozialen Bereich, bei den Subventionen f\u00fcr Grundnahrungsmittel, den \u00f6ffentlichen Transport und Bildungseinrichtungen. Dies wurde unter der Regierung von Benjamin Netanjahu seit 2009 noch ausgeweitet. <\/p>\n<p>Ziel der Regierung ist es, die Staatsverschuldung in der Maastrichtnorm der EU zu halten. Die soziale Schere ging dabei so weit auseinander, wie man sie seit der Staatsgr\u00fcndung noch nicht erlebt hatte. <\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaft_Israels\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Wirtschaft Israels &#8211; Wikipedia<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Die Preislage in Israel l\u00e4sst sich allerdings nur dann richtig einordnen, wenn klar ist, wie viel Israelis verdienen. Und das ist im OECD\u2010Vergleich gar nicht so viel: Das j\u00e4hrliche Haushaltseinkommen abz\u00fcglich Steuern und Transferleistungen liegt in Israel bei durchschnittlich 29.704 Euro und damit unter dem OECD\u2010Durchschnitt von 37.770 Euro. <\/p>\n<p>Zum Vergleich: In Deutschland sind es 41.587 Euro. Dabei ist die Arbeitslosigkeit mit 4,8 Prozent (Stand: 2016) ziemlich gering. Und doch hat Israel die h\u00f6chste Armutsrate im OECD\u2010Vergleich, gefolgt von der T\u00fcrkei und den USA: 18 Prozent aller Israelis leben unterhalb der Armutsgrenze. In Deutschland sind es nur neun Prozent.<br \/>\n&#8230;<br \/>\n\u00bbIsrael, das sind eigentlich zwei verschiedene L\u00e4nder\u00ab, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Dan Ben\u2010David. \u00bbEs gibt die Start\u2010up\u2010Nation mit ihren Top\u2010Universit\u00e4ten. Und dann gibt es eine andere Gruppe, die nicht die M\u00f6glichkeiten und Bedingungen erh\u00e4lt, in der modernen Gesellschaft zu arbeiten. Diese Gruppe ist gro\u00df und w\u00e4chst immer weiter.\u00ab<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDas Land ist gespalten und die Kluft zwischen Arm und Reich gro\u00df. Nur in den USA sind die Einkommensunterschiede gr\u00f6\u00dfer als in Israel. <\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/israel\/fuer-eine-handvoll-schekel\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">J\u00fcdische Allgemeine: F\u00fcr eine Handvoll Schekel<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Nicht zu reden davon, dass der Staat Israel seit Jahrzehnten quasi im permanenten Kriegszustand mit seinen Nachbarn lebt, st\u00e4ndigen gewaltt\u00e4tigen <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/israel-gaza-209.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Eskalationen<\/a> ausgesetzt ist, eine der gr\u00f6\u00dften Armeen der Welt und eine vergleichsweise riesige R\u00fcstungsindustrie unterh\u00e4lt (und damit f\u00fcr Unmengen an zus\u00e4tzlichen Arbeitspl\u00e4tzen sorgt) und systematisch seine arabischen Mitb\u00fcrger <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arabische_Israelis#Wirtschaftliche_Lage_und_Besch\u00e4ftigung\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">diskriminiert<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn man das nat\u00fcrlich alles au\u00dfer acht l\u00e4sst, kann man Israel tats\u00e4chlich als einen neoliberalen Musterstaat feiern. In Wirklichkeit aber ist nur das eingetreten, was diese Art der Wirtschaftspolitik bisher immer verursacht hat: eine Spaltung der Bev\u00f6lkerung in wenige Reiche und den Rest, von dem ein immer gr\u00f6\u00dfer werdender Anteil unter den &#8222;Wohltaten&#8220; dieser Politik zu leiden hat. <\/p>\n<p>Nimmt man aber diese vielen Sondereffekte weg, die (was die Konflikte angeht, Gott sei Dank) wohl kaum einem anderen Staat so zur Verf\u00fcgung stehen und ber\u00fccksichtigt, dass Israel von den USA und Europa in <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=MDOYBwAAQBAJ&#038;pg=PA297&#038;lpg=PA297&#038;dq=amerikanische+zahlungen+an+israel&#038;source=bl&#038;ots=tTebrAEnEa&#038;sig=ACfU3U3fU6RAS3AOZM379sPoKRkehtTadg&#038;hl=de&#038;sa=X&#038;ved=2ahUKEwjWiMe8rePiAhVJ3qQKHW5rDEQ4KBDoATAJegQICBAB#v=onepage&#038;q=amerikanische%20zahlungen%20an%20israel&#038;f=false\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">einem besonderen Ma\u00dfe finanziell gef\u00f6rdert wird<\/a> und gleichzeitig aber mit den Pal\u00e4stinensergebieten die Dritte Welt direkt vor der eigenen Haust\u00fcr mitverantwortlich selbst erzeugt hat, so muss man Tyler Cowen ernsthaft fragen, ob er sonst nichts Besseres f\u00fcr den angeblichen neoliberalen Erfolg ins Feld zu f\u00fchren hat.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df muss die argumentative Not sein, wenn man bei einem solchen Vergleich ausgerechnet auf Israel zur\u00fcckgreift, dessen wirtschaftliche und politische Situation nahezu einzigartig in der Welt ist. Und f\u00fcr eine Kritik an der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Modern_Monetary_Theory\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Modern Monetary Theory<\/a> (MMT), die nach Cowens Meinung ma\u00dfgeblich f\u00fcr die hohen Inflationsraten Anfang der 1980er Jahre verantwortlich sein soll, reicht das erst recht nicht.  <\/p>\n<p>Ich kann mir zudem kaum vorstellen, dass irgendjemand wirtschaftlichen Erfolg tats\u00e4chlich mit solchen Rahmenbedingungen bezahlen will (au\u00dfer er geh\u00f6rt zu den wenigen Profiteuren davon). Also Herr Cowen, beim n\u00e4chsten Mal bitte ein \u00fcberzeugenderes Beispiel!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einkaufsstra\u00dfe in Jerusalem In der letzten H\u00e4lfte des Jahrhunderts hat sich Israel von einem relativ armen Land zu einem der 25 reichsten der Welt entwickelt, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen. 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