Ansichten zur Tour de France 2002 Teil 1


Der Fall Jan Ullrich

Die Vorfreude auf die Tour de France, der Höhepunkt schlechthin jeder Radsport-Saison, wurde aus meiner Sicht schon sehr frühzeitig durch das Drama um die deutsche Hoffnung Jan Ullrich getrübt.

Hatte der Telekom-Kapitän im letzten Jahr noch als einziger wenigstens etwas an der Vorherrschaft des Amerikaners Lance Armstrong gerüttelt, so bereiteten seine Kniebeschwerden in diesem Frühjahr allen deutschen Radsportfans arge Kopfschmerzen.
Als dann noch die Unfallflucht unter Alkoholeinfluß und die endgültige Tourabsage dazu kamen, schwante mir bereits Böses.
Trotzdem setzte die Dopingaffäre dem Ganzen noch die Krone auf.

Über diese Sache ist bereits soviel geschrieben und berichtet worden, sodaß ich mich hier nur auf das meiner Meinung nach Wesentliche beschränken will.
Alles deutet darauf hin, daß der Mensch Jan Ullrich, der bisher eher fremdbestimmt war, in ein tiefes mentales Loch gefallen ist.
Beim Team Telekom hatte man bisher alles unternommen, um ihm alle Entscheidungen möglichst abzunehmen und ein angepasstes Umfeld zu schaffen.
Nun scheint sich allerdings herauszustellen, daß dies nicht unbedingt das Richtige für Ullrich zu sein scheint.

Meiner Ansicht nach ist es im Moment (Ende Juli 2002) mehr als fraglich, ob Jan Ullrich noch einmal für Telekom erfolgreich an der Tour teilnehmen wird. Für ihn persönlich wäre es vielleicht am besten, in einem anderen Team im Ausland neu anzufangen und endlich für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

Teamauswahl durch die Societe du Tour

Über die Nichtnomminierung der deutschen Mannschaft Coast zur Tour 2002 war ich doch etwas überrascht. Spätestens beim Rauswurf der Simoni-Truppe Saeco hatte ich doch stark mit einer Berücksichtigung der Essener gerechnet.
Gut, daß für die französischen Teams natürlich wirtschaftlich viel von der Tour-Teilnahme abhängt, kann ich ja noch verstehen. Der Fall BigMat Auber (der Hauptsponsor hat die Auflösung der Mannschaft zum Saisonende aufgrund der Nichtberücksichtigung bei der Tour angekündigt) belegt diese Ansicht ziemlich drastisch.

Doch aus rein sportlichen Gesichtspunkten, sprich Weltranglistenpunkten und Erfolgen, hätte das Team Coast an der Tour teilnehmen müssen.
Die letzten Ergebnisse, insbesondere der Gesamtsieg bei der Tour de Suisse durch Alex Zülle sowie die guten Platzierungen bei der Katalonien-Rundfahrt, lassen darauf schliessen, daß Coast vielleicht eine gute Rolle bei der Tour hätte spielen können.
Nicht nur der Essener Mannschaft sondern dem gesamten deutschen Radsport stände es gut zu Gesicht, wenn die Coast-Fahrer in den verbleibenden Rennen möglichst viele Weltranglistenpunkte sammeln können, damit die Societe im nächsten Jahr nicht mehr an ihnen vorbeikommt.

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© by Jörg Lipinski