{"id":10242262,"date":"2019-01-26T07:00:47","date_gmt":"2019-01-26T06:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=10242262"},"modified":"2019-01-24T14:40:27","modified_gmt":"2019-01-24T13:40:27","slug":"loehne-senken-immer-noch-die-falsche-medizin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/loehne-senken-immer-noch-die-falsche-medizin\/","title":{"rendered":"L\u00f6hne senken &#8211; immer noch die falsche Medizin"},"content":{"rendered":"<p>Selbst der Vorsitzende der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K%C3%B6niglich_Schwedische_Akademie_der_Wissenschaften\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">K\u00f6niglich Schwedischen Akademie der Wissenschaften<\/a> (ja, derjenige, der allj\u00e4hrlich die Gewinner des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfred-Nobel-Ged%C3%A4chtnispreis_f%C3%BCr_Wirtschaftswissenschaften\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Sveriges-Riksbank-Preises f\u00fcr Wirtschafts-wissenschaften in Erinnerung an Alfred Nobel\u201c<\/a> vorstellt) verbreitete schon vor Jahren die Behauptung, dass das Besch\u00e4ftigungsniveau auf lange Sicht ein Ergebnis der eigenen rationalen intertemporalen Entscheidungen der Menschen sei und dass die Frage, wieviel gearbeitet wird im Grunde eine Sache von Anreizen darstelle.<\/p>\n<p><Center><a href=\"https:\/\/larspsyll.files.wordpress.com\/2019\/01\/education-teaching-salary-wage-salary_cut-wage_cut-teacher-rmon1629_low.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/larspsyll.files.wordpress.com\/2019\/01\/education-teaching-salary-wage-salary_cut-wage_cut-teacher-rmon1629_low.jpg\" width=\"300\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/a><\/center><\/p>\n<p>Irgendwie klingt dieses Argument reichlich bekannt. Bei der Verleihung des \u201eNobel-preises\u201c im Jahr 2011 erkl\u00e4rte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thomas_Sargent\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Thomas Sargent<\/a>, dass die Arbeitnehmer auf niedrige Arbeitslosenentsch\u00e4digungen vorbereitet sein sollten, um die richtigen Anreize f\u00fcr die Jobsuche zu erhalten. Der schwedische rechte Finanzminister begr\u00fc\u00dfte damals die Aussage von Sargent und erkl\u00e4rte, dass dies eine &#8222;gesunde Warnung&#8220; f\u00fcr diejenigen sei, die die Entsch\u00e4digung erh\u00f6hen wollten.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Diese Ansicht erscheint symptomatisch. Wie in den 1930er Jahren deuten immer mehr rechtsgerichtete Politiker &#8211; und \u00d6konomen &#8211; darauf hin, dass die Senkung der L\u00f6hne die richtige Medizin w\u00e4re, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit ihrer schwankenden Volkswirt-schaften zu st\u00e4rken, die Wirtschaft anzukurbeln, die Besch\u00e4ftigung zu erh\u00f6hen und Wachstum zu schaffen, um damit die Last der steigenden Schulden loszuwerden und ein Gleichgewicht in den Staatshaushalten zu erreichen.<\/p>\n<p>Wenn man jedoch andeutet, dass man wirtschaftliche Probleme durch Lohnk\u00fcrzungen und Beeintr\u00e4chtigungen der Arbeitslosenunterst\u00fctzung in diesen schwierigen Zeiten l\u00f6sen k\u00f6nnte, sollte man dies eher als Zeichen daf\u00fcr ansehen, wie sehr das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem gesunken ist. Lohnk\u00fcrzungen und niedrigere Erwerbslosen-entsch\u00e4digungen sichern weder Wettbewerbsf\u00e4higkeit noch Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Was vor allem ben\u00f6tigt wird, sind Stimuli und eine Wirtschaftspolitik, die die effektive Nachfrage erh\u00f6hen. Auf gesellschaftlicher Ebene erh\u00f6hen Lohnk\u00fcrzungen nur das Risiko, dass mehr Menschen arbeitslos werden. Wenn man glaubt, dass man Wirtschaftskrisen auf diese Weise l\u00f6sen kann, kehrt man zu den fehlerhaften \u00f6konomischen Theorien und politischen Richtlinien zur\u00fcck, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Maynard_Keynes\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">John Maynard Keynes<\/a> bereits in den 1930er Jahren eindeutig als falsch bewiesen hat. Es waren Theorien und eine Politik, die Millionen von Menschen auf der ganzen Welt arbeitslos machten.<\/p>\n<p>Es ist ein atomistischer Trugschluss zu glauben, dass eine Politik der allgemeinen Lohnsenkungen die Wirtschaft st\u00e4rken w\u00fcrde. Andererseits w\u00e4ren die Gesamteffekte von Lohnk\u00fcrzungen katastrophal, was Keynes damals schon nachweisen konnte. Sie w\u00fcrden eine kumulative Spirale aus niedrigeren Preisen ausl\u00f6sen, die die realen Schulden von Einzelpersonen und Unternehmen erh\u00f6hen w\u00fcrden, da die nominalen Schulden nicht durch den allgemeinen Preis- und Lohnr\u00fcckgang beeinflusst w\u00fcrden. In einer Wirtschaft, die sich immer mehr auf erh\u00f6hte Schulden und Kredite st\u00fctzt, w\u00e4re dies der Einstieg in eine Schuldenkrise mit sinkenden Investitionen und h\u00f6herer Arbeitslosigkeit. Kurz gesagt, es w\u00fcrde eine Depression an der T\u00fcr klopfen.<\/p>\n<p>Die drohende Gefahr in heutigen Volkswirtschaften besteht darin, dass Konsum und Investitionen nicht in Gang kommen. Vertrauen und effektive Nachfrage m\u00fcssen wieder hergestellt werden. Das Problem unserer Volkswirtschaften liegt nicht auf der Angebotsseite. \u00dcberw\u00e4ltigende Beweise zeigen, dass sich das Problem heute auf der Nachfrageseite befindet. Die Nachfrage ist &#8211; offen gesagt &#8211; einfach nicht ausreichend, um die R\u00e4der der Volkswirtschaften in Schwung zu halten. Die Annahme, dass niedrigere L\u00f6hne und Ausgleichszahlungen bei Erwerbslosigkeit die L\u00f6sung darstellen, bedeutet nur ein Rezept f\u00fcr noch schlimmere Katastrophen.<\/p>\n<p><em>(eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/rwer.wordpress.com\/2019\/01\/09\/cutting-wages-the-wrong-medicine\/\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des schwedischen \u00d6konomen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Lars_P%C3%A5lsson_Syll\" target=\"_blank\">Lars Syll<\/a>)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbst der Vorsitzende der K\u00f6niglich Schwedischen Akademie der Wissenschaften (ja, derjenige, der allj\u00e4hrlich die Gewinner des &#8222;Sveriges-Riksbank-Preises f\u00fcr Wirtschafts-wissenschaften in Erinnerung an Alfred Nobel\u201c vorstellt) verbreitete schon vor Jahren die Behauptung, dass das Besch\u00e4ftigungsniveau auf lange Sicht ein Ergebnis der<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[33,43,14,32,44,18],"class_list":["post-10242262","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-deflation","tag-keynes","tag-lohn","tag-schulden","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10242262","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10242262"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10242262\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10323862,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10242262\/revisions\/10323862"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10242262"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10242262"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10242262"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}