{"id":8364869,"date":"2018-06-08T07:15:46","date_gmt":"2018-06-08T05:15:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/?p=8364869"},"modified":"2026-03-24T09:09:36","modified_gmt":"2026-03-24T08:09:36","slug":"monetaerer-irrsinn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/monetaerer-irrsinn\/","title":{"rendered":"Monet\u00e4rer Irrsinn"},"content":{"rendered":"<p>Es ist buchst\u00e4blich qu\u00e4lend peinlich unseren politischen F\u00fchrer dabei zuzusehen, wie sie versuchen, die Art und Weise, wie wir als kollektive Gesellschaft Steuern auf uns selbst erheben zu \u00fcberdenken und umstrukturieren. <\/p>\n<p><center><a title=\"Juanedc from Zaragoza, Espa\u00f1a, CC BY 2.0 &lt;https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0&gt;, via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:%C3%81guila_(9317293060).jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"412\" alt=\"\u00c1guila (9317293060)\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/09\/%C3%81guila_%289317293060%29.jpg\"><\/a><br \/>\n<em>Details einer US-Dollar-Banknote<\/em><\/center><\/p>\n<p>Es erscheint fast so, als w\u00fcrde man einem Familienmitglied zuschauen, das mit einer psychischen Krankheit zu k\u00e4mpfen hat: Die D\u00e4monen, mit denen gerungen wird, sind imagin\u00e4r &#8211; und doch haben sie irgendwie die greifbare Kraft einer Betonwand. <\/p>\n<p><!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend sich der Kampf mit diesem augenf\u00e4lligen Monolithen immer weiter entfaltet, vergessen sogar wir &#8211; die n\u00fcchternen Beobachter der Realit\u00e4t -, dass er nur eingebildet ist; und wenn uns das bewusst wird, wird der Schmerz nahezu unertr\u00e4glich, aus dem einfachen Grund, da wir genau wissen, dass er v\u00f6llig unn\u00f6tig ist.<\/p>\n<p>Warum entscheidet sich unser politisches System dazu, an diese v\u00f6llig erfundene Einschr\u00e4nkung zu glauben und daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen, dass Steuern f\u00fcr Staatsausgaben aufgewendet werden m\u00fcssen? Wie k\u00f6nnen wir uns angesichts dieses unumst\u00f6\u00dflichen D\u00e4mons erkl\u00e4ren, dass die einfache Logik des Fiat-Geldes eigentlich beweist, dass Staatsausgaben zuerst get\u00e4tigt werden m\u00fcssen, bevor Steuern erhoben werden k\u00f6nnen? <\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir unseren ver\u00e4ngstigten und verwirrten Volksvertretern in der Politik davon \u00fcberzeugen, dass, wenn unsere souver\u00e4ne Regierung weniger Dollars zur\u00fcckfordert als sie heraus- und ausgibt, der Unterschied nicht unsere kollektive &#8222;Verschuldung&#8220; darstellt &#8211; sondern es sich dabei tats\u00e4chlich um unsere kollektive Ersparnis handelt? Doch dieser D\u00e4mon wird uns diese Erkl\u00e4rungen nicht erlauben.<\/p>\n<p>Wie bei jeder psychischen Krankheit ist der grausamste Aspekt zu beobachten, wie ungesch\u00fctzt wir durch diese T\u00e4uschung jenen ausgeliefert sind, die uns selbsts\u00fcchtig und gierig manipulieren und ausnutzen. Wir glauben tats\u00e4chlich dem reichen fetten Kater, wenn er uns davon \u00fcberzeugen will, dass wir, die armen K\u00e4mpfer, besser dran sind, wenn wir uns daf\u00fcr entscheiden ihn reicher zu machen! Wie, so wird uns gesagt, kann diese reiche dicke Katze uns einen neuen Job geben, wenn er nicht noch verm\u00f6gender und fetter wird? <\/p>\n<p>Schlie\u00dflich k\u00f6nnen wir uns selbst nun mal keine Arbeit geben &#8211; oder etwa doch? Unsere souver\u00e4ne Regierung &#8211; die, was wir nicht zu verstehen scheinen, unser kollektives <em>Selbst<\/em> repr\u00e4sentiert &#8211; kann (und muss) eine Fiat-W\u00e4hrung emittieren und ausgeben. Wie wahr! Doch diese W\u00e4hrung (so fl\u00fcstern es uns unsere D\u00e4monen zu) darf nicht von unserem kollektiven Selbst daf\u00fcr ausgegeben werden, um unseren individuellen Lohn zu bezahlen, um damit n\u00fctzliche Dinge f\u00fcr unsere Familien und unsere lokalen Gemeinschaften zu erreichen. Die W\u00e4hrung muss stattdessen (Fl\u00fcstern, Fl\u00fcstern) daf\u00fcr aufgewendet werden, um die fette Katze noch weiter zu m\u00e4sten, damit sie <em>uns<\/em> L\u00f6hne zahlen kann, um n\u00fctzliche Dinge f\u00fcr <em>ihn<\/em> zu leisten. Der Schmerz dieser Logik macht dich eigentlich sprach- und gef\u00fchllos.<\/p>\n<p>Unser Problem wird umso gef\u00e4hrlicher, je mehr unsere &#8222;Therapeuten&#8220; &#8211; die \u00d6konomen und Budgetplaner &#8211; aktiv mit dem reichen fetten Kater kollaborieren. Wir legen uns stattdessen auf die Couch und erfahren, dass wir ein Defizit haben. Diese Defizit ergibt sich daraus, dass unsere souver\u00e4ne Regierung &#8211; die nicht wirklich unsere ist (Fl\u00fcstern, Fl\u00fcstern), sondern irgendwie sich mit anderen verschw\u00f6rt, die nichts weiter w\u00fcnschen, als unsere Steuergelder zu konfiszieren &#8211; weiterhin darauf beharrt, mehr von diesen Dollars auszugeben als sie wieder einziehen kann\/will. <\/p>\n<p>Wir haben also ein Defizit, das wir, auch wenn es nicht unsere Schuld ist, irgendwie wieder ausgleichen und zur\u00fcckzahlen m\u00fcssen. Unsere schlichte Hoffnung, dass vielleicht unsere Steuergelder uns n\u00fctzliche \u00f6ffentliche G\u00fcter und Dienstleistungen liefern k\u00f6nnten, wird durch mathematische Berechnungen zunichte gemacht und uns damit demonstriert, dass es nie genug Steuergelder f\u00fcr alle \u00f6ffentlichen G\u00fcter geben kann, die wir eindeutig brauchen. Unsere einzige Chance (Fl\u00fcstern, Fl\u00fcstern) besteht darin, die dicke Katze weiter zu m\u00e4sten, damit sie alles f\u00fcr uns erreichen kann. Wenn wir den fetten Kater dick machen, wird er uns erziehen; er wird unser Essen anbauen; er wird unsere H\u00e4user bauen; er wird unsere Schmerzen heilen und er wird uns Benzin in unseren Tank geben. <\/p>\n<p>Alles, was wir tun m\u00fcssen, ist, ihm alles zu geben, was wir haben: unser Ackerland, unsere Nationalparks und W\u00e4lder, unsere Naturschutzgebiete, unsere B\u00e4che und Fluss-m\u00fcndungen, unsere Berggipfel. Alles, was wir tun m\u00fcssen, ist ihm unsere Luft und unser Wasser zu geben, so wie er es ben\u00f6tigt. Alles, was wir tun m\u00fcssen, ist sicherzustellen, dass er reich wird, denn nur wenn er reich ist, k\u00f6nnen wir hoffen, dass er uns einen Job gibt und uns daf\u00fcr bezahlt, etwas zu tun. Denn wir k\u00f6nnen doch nicht ernsthaft davon ausgehen, dass er uns anheuert, wenn er kein Verm\u00f6gen hat, oder? Nein, nat\u00fcrlich nicht. Und wir k\u00f6nnen auch nicht erwarten, dass er noch mehr von uns anstellt, wenn wir ihn nicht noch fetter und reicher machen. Das ist alles sehr logisch, wird uns gesagt, wenn wir auf der Couch liegen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wird der Wert unserer Prognose durch die Tatsache stark eingeschr\u00e4nkt, dass es einflussreiche Leute gibt &#8211; Politiker und andere Eliten &#8211;  die sehr gut und genau wissen, dass wir Trugbildern aufsitzen, dass Steuern nicht f\u00fcr die Staatsausgaben notwendig sind, dass unser Fiat-Geld-Defizit keine &#8222;Schuld&#8220; darstellt, die wir irgendjemandem zur\u00fcckzahlen m\u00fcssen, dass die steigenden Gewinne globaler Konzerne weder sinnvolle Arbeitspl\u00e4tze schaffen noch etwas N\u00fctzliches f\u00fcr unsere lokalen Gemeinschaften damit erreicht wird. Sie wissen all diese Dinge, doch sie sind (durch was?) dazu verpflichtet, zu schweigen oder sich zumindest entsprechend zu verstellen. <\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen uns schlicht nicht direkt und rundheraus sagen: &#8222;Schaut mal, diese Steuer- und Defizitberechnung ist reiner Unsinn. Es ist einfach nur wahnhaftes Kauderwelsch! Unsere souver\u00e4ne Regierung <em>muss(!)<\/em> ihr Fiat-Geld herausgeben und damit etwas bezahlen, bevor sie es wieder als Steuern eintreiben kann. Und die Emittierung und Ausgabe von Fiat-Geld ist genau das, was diese souver\u00e4ne Regierung uns bezahlen kann, um all das zu erreichen, was wir f\u00fcr notwendig erachten.&#8220;<\/p>\n<p>Die fette Katze muss stattdessen in ihre Schranken gewiesen werden. Sie bekommt wie alle anderen nur eine einzige Stimme. Sie kann nicht allein die ganze Show f\u00fcr sich beanspruchen. Es sei denn wir lassen sie. Was wir sicher tun werden, solange wir an unserer monet\u00e4ren Geisteskrankheit leiden.<\/p>\n<p><em>(Eigene \u00dcbersetzung eines <a href=\"https:\/\/neweconomicperspectives.org\/2017\/12\/monetary-mental-illness\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Blogbeitrages<\/a> des amerikanischen Architekten und wirtschaftswissen-schaftlichen Quereinsteigers J.D. Alt)<\/em><\/p>\n<p><em>PS: Auch hier bliebe noch einmal darauf hinzuweisen, dass es nat\u00fcrliche Grenzen gibt f\u00fcr die Emittierung der &#8222;Schuldscheine&#8220; einer souver\u00e4nen Regierung (aka &#8222;Geld&#8220;), wie sie J.D. Alt in diesem Essay sehr eindrucksvoll und durchaus richtig fordert. <\/p>\n<p>Auf Makroskop.de erkl\u00e4rte <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2018\/04\/wie-viele-mythen-braucht-der-mensch\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">G\u00fcnther Grunert<\/a> diesen umfassenden Rahmen beispielsweise folgenderma\u00dfen:<\/em><\/p>\n<blockquote><p><b>&#8230;Jedoch w\u00e4re eine nationale Regierung schlecht beraten, ihre nominalen Ausgaben so stark auszuweiten, dass deren Wachstum das Wachstum der volkswirtschaftlichen Produktionskapazit\u00e4t \u00fcbersteigt. In diesem Fall n\u00e4mlich droht Inflation.<\/b><br \/>\n&#8230;<\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist buchst\u00e4blich qu\u00e4lend peinlich unseren politischen F\u00fchrer dabei zuzusehen, wie sie versuchen, die Art und Weise, wie wir als kollektive Gesellschaft Steuern auf uns selbst erheben zu \u00fcberdenken und umstrukturieren. Details einer US-Dollar-Banknote Es erscheint fast so, als w\u00fcrde<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[48,14,32,29,44,18],"class_list":["post-8364869","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","tag-geldtheorie","tag-lohn","tag-schulden","tag-sparen","tag-volkswirtschaftslehre","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8364869","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8364869"}],"version-history":[{"count":18,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8364869\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23127576,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8364869\/revisions\/23127576"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8364869"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8364869"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerglipinski.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8364869"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}