Weltmeisterschaft in Zolder 2002
Ein würdiger Saisonabschluß?
Da endete die Radsportsaison 2002 also so wie sie begonnen hatte, mit einem Triumph von "Super-Mario" Cipollini.Nach dem Sieg beim Klassiker Mailand-San Remo, den er 13-mal vergeblich angestrebt hatte, holte er nach 10 Jahren den WM-Titel wieder nach Italien.
Dafür werden ihm die radsportverrückten Tifosi sicherlich ein Denkmal errichten, Unsterblichkeit hat Cipollini mit dieser Saison bei ihnen bereits erreicht.
Ein wenig unglücklich schaute Deutschlands Topsprinter Erik Zabel nach dem Gewinn der Bronzemedaille
aus der Wäsche.
Doch der schnelle Telekomkapitän mußte ebenso wie der Australier Robbie McEwen die Überlegenheit
des "König der Löwen" in diesem Jahr anerkennen. Die Besetzung des Podiums dieser WM spiegelte
haargenau das momentane Leistungsvermögen der weltbesten Sprinter wieder.
Da diesen Tatsachen allerdings auch schon vorher bekannt waren, Mario Cipollini galt nicht umsonst
als der absolute Top-Favorit im Falle eines Massensprints, muß man sich natürlich auch einige
Gedanken über die Strategien der anderen Teams, insbesondere des deutschen, machen.
Gut, mit einer Massenankunft war aufgrund der Topograhie des Kurses im belgischen Zolder zu rechnen.
Aber ob es nicht wirklich möglich gewesen wäre, mit einigen starken Solisten die italienische
Solidarität auf den Prüfstand zu stellen?
Hätte die deutsche Mannschaft, anstatt der "Squadra Azzura" bei der Kontrolle des Feldes zu helfen,
versuchen sollen, einen Jens Voigt oder auch Sebastian Lang in eine Ausreissergruppe zu bringen
und dann im Hauptfeld die Beine hochnehmen und abwarten sollen?
Ein bißchen mehr Fantasie in der Taktik hätte vielleicht die Italiener mehr unter Druck gesetzt,
so kam es aber am Ende zu einem voraussehbaren Finale mit einem ebenso voraussehbaren Sieger.
So hat zwar der sicherlich auffälligste Radprofi der Saison den WM-Titel verdient gewonnen, doch die Frage, ob es auch der Beste war, bleibt daher ungeklärt.
