{"id":8592,"date":"2013-10-06T23:09:46","date_gmt":"2013-10-06T21:09:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=8592"},"modified":"2026-04-24T08:28:51","modified_gmt":"2026-04-24T06:28:51","slug":"der-mythos-von-der-tauschwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/der-mythos-von-der-tauschwirtschaft\/","title":{"rendered":"Der Mythos von der Tauschwirtschaft"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Der Tausch ist eine sehr fr\u00fche Form des Handels. In seiner einfachsten Form werden zwei G\u00fcter direkt gegeneinander getauscht.<\/p><\/blockquote>\n<p><center><a title=\"Bundesarchiv, Bild 183-2005-0728-526 \/ CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/deed.en)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ABundesarchiv_Bild_183-2005-0728-526%2C_Tausch_von_Kartoffelschalen_gegen_Brennholz.jpg\"><img decoding=\"async\" alt=\"Bundesarchiv Bild 183-2005-0728-526, Tausch von Kartoffelschalen gegen Brennholz\" src=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/1\/16\/Bundesarchiv_Bild_183-2005-0728-526%2C_Tausch_von_Kartoffelschalen_gegen_Brennholz.jpg\" width=\"412\" \/><\/a><\/center><br \/>\n<center><em>Tausch von Kartoffelschalen gegen Brennholz, ca. 1947<\/em><\/center><\/p>\n<p>So wie auf der Wikipedia-Seite <a title=\"Geschichte des Geldes \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichte_des_Geldes\" target=\"_blank\">Geschichte des Geldes<\/a> erkl\u00e4ren uns volkswirtschaftliche Lehrb\u00fccher fast immer den Beginn der modernen \u00d6konomie, indem Menschen durch die Einf\u00fchrung von Geld die Tauschwirtschaft in einer arbeitsteiligen Gesellschaft wesentlich vereinfachten.<\/p>\n<blockquote><p>Geld ist entscheidend wichtig f\u00fcr das Funktionieren einer Marktwirtschaft. Stellen Sie sich vor, wie das Leben ohne Geld w\u00e4re. Die Alternative zur Geldwirtschaft ist Tausch, Menschen, die G\u00fcter und Dienstleistungen direkt, ohne Umweg \u00fcber das Medium Geld, gegen andere G\u00fcter und Dienstleistungen tauschen. (<em>Economics<\/em> von Case, Fair, G\u00e4rtner und Heather 1996)<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch stimmt das so \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<blockquote><p>In den Anf\u00e4ngen der Arbeitsteilung mu\u00df der Tausch h\u00e4ufig noch sehr schleppend und stockend vor sich gegangen sein . . .<\/p>\n<p>Um nun solche mi\u00dflichen Situationen zu vermeiden, mu\u00dfte eigentlich jeder vern\u00fcnftige Mensch auf jeder Entwicklungsstufe seit dem Aufkommen der Arbeitsteilung bestrebt gewesen sein, es so einzurichten, da\u00df er st\u00e4ndig au\u00dfer dem Produkt seiner eigenen Arbeit einen kleinen Vorrat der einen oder anderen Ware bereit hatte, von der er annehmen konnte, da\u00df andere sie im Tausch gegen eigene Erzeugnisse annehmen werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es war vor allem <a title=\"Adam Smith \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adam_Smith\" target=\"_blank\">Adam Smith<\/a>, der mit seinem ber\u00fchmten Werk <a title=\"Der Wohlstand der Nationen \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Wohlstand_der_Nationen\" target=\"_blank\">&#8222;Wohlstand der Nationen&#8220;<\/a> diese Ansicht des Tauschhandels als Ursprung \u00f6konomischen Denkens begr\u00fcndete.<\/p>\n<p>Doch er hat diese Geschichte nicht erfunden, vor ihm vertraten schon andere eine \u00e4hnliche Sichtweise.<\/p>\n<p>Bereits <a title=\"Aristoteles \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aristoteles\" target=\"_blank\">Aristoteles<\/a> leitete im 9. Kapitel des ersten Buches der <a title=\"Politik (Aristoteles) \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Politik_(Aristoteles)\" target=\"_blank\">\u201ePolitik\u201c<\/a> das Einsetzen des Handels aus der These ab, da\u00df \u201e&#8230; die Menschen einmal \u00fcber mehr und ein andermal \u00fcber weniger von dem verf\u00fcgten, das f\u00fcr sie ausreicht\u201c (Aristoteles, 1993, S. 93). Mit Zunahme der Tauschakte und der Ausbreitung des \u201eKapitalerwerbswesens\u201c sei dann das Geld zur Erleichterung des G\u00fcterverkehrs entstanden.<\/p>\n<p>Heute gibt es allerdings viele, die diese Erkl\u00e4rung so nicht mehr gelten lassen wollen, weil dieses &#8222;Bild&#8220; ihrer Meinung nach mit den historischen Realit\u00e4ten nicht \u00fcbereinstimmen kann.<\/p>\n<p>So geht der Anthropologe und Ethnologe <a title=\"David Graeber \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Graeber\" target=\"_blank\">David Graeber<\/a> in seinem Buch <a title=\"Schulden: Die ersten 5000 Jahre \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schulden:_Die_ersten_5000_Jahre\" target=\"_blank\">Schulden: Die ersten 5000 Jahre<\/a> diesem, wie er es nennt, &#8222;gro\u00dfen Gr\u00fcndungsmythos der Wirtschaftswissenschaften&#8220; auf den Grund.<\/p>\n<h3>Die Standardversion der Wirtschaftsgeschichte<\/h3>\n<p>In den Lehrb\u00fcchern der \u00d6konomie beginnt alles mit der Tauschwirtschaft, erst sp\u00e4ter kommt dann das Geld hinzu, noch sp\u00e4ter der Kredit und die Schulden. Dabei erh\u00e4lt das Geld \u00fcblicherweise drei Funktionen: <em>Tauschmittel, Rechnungseinheit und Wertaufbewahrungsmittel<\/em>.<\/p>\n<p>F\u00fcr die \u00d6konomen gilt die erste Funktion stets als die wichtigste.<\/p>\n<p>Die Beschreibung dieser Funktion folgt allerdings fast immer in der Form eines Gedankenspiels, ohne auf konkrete historische Zusammenh\u00e4nge zu verweisen.<\/p>\n<p>Problematisch dabei ist, dass diese Vorstellung zumeist als feststehende Tatsache vermittelt wird, so als habe diese Geschichte so und nicht anders stattgefunden.<\/p>\n<blockquote><p>Wir wissen, steht da zu lesen, dass es in der Geschichte einmal eine Zeit gab, in der Geld nicht existierte. Wie muss das damals gewesen sein? Nun, stellen wir uns ein Wirtschaftssystem vor \u00e4hnlich wie unser heutiges, nur ohne Geld. Das muss sehr unpraktisch gewesen sein! Ganz sicher haben die Leute das Geld erfunden, weil es praktischer war. (Graeber, Schulden, S. 21\/22)<\/p><\/blockquote>\n<p>Bei kritischer Betrachtung offenbaren diese fantasievollen Geschichten von irgendwelchen D\u00f6rfern mit Tauschhandel allerdings mehr Fragen als Antworten.<\/p>\n<p>Wo sollen diese Orte in der Welt r\u00e4umlich und zeitlich angeordnet worden sein?<\/p>\n<p>Die Standardwerke geben darauf keine sinnvollen Erwiderungen.<\/p>\n<p>Wie h\u00e4tte das alles funktionieren sollen? Wie h\u00e4tte jemand auf die Idee verfallen k\u00f6nnen, in einer solchen Tauschwirtschaft ein Gesch\u00e4ft zu er\u00f6ffnen? Wie w\u00e4re er an seine Waren gekommen? Wie h\u00e4tte er all diese Tauschmittel lagern sollen und zur sofortigen Verwendung parat haben sollen?<\/p>\n<p>Eine Menge Fragen, auf die die Wirtschaftswissenschaften keine Antworten haben.<\/p>\n<p>David Graeber bezweifelt daher die Geschichte mit dem Tauschhandel, da die vagen Erz\u00e4hlungen des Aristoteles in den Jahren nach Columbus, w\u00e4hrend der Epoche der Entdeckungen und Eroberungen, aus den &#8222;Schlagzeilen&#8220; fast v\u00f6llig verschwunden waren.<\/p>\n<p>Niemand fand damals irgendwo in der bekannten Welt ein Land oder Reich, dessen \u00d6konomie auf Tauschwirtschaft aufgebaut war. Stattdessen jagte alles wie von Sinnen Gold und Silber hinterher und es wurde v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich davon ausgegangen, dass jede Gesellschaft eigene Formen von Geld besa\u00df und benutzte.<\/p>\n<p>Laut Graeber stellt das anthropologische Standardwerk \u00fcber Tauschhandel von Caroline Humphrey von der Universit\u00e4t Cambridge zu dieser Epoche ein eindeutiges (und ziemlich vernichtendes) Ergebnis fest: \u00bbSchlicht und einfach wurde nicht ein einziges Beispiel einer Tauschwirtschaft jemals beschrieben, ganz zu schweigen davon, dass daraus das Geld entstand; nach allen verf\u00fcgbaren ethnografischen Daten hat es das nicht gegeben.\u00ab<\/p>\n<h3>Kreditsysteme als Grundlage der \u00d6konomie<\/h3>\n<p>Vielmehr gibt es h\u00e4ufige Hinweise auf die Entwicklung von Schenkungs- und Kredit\u00f6konomien, in denen es um die Weitergabe von Waren als Begr\u00fcndung von Schuldverh\u00e4ltnissen oder als &#8222;Gefallens&#8220;-Leistungen geht.<\/p>\n<p>Dabei sei dann das Geld als Recheneinheit zur Feststellung des Werts verschiedener Gegenst\u00e4nde eingef\u00fchrt worden.<\/p>\n<p>Es gibt offenbar viele Beispiele in der Geschichte, wie man die systemimmanenten Probleme einer Tauschwirtschaft durch die Einf\u00fchrung von Kreditsystemen gar nicht erst aufkommen lie\u00df. Stattdessen ging es dabei immer um ein Geflecht von Geschenken und Schuldverh\u00e4ltnissen, die, wenn sie nicht auf sehr pers\u00f6nlicher Basis abliefen, immer auch eine Art von &#8222;Aufsicht&#8220; ben\u00f6tigten, damit niemand dabei &#8222;\u00fcbervorteilt&#8220; werden konnte.<\/p>\n<p>Dabei ging es also auch immer um das Verst\u00e4ndnis von Staat, den Adam Smith offenbar in der liberalen Tradition seiner Zeit auf die Grundfunktion des Schutzes des Privateigentumes beschr\u00e4nken wollte.<\/p>\n<p>Vor allem war er der Ansicht, dass Eigentum, Geld und M\u00e4rkte bereits vor staatlichen Institutionen bestanden h\u00e4tten und diese letztlich nur die St\u00e4rke der W\u00e4hrung garantieren sollten.<\/p>\n<p>Die Geschichte vom Tauschhandel ist damit letztlich auch die Geschichte der Begr\u00fcndung der Wirtschaftswissenschaften als eigenst\u00e4ndiges Studiengebiet abseits von moralischen und politischen Regeln.<\/p>\n<p>Der Haken an dieser Geschichte ist allerdings der, dass niemand je dieses sagenhafte Land der Tauschwirtschaft gefunden hat, jedenfalls nicht in dem Sinne, wie es sich Adam Smith und s\u00e4mtliche Lehrb\u00fccher nach ihm vorgestellt haben.<\/p>\n<p>Wenn \u00fcberhaupt, so hat dieses System offenbar nur in kleinen, \u00fcberschaubaren Gruppen existiert und funktioniert.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich war eine Art Kreditsystem mit Geld als Recheneinheit stets dann anzutreffen, wenn Menschen sich in gr\u00f6\u00dfere, anonyme Verb\u00fcnde wie Staaten zusammenschlossen. Dabei war eine wirklich vorhandene &#8222;W\u00e4hrung&#8220; anscheinend nicht immer notwendig.<\/p>\n<p>Nach dem Zusammenbruch des R\u00f6mischen Reichs oder sp\u00e4ter dem der Karolinger z. B. rechneten die Menschen einfach in den alten &#8222;Einheiten&#8220; weiter, obwohl sie l\u00e4ngst keine entsprechenden M\u00fcnzen mehr besa\u00dfen.<\/p>\n<h3>Bereits in Mesopotamien (3500 Jahre v. Chr.) gab es Kreditsysteme<\/h3>\n<p><center><a title=\"By NordNordWest (self-made, using  GTOPO-30 Elevation Data by USGS) [GFDL (http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html) or CC-BY-3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AKarte_Mesopotamien.png\"><img decoding=\"async\" alt=\"Karte Mesopotamien\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/f\/fe\/Karte_Mesopotamien.png\" width=\"412\" \/><\/a><\/center>Den wohl h\u00e4rtesten Schlag gegen die herrschende Version der Wirtschaftsgeschichte aber brachte nach Graeber die Entschl\u00fcsselung mesopotamischer Keilschriften.<\/p>\n<p>Diese Texte lieferten den Beweis, dass Kreditsysteme der oben beschriebenen Art und Weise bereits viele tausend Jahre vor der Erfindung des M\u00fcnzwesens existierten.<\/p>\n<p>Die <a title=\"Mesopotamien \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mesopotamien#Sumerer\" target=\"_blank\">Sumerer<\/a> hatten damals schon staatliche Tempelverwalter, die &#8222;Geld&#8220; aus Silber schufen, Schulden verwalteten und eine einheitliche Buchf\u00fchrung betrieben.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Edelmetalls war allerdings nicht als Geld im Umlauf, sondern lagerte in den Schatzh\u00e4usern der Tempel und Pal\u00e4ste.<\/p>\n<p>Dabei war vor allem bemerkenswert, dass Kredite zwar in Silber berechnet, aber eben nicht in Silber bezahlt werden mussten.<\/p>\n<p>Stattdessen wurde mit praktisch allem gehandelt, was gerade zur Verf\u00fcgung stand. Kredite waren dabei die bevorzugte Art der Transaktionen, oft wurden Schulden erst zur Erntezeit mit Getreidelieferungen beglichen.<\/p>\n<p>Mit den Kenntnissen \u00fcber die mesopotamischen Kreditsysteme ist eigentlich die herk\u00f6mmliche Version der Geschichte, wie das Geld entstand, am Ende. Bereits seit fast hundert Jahren sind alle notwendigen Beweise bekannt, um diese Theorie v\u00f6llig zu widerlegen und eigentlich neu schreiben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<h3>Eine neue Geschichte der \u00d6konomie ist notwendig<\/h3>\n<p>Entgegen der allgemein bekannten Darstellung begann diese &#8222;Geschichte&#8220; eben nicht mit dem Tauschhandel, um dann das Geld zu &#8222;entdecken&#8220; und zuletzt Kreditsysteme herzustellen.<\/p>\n<p>Sie entwickelte sich eigentlich genau anders herum: Zuerst waren die Schulden da, die M\u00fcnzen kamen erst viel sp\u00e4ter und ersetzten auch nie ganz die Kreditsysteme.<\/p>\n<p>Tauschhandel fand dabei immer nur dann statt, wenn Menschen, die bereits an Geld gew\u00f6hnt waren, aus verschiedenen Gr\u00fcnden keinen oder nur eingeschr\u00e4nkten Zugang zu Zahlungsmitteln irgendeiner Art hatten (etwa nach dem Zusammenbruch einer Volkswirtschaft wie im <a title=\"Russlandkrise \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russlandkrise\" target=\"_blank\">Russland der Neunziger<\/a> oder in <a title=\"Argentinien-Krise \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Argentinien-Krise\" target=\"_blank\">Argentinien w\u00e4hrend der Peso-Krise<\/a>).<\/p>\n<p>Doch diese Geschichte wurde nie neu geschrieben. Ganz im Gegenteil ignorierten Historiker und viele Wirtschaftswissenschaftler sie bis heute.<\/p>\n<p>Interessant dabei ist, dass offenbar vor allem Anh\u00e4nger der klassischen Theorie hartn\u00e4ckig an diesem &#8222;Mythos&#8220; festhalten, haupts\u00e4chlich wohl deshalb, weil man damit eine weitestgehende Zur\u00fcckhaltung des Staates aus dem Marktgeschehen argumentativ unterst\u00fctzen und fordern kann.<\/p>\n<p>Andere, keynesianisch orientierte \u00d6konomen sind da schon merklich zur\u00fcckhaltender. So erw\u00e4hnt z. B. Peter Bofinger in seinen &#8222;Grundz\u00fcgen der Volkswirtschaftslehre&#8220; den Begriff &#8222;Zustand des Naturaltauschs&#8220; nur bei der Funktion des Geldes als Tauschmittel, in den die Wirtschaft zur\u00fcck f\u00e4llt, wenn der Wert des Geldes nicht mehr stabil ist (S. 279).<\/p>\n<p>Auch Heiner Flassbeck und vor ihm schon Wilhelm Lautenbach und Wolfgang St\u00fctzel ersparten sich die Geschichte von der Tauschwirtschaft weitestgehend, ihre Konzentration lag und liegt vielmehr auf dem modernen Kredit- und Geldsystem der Neuzeit, welches vor allem durch das Papiergeld gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<h3>Wollen wir wirklich an einen Mythos glauben?<\/h3>\n<p>Warum aber sollte man dann Menschen Glauben schenken, die ihre Wissenschaft auf eine solche haarstr\u00e4ubende Geschichte aufbauen? Warum sollte man solche Theorien widerspruchslos hinnehmen, die schon bei ihrer Gr\u00fcndung offenbar eklatante Fehlannahmen vertraten?<\/p>\n<p>Es ist anscheinend an der Zeit, die herrschenden \u00f6konomischen Theorien kritisch zu durchleuchten, um ihre schwachen Stellen und offensichtlichen Unwahrheiten zu erkennen und in die notwendigen Entscheidungsfindungen zu den wirtschaftlichen Problemen unserer Epoche mit einzubeziehen.<\/p>\n<p>Es ist an der Zeit, anderen Ideen wieder mehr Raum zu geben, der Politik Alternativen zur Verf\u00fcgung zu stellen, die Vielfalt der Medienlandschaft zu st\u00e4rken und vor allem den Menschen logische Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze zu liefern, damit sie die Ursachen und Folgen der wirtschaftlichen Entwicklungen besser verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Denn nur dann k\u00f6nnen wir sicher sein, dass sie auch weiterhin Vertrauen in das demokratische Sytem setzen und nicht den Rattenf\u00e4ngern und ihren angeblich einfachen L\u00f6sungen folgen.   <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tausch ist eine sehr fr\u00fche Form des Handels. In seiner einfachsten Form werden zwei G\u00fcter direkt gegeneinander getauscht. Tausch von Kartoffelschalen gegen Brennholz, ca. 1947 So wie auf der Wikipedia-Seite Geschichte des Geldes erkl\u00e4ren uns volkswirtschaftliche Lehrb\u00fccher fast immer<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[43,36,32,37,44,18],"class_list":["post-8592","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-keynes","tag-lautenbach","tag-schulden","tag-stuetzel","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8592","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8592"}],"version-history":[{"count":57,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8592\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8994,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8592\/revisions\/8994"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8592"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8592"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8592"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}