Ansichten zur Tour de France 2002 Teil 2
Sprinter und Ausreisser
Die erste Hälfte der Tour des Jahres 2002 war ganz auf die Sprinter und die "Rouleure" zugeschnitten. Vor allem die vielen Massenankünfte sorgten für Spannung.
Dabei ging es natürlich auch um den direkten Vergleich der weltbesten Sprinter.
Neben Erik Zabel war eigentlich die ganze Elite mit Robby McEwen, Oscar Freire, Jan Kirsipuu und
Alessandro Petacchi am Start und lieferte sich beinharte Duelle um die letzten Meter vor der
Ziellinie.
Im Gegensatz zum voraussehbarem Ausgang der Gesamtwertung blieb der Kampf ums grüne Trikot bis zur
Schlussetappe in Paris offen.
Letztendlich gewann der Australier McEwen denn doch verdient dieses Trikot, da er über die ganze
Tour gesehen einfach schneller als Zabel war.
Etwas weniger in Szene setzen konnten sich die üblichen Ausreisser. Zwar boten die ersten Etappen
genügend Möglichkeiten zu Fluchtversuchen und langen Alleinfahrten, doch machten die Sprinterteams
diese Bemühungen meist zu brotloser Kunst.
Beispielhaft sei hier die lange Flucht der beiden Franzosen Renier (Bonjour) und Durand (FdJ) auf
der dritten Etappe nach Reims erwähnt. Dabei konnten sich die beiden mit ihren Sponsoren lange im
Fernsehen in Szene setzen, doch den Etappensieg holte sich schließlich Robby McEwen.

Lance Armstrong - der Übermensch?
Über die Person des nun vierfachen Toursiegers Lance Armstrong ist ja nun schon viel geschrieben und gesagt worden.Daher möchte ich hier nur meine subjektive Meinung über den Amerikaner zum Besten geben, die natürlich sehr von den Ansichten anderer abweicht.
Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnt habe, war es Armstrongs Buch "Tour des Lebens", das mich überhaupt erst für den Radsport interessiert hat.
Wie schon bei der Tour 2001 begleitete ich daher Lance Armstrong auch in diesem Jahr mit einer gewissen Sympathie.
Deshalb habe ich zur Dominanz des USPostal-Chefs meine eigene Ansicht.
Wenn ein Joseba Beloki die Tour de France gewinnen will, reicht es einfach nicht, sich nur an das
Hinterrad des Führenden zu hängen. Ohne gelegentliche (ernsthafte) Versuche, Zeit auf das Gelbe
Trikot gut zu machen, bleibt man eben nur Zweiter.
Man muß einfach feststellen, daß im Moment Lance Armstrong bei einer großen Rundfahrt nicht zu
schlagen ist. Seine größten Konkurrenten waren entweder verhindert (Jan Ullrich) oder fuhren im
gleichen Team (Roberto Heras). Ansonsten kann dem Texaner keiner das Wasser reichen.
Ob diese Dominanz die Tour nun langweilig gemacht hat, muß jeder für sich entscheiden.
Mir jedenfalls haben die Antritte des "Champs" in den Bergen einigen Unterhaltungswert gebracht
(zugegebenermaßen nicht ganz so viel wie das Duell gegen Ullrich im letzten Jahr).
Auch glaube ich nicht, daß die Tour in den nächsten Jahren langweilig wird. Schließlich hat zu den
großen Zeiten der bisherigen Patrone wie Hinault und Indurain auch niemand darüber geklagt.
Ganz im Gegenteil hoffe ich darauf, daß Armstrong es vielleicht als erster schafft, die Tour
sechsmal hintereinander zu gewinnen und endgültig in die Geschichte dieses Rennens einzugehen.
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